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Schattenmenschen, Spukhäuser, Poltergeister: Wir haben mit einem Geisterjäger aus Frankfurt gesprochen

Der Glaube an das Okkulte erlebt eine Renaissance - auch in Frankfurt: Hier erforscht die Gruppe Andapava übernatürliche Phänomene. Wir haben mit ihrem Mitbegründer Andreas Schipper gesprochen - über flimmernde Lichtkugeln und Stimmen aus dem Jenseits, über Poltergeister und den Reiz des Übernatürlichen.
Herr Schipper, können Sie noch im Dunkeln schlafen?
Schipper: (lacht) Ja, das geht noch. Aber ich schlafe ohnehin nie im völlig Dunkeln. Der Rollladen bleibt immer einen Spalt weit offen. Das mache ich so, seit ich klein bin.

Sie sind Geisterjäger – den Begriff mögen Sie aber gar nicht.
Schipper: Der Begriff „Geisterjäger“ suggeriert, dass man etwas jagt, fängt, bekämpft. Da denkt jeder gleich an die Ghostbusters. Das tun wir aber nicht.

Sondern?
Schipper: Wir untersuchen seltsame Phänomene. Wir sammeln Indizien und suchen eine natürliche Erklärung. Das gelingt uns manchmal – und manchmal eben nicht.



Was für Phänomene sind das?
Schipper: Ein konretes Beispiel: Vor einer Weile sind wir in die Nähe von Idar-Oberstein gerufen worden, zu einer Mutter und ihrem Sohn. Die haben in ihrem Haus immer wieder Schattengestalten gesehen, wurden von ihnen angefasst, zum Teil auch leicht verletzt. Außerdem haben sie Stimmen gehört, obwohl dort niemand war. Und es ging den beiden auch gesundheitlich schlecht.

Wie gehen Sie in so einem Fall vor?
Schipper: Zu unserem Team gehört eine Psychologin. Die hat sich erst mal mit den beiden unterhalten. Noch während des Gesprächs haben wir anderen aber etwas gesehen: An der Küchentür war eine Gestalt, die sich um die Ecke lehnte und in den Raum schaute. Mindestens 1,90 Meter groß, schwarz, dünn. Wir sind aufgesprungen und hingerannt – aber die Gestalt war nicht mehr da. Wir haben daraufhin unsere Messgeräte im Hotspot-Raum aufgebaut, dem ehemaligen Zimmer des Sohnes. Dort gab es deutliche Ausschläge. Wir haben dann mit der Entität kommuniziert, fast eine Dreiviertelstunde lang.

Was haben Sie herausgefunden?
Schipper: Wir konnten anhand von Electronic-Voice-Phenomena-Stimmen die verstorbenen Eltern der Klientin aufspüren. Zudem befand sich eine gefangene Seele dort – der Schatten aus der Küche.

Andapava haben einen Videobericht über den Fall auf Youtube veröffentlicht:


Das klingt für mich eher nach Menschen, die persönliche Probleme haben, und diese externalisieren …
Schipper: Klar, solche Fälle gibt es auch. Wir gehen nie irgendwohin mit der These, dass da Übernatürliches passiert. Sondern wir untersuchen, ergebnisoffen. Und es kommt durchaus vor, dass wir dann sagen: Die Leute, die uns gerufen haben, projizieren da etwas. Was in dem Fall bei Idar-Oberstein allerdings nicht so war.

Das heißt, Sie versuchen zunächst, jede natürliche Erklärung eines Phänomens auszuschließen?
Schipper: Ja. Das ist unsere Methode. Erst, wenn keine natürliche Erklärung mehr infrage kommt, beschäftigen wir uns mit den Alternativen.  



Welche anderen natürlichen Erklärungen haben Sie gefunden?
Schipper: Technische Ursachen sind recht häufig. Wir hatten zum Beispiel den Fall eines älteren Ehepaars, das nicht schlafen konnte. Die haben über Schwindel und Kopfschmerzen geklagt und waren der Überzeugung, es sei nachts jemand – oder etwas – mit ihnen im Raum. Die Erklärung war dann aber ganz schlicht: Der Raum war vollgestopft mit Elektrogeräten. Zwei Computer, ein Fernseher, Radios, ein Server. Die haben sich praktisch einen Elektrosmog-Tempel gebaut. Und der hat sie vom Schlafen abgehalten. Wir haben die Geräte rausgeschmissen, und nach ein paar Tagen war Ruhe.

Welche übernatürlichen Erklärungen haben Sie gefunden?
Schipper: An erster Stelle stehen die Electronic-Voice-Phänomene. Dabei handelt es sich um Stimmen und Geräusche, die live nicht zu hören sind und erst später auf den Aufnahmen erscheinen. Dann natürlich Poltergeistphänomene: Dinge bewegen sich von alleine, Geräte schalten sich von selbst an, aus oder um. Außerdem Sogenannte „Shadow-People“, sich als Schatten manifestierende Entitäten und Wesen, die durch schwarze Magie entstanden oder gesandt wurden. Auch das „Orb-Phänomen“ wurde schon live erlebt. Orbs sind Energiekugeln, die frei schwebend und eigenes Licht produzierend durch den Raum schweben.



Hui. Wie sind Sie zu paranormalen Ermittler geworden?
Schipper: Ich hatte ein Erlebnis in meinem Elternhaus, als Jugendlicher. Eine Tür, die sich von alleine öffnet. Ein Raum, in dem es stockfinster ist, obwohl er ein großes Tageslichtfenster hat. Nach diesem Vorfall habe ich mich ein paar Jahre lang mit Übernatürlichem beschäftigt, aber nicht auf eigene Faust ermittelt. Erst vor knapp fünf Jahren habe ich durch Zufall von den Techniken erfahren, die mittlerweile zum Einsatz kommen, und habe beschlossen, das selbst zu versuchen.

Erlebt der Glaube an das Übernatürliche eine Renaissance?
Schipper: Ich glaube, ja. Das Interesse wächst.

Warum?
Schipper: Das hat vor allem mit dem Internet zu tun. Sie finden zahllose Berichte aus aller Welt, in denen übernatürliche Phänomene dokumentiert werden. Das lässt die Szene weltweit zusammenwachsen. Die Erforschung dieser Phänomene beschäftigt viele Menschen. Und die haben mittlerweile eine Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu treten.

Warum glauben Menschen in einer aufgeklärten Gesellschaft an übernatürliche Phänomene?
Schipper: Menschen suchen immer nach Erklärungen für das, was sie erleben. Und wenn sie ein Phänomen nicht auf natürliche Ursachen zurückführen können, dann suchen sie eben übernatürliche Ursachen.

Ist das nicht naiv?
Schipper: Das würde ich so nicht sagen. Viele der Phänomene, die wir heute „übernatürlich“ nennen, werden wir irgendwann erklären können. Denken Sie an Blitz und Donner – die wurden früher auch als übernatürlich betrachtet; mittlerweile verstehen wir sie und betrachten sie als natürliche Phänomene.



Ist das, was Sie tun, Wissenschaft?
Schipper: Die Parapsychologie gehörte bis vor einigen Jahren zum akademischen Curriculum. Noch immer gibt es in Deutschland eine Beratungsstelle für Parapsychologie – in Freiburg. Mit deren Lehrstuhlinhaber, Walter von Lucadou, stehen wir in Kontakt. Trotzdem würde ich das, was wir machen, nicht als Wissenschaft bezeichnen. Wir sind Praktiker. Unsere Methoden erfüllen ja keine wissenschaftlichen Standards. Wenn überhaupt, dann würde ich sagen, dass wir uns in einem Grenzgebiet der Naturwissenschaften bewegen.

Haben Ihre Ermittlungen Ihre Sicht auf die Welt verändert?
Schipper: Ja. Der Tod erscheint mir nicht mehr bedrohlich. Weil ich nicht mehr glaube, dass er das Ende ist.

Andreas Schipper, 42, arbeitet hauptberuflich als Verwaltungsbeamter bei der Stadt Frankfurt am Main. Seit gut viereinhalb Jahren erforscht er zudem als Mitglied der Gruppe Andapava übernatürliche Phänomene in Frankfurt und darüber hinaus.

Alle Fotos: Andreas Schipper / Andapava

Das Gespräch führte Christophe Braun

 
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