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Nach der Anzeige gegen Erdogan: „Ihr Beitrag gibt mir wieder Hoffnung“

Von Eine Frau aus Dreieich hat den türkischen Präsidenten Erdogan angezeigt. Der Grund: Volksverhetzung. Die Reaktionen darauf fielen sehr unterschiedlich aus.
Interview mit Fatma Nur Kizilok: Am 9. März berichtete die Frankfurter Neue Presse über die Anzeige gegen Erdogan mit diesem Beitrag.
Frankfurt. 

Respekt! Dieses Wort hat Fatma Nur Kizilok wohl am häufigsten in den vergangenen Tagen gehört und gelesen. Gleich nach mutig und tapfer. Eine Welle der Sympathie und der Anerkennung schwappte über sie, nachdem die seit vielen Jahrzehnten in Deutschland lebende Türkin aus Dreieich Strafanzeige gegen den türkischen Staatspräsidenten Erdogan wegen Volksverhetzung gestellt hatte. Das war vor rund einer Woche. Vor allem über ihr Facebook-Profil haben daraufhin Freunde, Verwandte, aber auch wildfremde Leute zu dieser Aktion gratuliert.

Offenbar hatte Kizilok damit den Nerv vieler Menschen getroffen. Viele Türken, Deutsche aber auch aus anderen Ländern wie etwa der Schweiz, haben Kizilok über Facebook kontaktiert und sich bei ihr bedankt, weil sie sich für Demokratie und Menschenrechte einsetze. „Ich ziehe meinen Hut vor Ihnen! Ich wünsche Ihnen viel Kraft, das durchzustehen! Ihr Beitrag gibt mir wieder Hoffnung, dass es noch klar denkende Menschen gibt! Vielen Dank und lassen Sie sich nicht unterkriegen!!!“, kommentierte etwa eine Facebook-Nutzerin, nachdem Kizilok kurz nach ihrer Anzeige noch einmal mit einem offenen Brief an Erdogan ihre Beweggründe erläuterte.

Dem Hass widerstehen

Darin schreibt Kizilok: „Die Menschen, egal welcher Kultur sie angehören, ob Türkisch, Deutsch oder Araber und viele mehr in Deutschland und anderswo werden sich nicht, wie von Ihnen gewünscht, aufhetzen lassen. Sie werden dem Hass widerstehen und Ihnen weiterhin mit Respekt begegnen, wie es sich gegenüber Andersdenken in der Demokratie gehört“, so die Ausländerbeirätin aus Dreieich in diesem Brief. Und weiter: „Echte Anerkennung und Wertschätzung können nicht durch Macht errungen werden, es ist nur vorübergehend und eine Verblendung.“ Die selbstbewusste Frau endet damit: „Sagen Sie selbst Nein zu Ihrem eigenen Referendum.“

Manche teilten die Veröffentlichungen von Kizilok auf Facebook, um sie zu verbreiten. Andere folgten dem Beispiel der Dreieicherin und stellten ebenfalls Anzeige gegen Erdogan. Die Solidarität ging sogar so weit, dass eine Frau Kizilok Unterstützung bei den Anwaltskosten anbot. Dass sie mutig gewesen sei, sieht Kizilok etwas anders. Die Anzeige sei für sie ein Akt der Verzweiflung gewesen. Das Schönste sei jedoch, sagt Kizilok, dass manche ihr gegenüber eingestanden hätten, sie seien jetzt offener gegenüber Türken oder auch Muslimen geworden.

Nicht nur Lob

Natürlich gab es nicht nur Lob für Kizilok. Unter den vielen Reaktionen gab es auch eindeutig negative. Doch von zwei Millionen Türken in Deutschland nur drei. „Das ist sehr erfreulich“, sagt Kizilok. Doch die waren gleich besonders hart. Einer wünschte ihr den Tod. Sie solle sich gleich neben das Grab des ersten türkischen Präsidenten und Reformers Atatürk legen. Ein anderer nannte sie Nestbeschmutzerin und Verräterin. Zwischen den Zeilen seien auch klar antisemitische Tendenzen festzustellen gewesen. Doch Kizilok sagt: „Manche Menschen wissen gar nicht, was sie da sagen. Sie sind verwirrt über das, was ich gemacht habe.“

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