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Usingen: Eine graue Stadt

PJZ-Autor Marvin Müller ist in Usingen geboren und aufgewachsen. Er hat seine Heimatstadt aber verlassen und lebt heute im Schwarzwald, wo er eine private Schule besucht. Ein oder zwei Mal pro Monat fährt er an den Wochenenden nach Hause. Dabei hat er seinen Blick auf Usingen geschärft.
Immer wenn PJZ-Autor Marvin Müller nach Hause zurückkehrt, wundert er sich über die Veränderungen in Usingen. Er schätzt aber sehr die Landschaft rund um die Buchfinkenstadt. Immer wenn PJZ-Autor Marvin Müller nach Hause zurückkehrt, wundert er sich über die Veränderungen in Usingen. Er schätzt aber sehr die Landschaft rund um die Buchfinkenstadt.
Usingen. 

Es war eine „alltägliche Lebendigkeit“, die Usingen so liebenswert machte. Als „Usinger Bub“ (Jahrgang 1999) kann ich zwar nur über meine Beobachtungen der vergangenen zehn Jahre berichten, doch die einst urbane und am Tag so lebendige Stadt hat dieses Leben leider eingebüßt.

Als ich Kind war, erstreckte sich nicht nur der Weihnachtsmarkt über die ganze Innenstadt. Auch Stadtfest und Halloween belebten die ganze Stadt. Heute sind sie zu kleinen Festen verkümmert. Zwischen Schlossplatz und Altem Marktplatz konnte man einst das ganze Jahr über einkaufen. Früher gab es hier Läden zuhauf.

Geschäfte geschlossen

Fast schon wieder vergessen: Vor gar nicht so langer Zeit gab es noch zwei Spielwarengeschäfte und auch zwei Buchhandlungen in Usingen. Auch wenn das Internet und fehlende Nachfolgeregelungen als Gründe für die Geschäftsaufgaben genannt werden: So ganz glaube ich dies nicht. Diese Entwicklung der Stadt stimmt mich depressiv.

Seit bald zwei Jahren gehe ich nun im Schwarzwald zur Schule. Hier erlebe ich lebendige und auch irgendwie urbane Kleinstädte wie Villingen, Königsfeld oder Rottweil. Doch trotz Internet und den allgemeinen Schwierigkeiten, die Inhaber von Geschäften haben, verfügen diese über ein intaktes Geschäftsleben.

Vielleicht hätten sich die Verantwortlichen in Usingen einmal die Zeit nehmen sollen, diese Orte zu besuchen und zu überlegen, was man davon in Usingen übernehmen könnte. Im Vergleich mit den Schwarzwald-Städtchen fehlt es dem Usinger Stadtbild massiv an Ästhetik, Lebendigkeit und Verbundenheit mit der Geschichte.

Die Geschichte der Stadt wurde vormals mit den Füßen getreten. Heute wird sie viel zu wenig gepflegt. Es fehlt jemand, der sich um ein hübsches Stadtbild kümmert, wie ich das aus den Altstädten im Schwarzwald kenne. Wunderschöne Gebäude wie das Wilhelmjhaus oder das alte Elektrizitätswerk wurden vor langer Zeit abgerissen.

Statusverlust

Der Verlust der Funktion als Kreisstadt markierte in den 1970er Jahren nach dem Verlust des Status der Residenzstadt die zweite signifikante Zäsur. Mit den Ämtern verschwand auch die Bedeutung der Stadt für die Menschen. Die Folge: Stagnation machte sich breit, nichts Neues kam nach. Das bereits damals durchaus sinnvolle Infrastrukturprojekt „Nord-Ost-Umgehung“ – bereits 1977 wurde die Genehmigung erteilt – wurde, was heute völlig unverständlich ist, von der Usinger Politik verhindert.

Es waren der Verlust der öffentlichen Einrichtungen sowie die vertane Chance, die Nord-Ost-Umgehung zu bauen, die weitreichende Negativeffekte auf die weitere Entwicklung der Stadt als lebendiger und zukunftsfähiger Gewerbe- und Einkaufsstandort hatten.

Wo ist das Leben?

Mit zeitlicher Verzögerung setzte in Usingen in den 90er Jahren das Sterben des innerstädtischen Einzelhandels ein. Heute liegt der Patient Innenstadt im Endstadium. Würden heute die Menschen, die in den 70er Jahren die Stadt bevölkerten, durch Usingen gehen, würden sie sich sicher fragen: Wo ist das Leben in dieser Stadt geblieben?

Usingen ist eine eingeschlafene, fast tote Stadt geworden. Usingen schafft einfach keine Perspektiven, keine Möglichkeiten für unternehmungslustige Menschen. Es fehlt an Frische, Lebendigkeit, Schöpfertum in dieser Stadt.

Wir sollten schauen, dass Usingen wieder eine bürgernahe Stadt wird. Eine Stadt mit Schwung und Lebensfreude und mit liebevoller Gestaltung. Vor allem: Ich würde mir in Usingen wieder mehr Heimat- und Gemeinsinn wünschen und dass sich die Bürger wieder viel stärker in das Stadtleben einbringen.

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