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Online-Streaming-Dienst: Ein Käfig voller Serien

Herkömmliches Fernsehen oder Online-Streaming: Wo liegen die Vor- und Nachteile? Stirbt das Fernsehen aus?
Die Darsteller von „Orange is the new Black“, einer Netflix-Eigenproduktion, die viele Fans gefunden hat. Die Darsteller von „Orange is the new Black“, einer Netflix-Eigenproduktion, die viele Fans gefunden hat.

„The animals, the animals, trapped trapped trapped ’til the cage is full . . .“ – alle Zuschauer von „Orange Is The New Black“, eine der erfolgreichsten Netflix-Serien, haben jetzt vermutlich die Anfangsmelodie im Ohr, die man seit dem letzten Binge-Watching-Abend mitsingen kann.

Binge Watching ist ein Phänomen, das die User von Online-Streaming-Seiten wie Netflix oder Amazon Prime mit Sicherheit einordnen können.

Heutzutage sind die meisten Serien sehr lange Filme, in denen Geschichte und Figuren bis auf die letzte Nuance ausgearbeitet sind. Und die besten Serien guckt man am liebsten mit seinen Freunden. Da macht das Austauschen und Diskutieren wesentlich mehr Spaß.

Serien gucken wird dadurch zu einer Art Happening. Man verabredet sich bei einem Freund, der Zugriff auf die jeweilige Streaming-Webseite hat, kocht, guckt und trinkt zusammen. Und muss sich nicht einmal mehr an einem bestimmten Abend der Woche vor seinem Fernseher einfinden, um in 45 Minuten herauszufinden, was in der neuen Folge passiert.

Das Beste daran: Beim Erscheinen einer neuen von Netflix produzierten Serie werden alle Episoden am Erscheinungstag auf einmal hochgeladen. Dann kann das getan werden, was von Nicht-Serienjunkies als „wahnsinnig zeitintensiv“ oder gar „unnötig“ beschrieben wird: Binge-Watching.

Das bedeutet, dass man mehrere Episoden am Stück schaut und irgendwann um vier Uhr nachts auf die Uhr schaut, um panisch festzustellen, dass es schon viel zu spät ist und dass man ja in vier Stunden wieder aufstehen muss.

Serien fesseln. Viele Episoden enden mit einem Cliffhanger, nach dem man natürlich sofort wissen will, wie es weitergeht. Und so beginnt der Teufelskreis.

Am Ende einer Folge hat der Zuschauer nur 15 Sekunden Zeit, um Netflix zu beenden. Denn danach beginnt sofort eine neue Episode. Da fragt man sich, ob man nicht lieber auf der Couch bleibt und einfach die nächste Folge abwartet. Nach der Fernbedienung zu greifen wäre auch zu anstrengend.

Für die jüngere Generation der Serienkonsumenten ist es ein Leichtes, zu behaupten, dass das konventionelle Fernsehen bald zum alten Eisen gehören wird.

Denn warum sollte man sich an ein Fernsehprogramm binden, wenn man doch immer und überall, ob vom Smartphone, Tablet oder Laptop, Zugriff auf Serien und Filme hat.

Andererseits hat es auch etwas Beruhigendes und Althergebrachtes, wenn man weiß, dass am Sonntag um 20.15 Uhr der „Tatort“ läuft.

Am nächsten Tag kann man sich dann an der Facebook-Diskussion beteiligen, ob der neue Krimi gut war oder nicht. Auch das ist ein soziales Happening. Und zwar, ohne sich mit seinen Freunden zu verabreden.

Fest steht: Um Serien zu gucken, ist das Fernsehen sicherlich nicht mehr die allerneueste Erfindung. Denn die junge Generation will sich nicht mehr vorschreiben lassen, wann sie etwas zu gucken hat.

Fernsehen, das entspricht einem Lebensbild mit Ausbildung, Beruf und einem Nine-to-Five-Job, das mittlerweile stark veraltet ist.

Viele Menschen reisen oft ins Ausland, sammeln dort Erfahrungen. Dass man nach seinem Studium in dem Berufsfeld arbeiten kann, das man gelernt hat, ist längst nicht mehr sicher, denn die Welt ist flexibler und schneller als früher geworden. Die Hoffnung, die Zuschauer genau um 20.15 Uhr zu Hause vor den Fernsehbildschirm zu bekommen, ist für die Generation 20+ sehr unwahrscheinlich geworden.

Und trotzdem hat das Fernsehen immer noch seinen Wert: Denn wer hat nicht schon einmal gerne an einem Samstagnachmittag alle verpassten Folgen von „Shopping Queen“ geschaut, um in den folgenden fünf Stunden seine Wäsche zu bügeln?

Traditionelles Fernsehen hat etwas Leichtes, Unkompliziertes. Entscheidet man sich, eine Serie zu gucken, muss man sich darauf einlassen. Da viele Serien sehr komplex sind, viele Staffeln haben und die Auswahl gigantisch ist, verliert man sich nach einem stressigen Tag leicht im Wust des Angebots. Das Gegenteil bietet allerdings oft das Fernsehen. Zu wenig interessante und sich ständig wiederholende Programme dominieren zum Beispiel das Nachmittagsprogramm.

Wie schön wäre es, wenn die großen Sender eine sinnvolle Alternative in Form interessanter Programme bieten würden, die der Otto-Normal-Netflix-User eben nicht im Streaming Portal findet?

Dann griffen auch die jüngeren Zuschauer mit Sicherheit wieder öfter zur Fernbedienung statt zum Laptop. Denn die Generation 20 + hat vor allem eins – und das ist Zeit. Netflix hat das erkannt. Es lebe das Binge-Watching.

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