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Umwandlung von Bestattungsflächen: Wohnungsnot: Bauen wir bald auf Friedhöfen?

Auf Friedhöfen gibt es immer mehr ungenutzten Platz, gleichzeitig fehlen Baugrundstücke in Städten. Eine Lösung könnte die Umwandlung von Bestattungsflächen in Bauland sein. Wissenschaftler und Interessenverbände loben die Idee, warnen aber vor Risiken.
Symbolbild Foto: Heiko Lossie (dpa) Symbolbild
Kassel. 

Ein Wohnhaus auf einem alten Friedhof - das ist womöglich Stoff für Horrorfilme. Oft suchen darin die Verstorbenen dann die Lebenden heim. Auch wenn das unrealistisch ist: Das Wohnen auf einem ehemaligen Bestattungsort sei nicht jedermanns Sache, bestätigt Alexander Helbach, Sprecher der Verbraucherinitiative Aeternitas. Er sagt aber auch: Die Umwandlung von Friedhofsflächen in Bauland könnte große Probleme in Städten lösen.

«Der Trend geht zur Urnenbestattung», erklärt Helbach. Über 60 Prozent der Verstorbenen ließen sich einäschern. Vor 20 Jahren sei es nur ein Drittel gewesen. Und weil Urnen weniger Platz brauchen als Särge, hätten viele Friedhöfe große ungenutzte Flächen, deren Pflege Geld koste. So ist die Situation beispielsweise in Kassel und Frankfurt. Laut Berechnung des Instituts für Kommunale Haushaltswirtschaft (Helsa) aus 2015 sind von 425 Millionen Quadratmetern auf deutschen Friedhöfen 165 Millionen Überhangflächen. Das entspricht über 23 000 Fußballfeldern. 250 Millionen Euro koste der Unterhalt dieser ungenutzten Areale.

Diese Entwicklung trifft auf einen Bauboom in Hessen. Die Nachfrage nach Bauland ist laut der Hessischen Landgesellschaft «immens groß». «Wir haben vor allem einen Zuzug in die Ballungsräume wie Rhein-Main und große Städte», sagt Kirsten Vogelmann vom Städte- und Gemeindebund in Hessen.

Der Kasseler Professor Stefan Rettich kommt zu dem Schluss: «Der Reurbanisierung geht der Rohstoff aus.» Gemeint ist der Zuzug von Bevölkerung in die Kernstädte. Rettich hat mit Studenten die Umwandlung von Friedhofsflächen in Berlin betrachtet. Die Studierenden entwarfen Modelle für eine Bebauung solcher Flächen. Ihre Erkenntnis: Man muss bei der neuen Nutzung den Charakter des Ortes erhalten, also beispielsweise mit viel Grün planen.

Einig sind sich Wissenschaftler und Interessenverbände in einem: Jeder Fall sollte für sich betrachtet werden. Unproblematisch seien Flächen, wo noch niemand bestattet wurde. Heikel wird es bei früheren Gräbern. «Es ist nicht schön, wenn man einen Keller aushebt und Knochen findet», sagt Aeternitas-Sprecher Helbach. Kommunen, die eine Umwandlung von Friedhofsflächen erwägten, sollten die Idee am besten vorher öffentlich diskutieren. Ausgenommen sind zudem jüdische Friedhöfe: «Nach jüdischem Glauben müssen Gräber ewig bestehen», erklärt Helbach. Und das werde in Deutschland berücksichtigt.

Der Bund der Steuerzahler in Hessen steht dem Bauen auf Friedhöfen offen gegenüber. Man unterstütze die Bestrebungen von Städten und Gemeinden, Kosten zu reduzieren, sagt Sprecher Moritz Venner zur Flächenumwandlung: «Auch dabei erzielte zusätzliche Einnahmen sind natürlich Steuererhöhungen vorzuziehen.»

In Kassel könnte das Bauen auf Friedhofsflächen bald Thema werden: Professor Rettichs Studenten wollen ihre Arbeiten dort nochmals ausstellen und den Kassel-Bezug diskutieren. Genug freie Flächen auf Friedhöfen gäbe es: Laut Stadtverwaltung sind von 950 000 Quadratmetern 150 000 ungenutzt - Tendenz steigend. Der für Bestattungen genutzte Flächenanteil der Friedhöfe werde kleiner, sagt Stadtbaurat Christof Nolda. Doch bis zu einer Umnutzung sei es ein langer Weg: «Eine eventuelle künftige Nutzung von Teilflächen als Bauland setzt einen Entwicklungsplanung voraus», erklärt er. Der müsse sich ausgewogen mit den unterschiedlichen Belangen auf diesen besonderen Flächen auseinandersetzen.

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