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Dealer im Bahnhofsviertel: Haschisch am Hauptbahnhof

Von Die Düsseldorfer Straße im Bahnhofsviertel hat sich zu einem Umschlagplatz für Haschisch und Marihuana entwickelt. Die Geschäftsleute murren. Die Polizei berichtet, dass Maßnahmen ergriffen wurden. Die Dealer scheint das aber nicht weiter zu kümmern.
Die Polizei setzt an der Düsseldorfer Straße auf verstärkte Kontrollen – auch zivile Fahnder werden eingesetzt. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Die Polizei setzt an der Düsseldorfer Straße auf verstärkte Kontrollen – auch zivile Fahnder werden eingesetzt.
Frankfurt. 

Dämmerung hat sich aufs Bahnhofsviertel gesenkt. In der Düsseldorfer Straße laufen Banker, die etwas später Feierabend gemacht haben, zum Hauptbahnhof. Zwischen der Niddastraße und der Rolltreppe in die B-Ebene müssen sie an mehreren Drogendealern vorbei. Im Schutz einer Gruppe junger Männer stehen diese auf dem Gehweg, verkaufen Haschisch und Marihuana. Etwa 20 Händler und Aufpasser sind an diesem Abend schätzungsweise da. Einige sitzen auf einem Schutzzaun am Straßenrand, andere auf einer Mauer am Treppenabgang. Ein Passant, der Blickkontakt aufnimmt, wird murmelnd angesprochen. Als er abwinkt, tut der Dealer so, als sei alles nur Spaß gewesen.

Haschisch-Übergabe an der Niddastraße/Ecke Düsseldorfer Bild-Zoom Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Haschisch-Übergabe an der Niddastraße/Ecke Düsseldorfer

Der genannte Abschnitt der Düsseldorfer Straße hat sich in den vergangenen Monaten zu einem offenen Umschlagplatz für Haschisch und Marihuana entwickelt. Das ist etwas Neues im Bahnhofsviertel. Zwar wurden auf den Straßen zwischen Hauptbahnhof und Taunusanlage außer Heroin, Kokain und Crack auch schon immer weiche Drogen angeboten. Eine „Haschisch-Meile“, wie sie sich in der Düsseldorfer etabliert hat, gab es aber nicht. Der Straßenhandel mit dem Rauschgift konzentrierte sich an der Konstablerwache und im benachbarten Allerheiligenviertel, wo er auch heute noch läuft.

Sicherheitsdienst im Einsatz

In der Düsseldorfer Straße stellen sich die Dealer meistens schon am späten Nachmittag auf. In der angrenzenden Niddastraße gibt es Hochbeete, in denen die Szene gern Drogen bunkert. Mit einbrechender Dunkelheit wird die Seitenstraße für Dealer und Kunden zu einem guten, schwach beleuchteten Rückzugsraum. Bei der Frankfurter Sparkasse ist man über die zwielichtigen Nachbarn nicht begeistert: „Die Entwicklung in der Düsseldorfer Straße beobachten wir mit Sorge“, sagt Sprecherin Julia Droege auf Nachfrage. „Seit einiger Zeit haben wir in der Filiale während der Öffnungszeiten einen Sicherheitsdienst eingesetzt, der unseren Kunden und Mitarbeitern bei Bedarf zur Seite steht.“

Die Behörden bemühten sich, in der Gegend für mehr Ordnung zu sorgen, es habe auch schon Festnahmen gegeben, berichtet die Sparkassen-Sprecherin. „Dennoch hat sich die Situation in den letzten Monaten leider nicht grundlegend verbessert.“ Nestor Douvlos, der in der Niddastraße ein Pelzgeschäft betreibt, wählt deutlichere Worte: „Der Haschischmarkt in der Nachbarschaft stinkt uns ganz gewaltig.“ Junge Kundinnen würden mitunter von der Seite angequatscht und trauten sich nicht mehr zum Laden, „Ich bin sicher, dass uns die Situation viele Kunden kostet.“

Angst am Feierabend

Eine Gastronomie-Mitarbeiterin äußert sich ähnlich: Einmal habe sie zwei Dealer, die direkt vor der Eingangstür standen, weiterschicken wollen. Diese seien aber gleich aggressiv geworden und hätten sie beschimpft. „Wenn ich nach Feierabend hier weggehe, habe ich immer ein bisschen Angst.“ Ein Kollege der Frau berichtet von einem großen Kerl Mitte 40, der ab und zu mit dem Auto vorfahre. „Ich gehe davon aus, dass er die Dealer mit frischem Stoff versorgt.“ Alle Geschäftsleute berichten, dass die Polizei schon hin und wieder auftauche. „Die müssten hier aber eigentlich den ganzen Tag stehen, um die Rauschgifthändler zu vertreiben.“

Ein Polizeisprecher sagt auf Nachfrage, dass wegen der Situation in der Düsseldorfer Straße offene und verdeckte polizeiliche Maßnahmen eingeleitet worden seien. Bei Kontrollen, die mitunter auch zusammen mit der Stadt- und Bundespolizei durchgeführt würden, habe es auch schon Festnahmen gegeben. „Die Belange der Anwohner und Gewerbetreibenden im Bahnhofsviertel nehmen wir sehr ernst“, betont der Sprecher. Die Polizei sei an mehreren Runden Tischen beteiligt und stehe im Dialog mit den Beschwerdeführern im Quartier. Zu der Gruppe in der Düsseldorfer Straße gehörten übrigens nicht nur Händler, sondern auch Konsumenten.

Dem Vernehmen nach ist die Polizei noch dabei, die Strukturen hinter der „Haschisch-Meile“ zu ermitteln. Viele der Drogendealer stammten zwar aus Afrika, insgesamt seien aber Personen aus verschiedenen Ländern aktiv. Um einen Markt wie in der Düsseldorfer Straße zu zerschlagen, brauche es einen langen Atem, heißt es. Denn wenn an einer Stelle verstärkt kontrolliert werde, wichen die Dealer an eine andere aus. Außerdem sei es schwer, einzelnen Verdächtigen so viel nachzuweisen, dass sie vor ein Gericht gestellt und verurteilt werden können.

Am Wochenende ließ sich in der Düsseldorfer Straße abermals beobachten, wie Drogen und Geld die Besitzer wechselten. „Ich kenne die Gesichter der Dealer schon ganz genau, dann müsste sie die Polizei doch auch kennen“, sagt Pelzhändler Douvlos. Einig sind sich die Geschäftsleute darin, dass der offene Drogenhandel am Hauptbahnhof keine Zierde für die Stadt ist: „Das Bahnhofsviertel ist schließlich das Erste, was Reisende aus anderen Ländern von Frankfurt sehen.“

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