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Als Mannschaft „durch dick und dünn“

Frankfurt. 

Mit grauem Anzug, hellblauer Krawatte, runder Hornbrille und funkelnden Commerzbank-Manschettenknöpfen begrüßt Martin Blessing die Anwesenden. Über ihm prangt die Commerzbank-Werbung mit der Hamburger Joggerin Lena Kuske im grauen Hoodie. Alle Dinge im Raum, selbst die Kugelschreiber, sind in den Farben der Firma gehalten: weiß und gelb. Der Saal ist bis auf den letzten Platz mit Journalisten und Bank-Mitarbeitern gefüllt. Gut gelaunt stellt Blessing die Highlights des Jahres 2015 vor und richtet anschließend persönliche Dankesworte an die Aktionäre, Journalisten und Mitarbeiter. Neben ihm im 49. Stockwerk sitzen, leicht erhöht auf einem Podium, sein Pressesprecher Richard Lips und Finanzvorstand Stephan Engels.

Der Eindruck, ich gehe, weil mir Banking zu schwierig wird, ist falsch.
Martin Blessing

Er verlasse den Konzern mit gemischten Gefühlen, jedoch nicht, weil ihm die Branche zu unangenehm geworden sei. Über seine zukünftigen Pläne hält er sich bedeckt und auch, ob der nächste Vorstandsvorsitzende ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin sein könnte, lässt er offen. Die Frage, ob er den zukünftigen Chef bemitleide, verneint er entschieden. Wer auch immer den Job antrete, kenne die Aktionärsstruktur, sprich den Einfluss der Bundesregierung als Großaktionär. Bei der Übergabe werde er alles tun, um zu helfen, und drücke die Daumen: „Für meinen Nachfolger bleibt noch eine Menge zu tun.“

Blessing spricht viel in Bildern: Er sieht sich als Trainer und nennt seine Mitarbeiter „eine Mannschaft“, mit der er „durch dick und dünn“ gegangen ist. Die vergangenen Jahre hätten sie als Team hart zusammengearbeitet und Probleme souverän gelöst. Bei Details zur Bilanz verweist er auf „Stephan, der gezeigt hat, dass er die Zahlen viel besser kennt“. Die beiden machen einen vertrauten Eindruck, scherzen und sprechen sich gegenseitig mit Vornamen an. Generell treten die Männer auf dem Podium wie ein eingespieltes Team mit langjähriger Erfahrung auf. Dennoch wirkt Blessing auch nach acht Jahren in seiner sicherlich anstrengenden Position nach wie vor jugendlich und manchmal sogar schelmisch.

Der 52-Jährige wirkt zufrieden, lächelt in die Kameras und hat den einen oder anderen lockeren Spruch auf den Lippen. Für ein Schmunzeln in der Runde sorgen seine direkt an die Journalisten gerichteten Worte. Von der „kritischen, teilweise sehr kritischen“ Begleitung, wie auch den Spekulationen über seinen Nachfolger, habe er sich, so sagt er, in den letzten Jahren wunderbar unterhalten gefühlt. Er habe aber auch „reichlich Stoff geliefert, so dass es mit uns nie langweilig wurde“.

Zumindest kann sich Blessing, dessen Gehalt wegen der Staatshilfen mehrere Jahre lang bei 500 000 Euro gedeckelt war, zum Abschied auf einen warmen Geldregen freuen. Während die Deutsche-Bank-Vorstände auf ihre Bonuszahlungen verzichten müssen, liege bei der Commerzbank der Boni-Topf nur „ganz leicht“ unter dem Niveau von 2014. Auch für den Vorstand werde es variable Vergütungen geben.

„Der Weg stimmt“, bilanziert der Konzernchef bei seiner letzten Zahlenvorlage. Die Bank sei heute deutlich stabiler als vor der Finanzkrise. Auch von den jüngsten Turbulenzen an den Kapitalmärkten lässt sich Blessing nicht beirren: „Das Gefühl ist schlechter als die Lage.“

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