Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 7°C

Geistliches Oberhaupt der Tibeter: Zwischen Lausbub und Gottgestalt

Von Nach einem ersten vergeblichen Anlauf hat es gestern doch noch geklappt: Der Dalai Lama hat das neue Tibethaus in Frankfurt eingeweiht. Und für Deutschland und Frankfurt hat er bei dieser Gelegenheit ebenfalls überaus nette Worte gefunden.
Dalai Lama Foto: Holger Menzel Endlich! Mit zwei Tagen Verspätung und unter den ehrfürchtigen Blicken seiner Anhänger eröffnet der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, das neue Tibethaus in Frankfurt.
Frankfurt. 

Es scheint so, als ob die Nähe von Hollywood-Star Richard Gere zum Dalai Lama auch auf das Tibethaus abgefärbt hätte. Jedenfalls klingt das, was die Mitarbeiter der Frankfurter Einrichtung am Donnerstagnachmittag vor dem Besuch des buddhistischen Mönchs von sich geben, nach Regieanweisungen bei Dreharbeiten. „Seine Heiligkeit wird nachher durch diese Tür kommen“, weist Andreas Hilmer, Sprecher des Tibethauses in Richtung einer Seitentür. Dort werde er eine Kordel durchschneiden, danach eine kurze Zeremonie abhalten, nach etwa einer halben Stunde sei dann alles zu Ende. Aber nicht blitzen, meint Hilmer in Richtung der Fotografen: „Seine Heiligkeit mag keine Blitzlichter.“

Auf der anderen Seite ist die Aufregung bei Hilmer und den anderen Mitarbeitern des Tibethauses verständlich. Schließlich war der erste Versuch schiefgegangen, die für Exil-Tibeter und Freunde dieser Kultur und des Buddhismus bedeutsame Einrichtung durch das geistliche Oberhaupt des Himalaya-Volkes einweihen zu lassen. Und das war in etwa so, als würde der kirchliche Segen Urbi et Orbi nicht vom Papst gesprochen.

Wie berichtet, musste der Dalai Lama sein für Dienstag geplantes Kommen absagen, nachdem ein technischer Defekt seinen Flug nach Frankfurt torpediert hatte.

Am zweiten Tag seines Frankfurt-Besuchs trifft der Dalai Lama dann aber wirklich ein, durchschneidet wie geplant die grün-rot-gelbe Kordel, streut Reis aus und entzündet die Butterlampe, die vor einer goldenen Buddha-Statue auf einem kleinen Altar steht.

Soweit der offizielle Teil der Zeremonie. Kurz darauf zeigt sich der 82-Jährige wieder von seiner gewohnten Seite. Entspannt und fröhlich sitzt er in seiner rot-gelben Kutte am Podium, fasst Frankfurts Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) bei der Hand, tätschelt Dagyab Rinpoche, dem spirituellen Leiter des Tibethauses, herzhaft-zärtlich den Kopf und gibt sein lausbubenhaftes Lachen von sich, das so oft zu hören ist, wenn er etwas erzählt. Dazwischen mischen sich ernste Töne.

„I love Deutschland“

Immer wieder betont er die Gemeinsamkeit aller Menschen, sowohl geistig als auch physisch. Allen sei gemeinsam, dass „wir im Grunde genommen ein glückliches Leben führen wollen.“ Auch zu China verliert er ein paar Worte. Trotz der schwierigen Beziehung zwischen Tibetern und Chinesen lehnt er Pauschalkritik an dem Land ab. Er wolle nicht das „hart arbeitende“ chinesische Volk kritisieren. Vielmehr müssten politische Entscheidungen der vergangenen Jahre hinterfragt werden. Kritik müsse konstruktiv geäußert werden und stets von gegenseitigem Respekt getragen sein. Mit Blick auf die wachsende Zusammenarbeit von Deutschland und China sagte er, es sei normal, dass wirtschaftliche Interessen wesentlich für die Beziehung zweier Länder seien.

Schließlich noch eine Liebeserklärung an Deutschland und Frankfurt. „I love Deutschland“, sagt der Dalai Lama. Und zu Frankfurt meint er: Die Stadt sei sehr nah an seinem Herzen. Wie nah der 82-Jährige seinen Landsleuten ist, wird bei seinem Abschied deutlich. „Er ist für mich wie ein Gott“, sagt eine Tibeterin, die extra für den Besuch aus der Schweiz angereist ist.

Zur Startseite Mehr aus Rhein-Main & Hessen

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse