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Im Klostergarten von Seligenstadt gedeihen sogar Ananas: Wo es am Main exotisch ist

Von Hessen grenzt zwar nicht ans europäische Ausland. Doch mit sechs „Außengrenzen“ hat Hessen so viele Nachbar-Bundesländer wie kein anderes. FNP-Reporter Matthias Pieren hat sich auf den Weg gemacht und berichtet heute von seinen Grenzerfahrungen am Main, in Blickweite nach Bayern.
Foto: Pieren Ein Hauch Exotik: Wie einst die Mönche in der ehemaligen Benediktiner-Abtei Seligenstadt zieht Gartenbaumeister Uwe Krienke in dem Gewächshaus sogar die eigentlich tropischen Ananaspflanzen.
Seligenstadt. 

600 000 Besucher im Jahr ist eine mehr als beachtliche Zahl. So ganz genau weiß das der Klostergärtner von Seligenstadt Uwe Krienke nämlich nicht. Schließlich ist der Klostergarten der ehemaligen Benediktinerabtei Seligenstadt frei zugänglich. Eintritt wird nicht erhoben, eine Statistik ist also nicht möglich.

Krienke schließt den einen Hektar großen Konventgarten morgens früh um 7 Uhr auf. „Das ist einer der schönsten Arbeitsplätze in Hessen“, sagt der Gartenbaumeister in Diensten der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten. „Es ist herrlich, bei Morgenerwachen die Pflanzen und Blumen zu gießen. Da ist die Gartenanlage noch menschenleer, eine ganz besondere Atmosphäre.“

Als der 60-Jährige vor über 30 Jahren hier begonnen hat, bestand der Konventgarten noch aus acht schlichten Rasenflächen, sogenannten Kompartimenten. Das hat sich gründlich geändert. Die prachtvolle Anlage trägt heute an allen Ecken und Enden die Handschrift von Uwe Krienke. Die Stadt weiß seine Verdienste zu würdigen.

„Krienke hat mit sehr großem Engagement die gärtnerische Gestaltung der Außenanlagen nach historischem Vorbild mit viel Überzeugungskraft und enormem persönlichen Einsatz vorangetrieben“, heißt es in der Laudatio bei der Verleihung des Kulturpreises der Stadt an Uwe Krienke. „Heute zählt unser Klostergarten zu den schönsten Deutschlands und hat sich in den letzten Jahren zu einem attraktiven und ganzjährigen Anziehungspunkt für Touristen aus nah und fern entwickelt.“

Weine von Weltruhm

Das ist mit keiner Silbe zu dick aufgetragen. Tagesgäste und auch Ausflügler reisen sogar mit dem Ausflugsschiff der Primus-Linie von Frankfurt aus über den Main an. Der Main bildet hier die Landesgrenze zwischen Hessen und Bayern. Ins bayerische Ausland setzt man mit der Fähre „Stadt Seligenstadt“ über, die unweit der mächtigen Einhards-Basilika und der Klosteranlage ablegt.

Bild-Zoom Foto: Pieren
Die Dreitürme-Gruppe der Abteikirche ist das Wahrzeichen von Seligenstadt.

Von der Anlegestelle in Karlstein sind es noch zehn Kilometer nach Hörstein. „Die Mönche des Klosters Seligenstadt wussten schon vor 1000 Jahren den Rebensaft der Hörsteiner Südhanglange zu schätzen. Damals hat Abt Beringer für das Benediktinerkloster einen Weinberg erworben“, sagt Krienke.

Heute bewirtschaftet der Staatliche Hofkeller Würzburg die größte Rebfläche in Hörstein, deren Weine Weltruhm genießen. So soll bei der Krönung der englischen Königin Elisabeth II. Hörsteiner Wein ausgeschenkt worden sein. Auch Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Deutschlandbesuch vor zehn Jahren einen 2005er Riesling Kabinett vom Abtsberg gereicht bekommen.

Besucher können nicht nur den edlen Wein im neuen Klosterladen kaufen. „Hier wird ebenfalls Honig der klostereigenen Bienenvölker angeboten. Der Birnenschnaps ist aus Birnen des Klostergartens gebrannt“, sagt der Gartenbaumeister. Diese wachsen aber nicht auf herkömmlichen Birnbäumen, sondern als sogenanntes Scherbenobst in größeren Blumentöpfen.

Ja, Krienke und sein Gärtner-Team – unter den neun Mitarbeitern sind vier Auszubildende – haben neben der blühenden Blumenpracht auch ein Paradies für Obst und Gemüse geschaffen. Dabei haben sie im Klostergarten wie einst die Mönche das Schöne mit dem Nützlichen verbunden.

„Was hier wächst, soll das Auge erfreuen und zugleich schmecken sowie nahrhaft sein“, erklärt Krienke den Grundgedanken. Zum Beispiel die Artischocke: Die Frucht der lila blühenden Kulturpflanze ist nicht nur lecker. Arzneilich wirksam sind die Blätter. Sie lindern Blähungen, helfen bei Völlegefühl und wirken sich positiv auf den Cholesterinspiegel aus.

100 Pflanzen angebaut

„Die hier gepflanzten Maulbeerbäume sind ebenfalls nützlich“, erklärt der Botaniker. „Die Früchte schmecken wie Brombeeren. Die Blätter werden an unsere Schafe verfüttert und das Holz kann man später nach dem Fällen für Wein- oder Schnapsfässer verwenden.“

Benediktinerabtei und Basilika

Die ehemalige Benediktinerabtei St. Marcellinus und Petrus wurde zwischen 830 und 840 gebaut und liegt mitten im Stadtkern von Seligenstadt.

clearing

Inzwischen werden im Klostergarten 100 Pflanzen angebaut. Etwa 25 Früchte ernten Uwe Krienke und seine Kollegen pro Jahr. Im Gewächshaus der Klostergärtnerei haben es die Pflanzen bei 23 bis 24 Grad sommerlich warm. Seit fast 20 Jahren werden sogar Ananas geerntet – die Mönche machten das nachweislich bereits 1787.

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