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Hessen: Zehn Klischees: Das denken die Alten über die Jungen

"Die jungen Leute in Hessen interessieren sich gar nicht mehr für Traditionen!" Das ist nur eines der Klischees, die junge Hessen häufig von der älteren Generation zu hören bekommen. Aber stimmen die denn wirklich? Wir haben das mal überprüft.
Foto: Jens Wolf (ZB)

Ja, auch im Jahr 2018 gibt es noch den guten alten Generationenkonflikt. In diesem Artikel nehmen wir die zehn beliebtesten Klischees, die die alten Hessen von den jungen Hessen haben, auseinander. Und wir stellen dabei Erstaunliches fest.

Bild-Zoom Foto: Arne Dedert (dpa)

1. „Die junge Leude wolle net mehr uff dem Land wohne. Nebbean steht des Haus
ach scho lär. Die Dochter von de Müllers is jetzt ach nach Darmstadt gezoge.“

Ja, ist was dran! Tatsächlich zieht es die jungen Hessen immer stärker in die Metropolregionen. Die meisten jungen Menschen wohnen in Frankfurt. In ländlichen Gegenden wie dem Werra-Meißner-Kreis sind dagegen rund 25 Prozent der Menschen im Rentenalter.

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ARCHIV - Menschen warten am 27.07.2015 in der U-Bahnstation vom Hauptbahnhof in Frankfurt am Main (Hessen) auf die passende U-Bahn. (zu dpa «Entgleiste U-Bahn sorgt für Ausfälle in Frankfurt - keine Verletzten» vom 09.11.2017) Foto: Christoph Schmidt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Bild-Zoom Foto: Christoph Schmidt (dpa)
ARCHIV - Menschen warten am 27.07.2015 in der U-Bahnstation vom Hauptbahnhof in Frankfurt am Main (Hessen) auf die passende U-Bahn. (zu dpa «Entgleiste U-Bahn sorgt für Ausfälle in Frankfurt - keine Verletzten» vom 09.11.2017) Foto: Christoph Schmidt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

2. „Ach in den U-Bahnen isses immer so voll, die Mütter müsse sich da immer noch
mit ihrem Kinnerwagen reinquetschen, die Gören schreien und man kann
nirgends sitzen. Früher ist man sche mit dem Auto in die Stadt gefahren.“

Tatsächlich steigt die Zahl der Fahrgäste in den öffentlichen Verkehrsmitteln kontinuierlich. Der RMV freut sich aktuell über 735 Millionen Fahrgäste im Jahr. Ein neuer Rekord!

ARCHIV - Eine Mannheimer Bürgerin wirft am 22.09.2013 in Mannheim einen gelben Wahlzettel zu einem Bürgerentscheid über eine Bundesgartenschau (Buga) in eine Wahlurne. (zu dpa «Von wegen nur Politik von oben: Direkte Demokratie kommt in Städte» vom 29.11.2017) Foto: Uwe Anspach/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Bild-Zoom Foto: Uwe Anspach (dpa)
ARCHIV - Eine Mannheimer Bürgerin wirft am 22.09.2013 in Mannheim einen gelben Wahlzettel zu einem Bürgerentscheid über eine Bundesgartenschau (Buga) in eine Wahlurne. (zu dpa «Von wegen nur Politik von oben: Direkte Demokratie kommt in Städte» vom 29.11.2017) Foto: Uwe Anspach/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

3. „Die junge Leude interessieren sich gar net mehr für die Politik. Die sinn nur noch in diese Social-Media-Zeugs unnerwegs. Wie soll das nur wedde, wenn mer net mer sind?“

Laut einer repräsentativen Umfrage gibt keine andere Altersgruppe seltener ihre Stimme ab als die Bürger zwischen 21 und 24 Jahre. Das hat aber viele Gründe: Denn es gibt immer mehr ältere als jüngere Menschen in Deutschland. Und der demografische Wandel führt dazu, dass die Jüngeren in der Politik nicht so stark vertreten sind. Die Folge: Sie haben weniger Macht und auch ihre Interessen werden weniger vertreten. Deshalb gehen viele nicht mehr wählen. (Ausnahmen gibt's natürlich trotzdem.)

Bild-Zoom Foto: Peter Steffen (dpa)

4. „Überall gibt’s nur noch diese Döner und des ganze asiatische Zeug. Mei Enkel
hat letztends a Haufe Geld für rohe Fisch ausgegebbe. Niemand will me Rippsche
mit Kraut esse.“

Das stimmt nicht. Eine Umfrage hat ergeben, dass etwa 48 Prozent der Deutschen die traditionelle deutsche Küche mögen. Tatsächlich ist es sogar so, dass mehr jüngere Menschen es wichtig finden, traditionelle Rezepte zu bewahren als ältere Leute ab 50.

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Bild-Zoom Foto: David-Wolfgang Ebener (dpa)

5. „Die junge Leud babbeln gar kein Hessisch mehr. Immer diese englischen Wörter überrall. Irgendwann sprischt keinä mehr anständiges Hessisch!“

Zunächst einmal: Es gibt nicht das Hessische. Keine andere Dialektlandschaft in Deutschland ist so vielfältig und komplex wie die hessische. Das sagt zumindest die Dialektforschung. Und die sagt auch, dass tatsächlich die alten Dialekte aussterben, dass aber neue Dialekte entstehen. Interessant, oder?

Bild-Zoom Foto: Andrew Matthews (PA Wire)

6. „Früher sinmma zum Vogelsberg gefahre, heute isses ja erst Urlaub wenn se in
en Flugzeug steige tut.“

Falsch! Jeder vierte Deutsche entscheidet sich für einen Urlaub im eigenen Land. Und auch Naherholungsgebiete wie der Odenwald oder der Vogelsberg werden immer beliebter, auch bei jungen Leuten. Ein Grund ist, dass die Deutschen in den letzten Jahren wieder mehr Wert auf Sicherheit legen.

Bild-Zoom Foto: Oliver Berg (dpa)

7. "Die junge Leud wolle nix mehr mit de hessische Traditionen zu tun habbe. Unser Kultur geht verlore!"

Das stimmt so nicht. Die Sossenheimer Kerbeburschen beispielsweise sind junge Leute, die der Kerbegesellschaft beigetreten sind. Ihr Motto: Tradition lebt. Und so geht es vielen Jugendlichen. Karneval ist ein weiteres sehr beliebtes Fest.

Bildfunk+++ Bild-Zoom Foto: Patrick Pleul (dpa-Zentralbild)
Bildfunk+++

8."Auf dem Main kann man das schene Panorama vom Rheinmaingebiet
betrachten. Die Rundfahrten mit der Fähre sind für die Jungen ach net mehr gut
genuch. Die gehe jetzt in so Kletterwald."

Auch das ist nicht ganz richtig. Klar - ganze Tagesausflüge nach Rüdesheim
beispielsweise sind hauptsächlich von Senioren besucht, aber auf den
Rundfahrten um Frankfurt herum sind Familien stark vertreten. Das sagt
zumindest die Primus Linie, eine Binnenreederei, die solche Fahrten anbietet.

Bild-Zoom Foto: Peter Steffen (dpa)

9. "Das schene alte Bergenfest in Frankfurt. Da simma hin und es war eine
gemütliche Stimmung mit ordentlichen Wurschtständen. Jetzt isses laut, die Musik
is unerträglich."

Ja, das Bergerstraßenfest ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen und vor allem sehr viel kommerzieller geworden. Gemütlich ist es vielleicht nicht mehr, aber dafür gibt es sehr viel sehr leckeres Essen aus aller Welt.

Bild-Zoom Foto: Hauke-Christian Dittrich (dpa)

10. "Am allerschlimmsten is dieses ständige Daddeln auf diesen Telefonen. Die
gucke ja garnet mehr uf, würd‘ mich net wundern wenn die net gegen
Straßenlaternen lafe.

Das ist wohl war. Laut einer Studie der DAK verbringen tatsächlich Jugendliche zwischen 12-17 Jahren etwa drei Stunden pro Tag am Handy. Wie gesundheitsschädlich das ist, wird derzeit von vielen Forschern untersucht. Aber es wird befürchtet, dass so hoher Smartphone-Konsum negative Folgen für unsere Psyche hat. Das ist also tatsächlich ein Punkt, bei dem die Jungen von den Alten noch etwas lernen können.

 

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