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Bahnverkehr: Zur Not hilft der Chef per Handy

Der kleine Fahrgastverband ProBahn & Bus nimmt Beschwerden von Bahnkunden und Busfahrenden entgegen und geht diesen nach. Außerdem setzt er sich für eine bessere Infrastruktur ein.
Holzheim und die Aartalbahn Foto: Hans-Peter Günther Vor malerischer Kulisse soll eine moderne Version der Aartalbahn bald wieder fahren. Auch dafür wirbt der Verein ProBahn & Bus.
Frankfurt. 

Oft geht es einfach um Informationen: Wo fährt der Bus, wie bekomme ich bei Verspätungen die Hotelkosten oder das Taxi erstattet? „Viele Bahnkunden wissen nicht, was sie tun müssen. Alle Verspätungen werden aufgezeichnet, der Kunde muss dann nur das Antragsformular am Schalter abholen und ausfüllen, um an sein Geld zu kommen“, sagt Wolfgang Klapdor, Landesvorsitzender des hessischen Fahrgastverbands ProBahn & Bus.

Verspätungen im Nahverkehr würden heute häufig hingenommen, meint Klapdor, „dabei gibt es in vielen Fällen Anspruch auf Schadenersatz. Bei mehr als einer Stunde Verspätung hat der Kunde Anspruch auf Erstattung von 50 Prozent des Fahrpreises. Wer mit dem letzten Zug ankommt und der Anschlusszug kommt nicht, der hat, je nach Entfernung zum Zielort, Anspruch auf ein Hotel oder ein Taxi.“ Der Verein ProBahn & Bus ist ein kleiner hessischer Fahrgastverband, er kümmert sich um all diese Fragen von Bahnkunden und Kunden des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

Massive Beschwerden

Fragen, die von langen Wartestunden in zugigen Bahnhallen oder an einsamen Bushaltestellen im Regen zeugen. Deshalb koche und brodele es auch manchmal in der Telefonleitung, wenn sich entnervte Fahrgäste an den Verband wenden, der solche Beschwerden entgegennimmt. „Wir haben oft regelrecht massive Beschwerden an die Geschäftsstelle und den Fall, dass Leute ihre Wut auf dem Anrufbeantworter hinterlassen ohne Angabe einer Telefonnummer“, erklärt Klapdor. Das sei natürlich auch wieder ärgerlich, denn so können Klapdor und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter den Beschwerden nicht nachgehen.

Die Geschäftsstelle in Lauterbach bestehe derzeit nur aus einem ehrenamtlichen Mitarbeiter, der regelmäßig den Anrufbeantworter abhört. Angestellte zu beschäftigen kann sich der kleine Verband mit derzeit 350 Einzelmitgliedern in Hessen nicht erlauben. In dringenden Fällen kann man den Landesvorsitzenden persönlich auch direkt über Handy erreichen.

„Wir kümmern uns drum“

Schwerpunkte der Arbeit des Verbandes sind die Interessen der Bahnkunden und der Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs. Dazu gehört natürlich die Beantwortung von Fragen der Fahrgäste und die Annahme von Beschwerden, wenn es wider Erwarten dann doch nicht klappen sollte mit der Erstattung für das Hotel. Oder Toiletten auf bestimmten Strecken immer verstopft sind. „Wir leiten Beschwerden dann betreuend weiter an die zuständigen offiziellen Stellen bei der Bahn selbst, oder die Schlichtungsstelle Nahverkehr im Bund, die Netzagentur oder die Verbraucherzentralen“, sagt Klapdor. „Es dauert eventuell etwas länger, aber wir kümmern uns drum.“ Diesen Service bietet ProBahn & Bus allen an, auch Nichtmitgliedern. Wer Mitglied werden will, erhält viermal im Jahr die Verbandszeitschrift „Hessenschiene“, kann an den Sitzungen teilnehmen und ab und an gibt es eine Sonderfahrt für Eisenbahnfreunde mit Wanderung und Bratwurst. Zusammen mit der rechtlichen Betreuung im Schadenfall kostet der Mitgliedsbeitrag 36 Euro im Jahr.

Aber nicht nur die konkreten Sorgen und Nöte der Bahnkunden treiben den Verband um. Es geht auch um Vorschläge zur Verbesserung der Infrastruktur für Bahnkunden und die Nutzer des ÖPNV. Man setzt sich zum Beispiel für den Bau der Wallauer Spange ein, die die Fahrtzeit vom Wiesbadener Bahnhof bis zum Flughafen Frankfurt auf 15 Minuten verkürzen würde. Auch setzt sich der Verband dafür ein, alte Strecken wieder nutzbar zu machen, wie zum Beispiel die Lumdatalbahn bei Gießen. Und kämpft für Fahrplanverbesserungen auf der Main-Weser-Bahnstrecke von Kassel nach Frankfurt. Ein Anliegen von Klapdor ist es auch, in den Verkehrsmeldungen im Radio verstärkt Bahnkunden anzusprechen. „Es sollte mehr auch über Bahnausfälle berichtet werden, der SWR macht das schon sehr gut“, meint der Bahnexperte.

Der Verband ProBahn & Bus ist Mitglied im Deutschen Bahnkundenverband und der wiederum ist Teil der European Passenger Federation, einer europäischen Lobbyorganisation, die sich europaweit für Bahnkunden und den Ausbau der Bahnverkehrsnetze einsetzt.

Das Herz des Vereins ProBahn & Bus ist ein Projekt, das dem Verband damals zur Gründung verhalf: Die Wiederinbetriebnahme der Aartalbahn von Wiesbaden bis Diez. Denn 1983, entstanden aus einer Bürgerinitiative rund um die Stilllegung der Aartalbahn zwischen Wiesbaden und Bad Schwalbach, wurde der Verein gegründet. Damals hieß er: „Bürgerverband zur Förderung des Schienenverkehrs“. „Die Aartalbahn war damals sehr beliebt in Wiesbaden als Ausflugsstrecke und im Winter als Alternative für die Autofahrer“, erinnert sich Klapdor.

Dass es die Aartalbahn in einigen Jahren wieder geben soll, darin sieht er eine Bestätigung der Forderungen seines Verbands. „Unsere Forderung war immer, dass diese Bahn nie hätte stillgelegt werden dürfen“, sagt Wolfgang Klapdor. Tarek Al-Wazir, Hessens Verkehrsminister, habe plötzlich im letzten Jahr die Eisenbahn für sich entdeckt. „Aber in Hessen bestimmen die Landkreise über die Verkehrsverbünde“, so Klapdor. Er sieht darüber hinaus auch andere Schwierigkeiten: Die Aartalbahn habe zurzeit eine Normalspurbreite von 1,42 Metern. Die geplante Citybahn habe aber nur eine Spurbreite von einem Meter, wie sie in der Mainzer City üblich ist.

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