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Portrait: Winzerin Charlotte Freiberger: „Ich bin stärker, als ich aussehe“

Von Sie kommt aus dem kleinsten deutschen Weinanbaugebiet und stand am Ende fast ganz oben: Charlotte Freiberger, Winzerin aus Heppenheim an der Hessischen Bergstraße, frisch gekürte Deutsche Weinprinzessin. Tradition und neue Ideen – für die Winzerin ist das kein Widerspruch.
Die junge Winzerin Charlotte Freiberger wurde auf der Bühne in Neustadt an der Weinstraße zur Deutschen Weinprinzessin gewählt.
Heppenheim. 

Es ist 22.15 Uhr, als ihre Vorgängerin ihr die Krone ins Haar drückt: Charlotte Freiberger ist gerade zur Deutschen Weinprinzessin gewählt worden. Zuvor punktete sie mit viel Fachwissen, Charme und Natürlichkeit. „Ich bin absolut glücklich“, strahlt sie, „es kommen viele tolle Termine auf mich zu!“ Die 26-jährige Winzerin mag die Bühne und die Krone – und dabei ist das normalerweise gar nicht ihre Welt: „Ich habe die letzten Tage im Keller gestanden“, sagte sie lachend, „wir sind mitten in der Weinlese.“

Die vierte Generation

Vor 91 Jahren gründete der Urgroßvater den Familienbetrieb an der Hessischen Bergstraße. „Mit mir steht die vierte Winzergeneration in den Startlöchern“, erzählt Freiberger im Gespräch mit dieser Zeitung: „Das Weingut, wird wohl an mir hängen bleiben.“ Ihren Master of Science machte Freiberger an der renommierten Weinbauuniversität in Geisenheim und an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, seit einem Jahr arbeitet sie im elterlichen Weingut mit.

Rund 200 Termine im Jahr

Die 69. Deutsche Weinkönigin heißt Katharina Staab und kommt von der Nahe. Die 27 Jahre alte Marketing-Fachfrau aus Oberhausen an der Nahe setzte sich in der Wahlgala am Freitagabend in Neustadt

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Gerade 1,60 Meter groß ist die zierliche junge Frau mit den blonden Haaren, Landwirtschaft, Weinbau – das sind handfeste Berufe, wo auch Muskelkraft gefragt ist. Freiberger zuckt die Achseln. „Ich bin stärker, als ich aussehe“, sagt sie gelassen, „ich mache hier auf dem Weingut alles, was die Männer auch machen.“ Mit anzupacken, das sei wichtig in einem Betrieb.

Es ist Frauenzeit im deutschen Weinbau, seit einigen Jahren sind junge Winzerinnen stark auf dem Vormarsch. Ein Mädchen auf der Weinbauuni, eine Betriebsnachfolgerin gar – vor 20 Jahren noch war das die absolute Ausnahme. Heute bewegen sich junge Winzerinnen völlig selbstverständlich zwischen Keller und Weinberg – meist mit dem Traktor.

„Mein Vater und ich treffen die Entscheidungen gemeinsam“, sagt Freiberger. 16 Hektar groß ist das Weingut in Heppenheim, „wir sind der größte privatvermarktende Betrieb an der Bergstraße“, erklärt sie. In Neuseeland stand Freiberger während ihres Praktikums im Rotweinkeller, dort verarbeiteten sie zur Erntezeit mal eben 10 000 Tonnen Wein.

„Andere Dimensionen“, sagt Freiberger, und ja, ein paar Ideen habe sie schon mitgebracht: Von den fruchtigen und frischen Rotweinen schwärmt sie, in denen ganze Trauben samt Stielen mitgärten. Die Umsetzung neuer Ideen habe aber Zeit, findet sie: „Unser Weingut hat ja Erfolg, da wäre es blödsinnig, alles von heute auf morgen anders zu machen.“

Sie spielt auch Geige

„Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche“, steht als Leitsatz auf der Homepage des Weinguts, Freiberger hat ihn ausgesucht. Die Tradition spiele im Weinbau schon eine sehr große Rolle, erzählt sie, Holzfasslagerung, Herstellungsmethoden, „vieles ist ja sehr alt“. Es sei aber sehr wichtig, nicht stehen zu bleiben. „Grenzenlos“ heißt der Riesling, den sie gemeinsam mit ihrem Freund produziert, ein Wein mit Trauben von der Hessischen Bergstraße und aus der Pfalz, der Heimat des Freundes.

Der Ausspruch zur Tradition stammt vom Komponisten Gustav Mahler, Freiberger spielt Geige seit sie sechs Jahre alt ist. Fünf Jahre lang musizierte sie im Landesjugendorchester von Hessen. „Das war eine besondere Ehre und hat enorm Spaß gemacht“, sagt sie. Vor einem Jahr dann wurde sie Weinkönigin der Hessischen Bergstraße, noch ein Amt mit Ehre und Tradition.

Als Deutsche Weinprinzessin wird sie nun spannende Termine im In- und Ausland im Dienste des deutschen Weins absolvieren. „Die Chance auf dieses tolle Jahr“, sagt Freiberger, „hat man nur einmal im Leben.“

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