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Nur noch halb so viele Meisen: Wintervögel in hessischen Gärten vermisst

Von Viele Menschen, wenig Vögel – so lautet die Zwischenbilanz der diesjährigen Winterzählung des Naturschutzbundes. Auch in Hessen fehlen derzeit die Wintervögel an den Futterstellen in den Gärten.
Blaumeise Foto: Frank Derer Blaumeise
Wetzlar. 

Wo sind nur die ganzen Meisen hin? „Viele Leute rufen uns an und sagen: An den Futterstellen in den Gärten ist nichts los, es fehlen die ganzen Meisenarten“, berichtet Berthold Langenhorst vom Hessischen Naturschutzbund Nabu. Auch Grünfink und Buntspecht sind kaum noch zu sehen, selbst der Spatz ist auf einmal selten. Dafür gebe es viel mehr Amseln, Drosseln und Stare als sonst, berichtet Langenhorst, „der Trend ist so wie in meinem Garten: In einer Stunde gab’s acht Amseln, eine Kohlmeise, ein Rotkehlchen und eine Rabenkrähe“.

Zum siebten Mal hat der Nabu bundesweit zur Zählung der Singvögel in den heimischen Gärten aufgerufen, kurz vor Ende der Aktion am 16. Januar verzeichnet der Verband einen wahren Teilnehmerrekord bei der „Stunde der Singvögel“: Bis Dienstag gingen deutschlandweit bereits Meldungen von mehr als 87 000 Vogelfreunden aus über 56 000 Gärten ein. In Hessen beteiligten sich bereits jetzt rund 7100 Vogelfreunde – das waren 2000 mehr als vor einem Jahr.

In 4998 Gärten wurde fleißig beobachtet und dabei 159 377 Vögel gezählt. Das klingt viel, ist aber eigentlich wenig: Statt der knapp 42 Vogelindividuen pro Garten im langjährigen Mittel wurden in diesem Jahr nur 34 Vögel pro Garten gemeldet – ein Rückgang von knapp 20 Prozent. Damit bestätigten sich Berichte von leeren Futterhäuschen seit November.

Ganz dramatisch ist es bei den Meisenarten: 45 bis 50 Prozent weniger wurden in diesem Winter in den Gärten gesichtet, Kohlmeisen und Blaumeisen fehlen. Sterben unsere Singvögel womöglich also aus? Nein, beruhigt Langenhorst: Schuld sei höchstwahrscheinlich schlicht der bislang milde Winter. Die Meisen, die wir bislang hier im Winter beobachtet haben, stammen nämlich gar nicht aus Deutschland, erklärt Langenhorst: Während unsere Meisen bei der ersten Kälte nach Süden zögen, „kommen normalerweise von Osten andere Meisen nach, aus Russland und Polen“.

Experten könnten die Tiere tatsächlich an ihrem anderen Dialekt unterscheiden, „die singen ein bisschen anders“, erklärt der Naturschützer. Und in diesem Jahr seien die Meisen aus dem Osten wohl nur bis Brandenburg gekommen, aus den östlichen Bundesländern würden nämlich deutlich mehr Meisen gemeldet als aus Hessen und Rheinland-Pfalz. „Wenn das Wetter so kalt bleibt, dann können die Meisen aus dem Osten noch herüberziehen“, sagt Langenhorst, „kann gut sein, dass in ein, zwei Wochen an den Futterhäusern ganz viel los ist.“

Dazu habe der milde Winter bisher den Vögeln die Suche nach Futter auch einfach gemacht: Viele Vögel seien schlicht im Wald geblieben. Andere Arten seien gar nicht erst nach Süden gezogen – das erkläre die hohe Zahl der Amseln, Drosseln und Stare. Die seien sonst „bei der ersten Kälte weg“, sagt Langenhorst, doch Kälte gab es bis zum Jahresende eben kaum. So bleibe am Ende die Erkenntnis: Auch das Wanderverhalten der Vögel unterliegt neuen Trends. „Die Vögel richten sich nach den warmen Strömungen“, sagt Langenhorst, „die wissen ja nicht, wie das Wetter wird, also probieren sie es einfach aus.“

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