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ZING-Redakteure im Heilkräutergarten der Stadt: Gegen fast alles ist ein Kraut gewachsen

Gegen fast alles ist ein Kraut gewachsen. Das erfuhren die ZING-Reporter der Klasse 4b von der Johann-Christian-Senckenberg-Schule in Villmar bei ihrer Recherche im Heilkräutergarten der Stadt Limburg.
Mit großem Interesse und Freude am Probieren der Kräuter folgen die Kinder der 4b den Ausführungen von Christiane Henrich. Bilder > Mit großem Interesse und Freude am Probieren der Kräuter folgen die Kinder der 4b den Ausführungen von Christiane Henrich.
Limburg. 

„Esst Sauerampfer, Salbei und Bibernell, dann sterbet ihr nicht so schnell“, mahnt und ermuntert Christiane Henrich, Gärtnerin im Dienste der Stadt Limburg. Der originale Ausspruch stammt wohl aus einer Zeit, als die Pest in Europa wütete. Gegen den schwarzen Tod half die Bibernelle (auch Pimpinelle oder Pimpernelle genannt) zwar nicht, doch hat sie andere Stärken. Und ein solcher Merksatz soll verdeutlichen: Es ist tatsächlich gegen manches menschliche Leiden ein Kraut oder eine Pflanze gewachsen, nur ist das Wissen darüber verlorengegangen.

In einem etwa 600 Quadratmeter großen Areal mit 16 Beeten wachsen dort über 200 Naturheilpflanzen gegen die unterschiedlichsten Beschwerden, darunter auch ein paar weniger zu genießende Pflanzen in einem „Giftbeet“. Entstanden ist der Garten 2003 im Rahmen des Städtewettbewerbs „Unsere Stadt blüht“.

Die haben es in sich

„So ein Kräutergarten ist fürs ganze Jahr etwas, heißt also, von April bis Oktober“, erklärt Christiane Henrich und zeigt die verschiedenen Wirkstoffe: Die ätherischen Öle in der winterharten Zitronenmelisse und der einjährigen Zitronenverbene sind angenehm im Duft sowie im Geschmack, wirken gegen Bakterien, Viren und Pilze und haben wie der Lavendel beruhigende Kraft. Bitterstoffe sind wohltuend und heilsam für Leber und Galle, stärken das Herz und helfen bei Magen- und Darmbeschwerden.

Dennoch bleibt der Wermut eine geschmackliche Herausforderung. Vorsicht jedoch bei übermäßigem Verzehr oder anderweitigem übertriebenen Genuss zum Beispiel in Teeform, denn dann werden die Bitterstoffe schädlich für den Menschen. Daher gilt: Wermut, Löwenzahn, Wegwarte, Beifuß und Schafgarbe sparsam verwenden! Geschmacklich angenehmer und vertrauter, aber in ihrer heilsamen Wirkung wenig bekannt sind Petersilie und Schnittlauch, ebenso Lauch allgemein, Zwiebeln, Bärlauch und Knoblauch. Ihre Scharfstoffe sind appetitanregend, fördern die Durchblutung und sind gut für die Herzgefäße sowie für die Nieren. Die Zwiebel punktet zudem mit einer antibakteriellen und entzündungshemmenden Wirkung. Gegen Husten und Entzündungen hat also fast jeder ein Heilmittel in der Hausapotheke zur Hand.

Gänzlich unbekannt von ihrem Aussehen ist der Meerrettich, dessen große Blätter in früheren Zeiten als Butterbrotpapier dienten. Auch der Geschmack ist nicht für jeden etwas, dagegen ist die senfige Note der Kapuzinerkresse angenehm. Die Blätter geben wegen ihres Aussehens, das dem der Kopfbedeckung der Kapuzinermönche gleicht, dieser Pflanze ihren Namen. Die orangenen Blüten bereichern geschmacklich und optisch manchen Salat. Darüber hinaus werden Meerrettich und Kapuzinerkresse durch ihre Scharfstoffe und Senföle zu einer Art pflanzlichem Antibiotikum.

Die älteste Zahnbürste

Wer weiß, welche Pflanze hiermit gemeint ist? Es ist der Salbei, der in der Blattunterseite Öldrüsen besitzt, die zusammen mit den Gerbstoffen beim Einreiben beziehungsweise Abreiben der Zähne tatsächlich eine reinigende und antibakterielle Wirkung haben. Außerdem ist er heilsam bei Husten, Entzündungen im Rachen, bei Erkältungskrankheiten allgemein sowie bei Schweißfüßen. Der leuchtend orangene Sanddorn ist frisch geerntet sicher sehr reich an Vitamin C, schmeckt säuerlich und ist im heimischen Garten eher selten .

Zwar ist der Oktober keine ausgesprochene Pflanzzeit, dennoch können bei milden Temperaturen Küchenkräuter noch schnell in die Gartenerde gesetzt werden, falls die Pflanze winterhart ist.

Ein passend großes Loch auszuheben, Spaten, Schaufeln und Schüppe richtig zu bedienen, das fällt in heutiger Zeit allerdings den meisten Kindern schwer. Und dann: Kräftig gießen nicht vergessen! Nur bitte beachten: Petersilie und Schnittlauch nie nebeneinander einpflanzen oder säen, denn die beiden mögen sich nicht.

Eine bombige Überraschung wartete auf die gesamte Klasse, denn Christiane Henrich führte eine Gruppe in „die Kunst der Bombenerstellung“ ein.

Vier kleine Schäufelchen Lehm, zwei Schäufelchen Komposterde, zwei Schäufelchen Aussaaterde mit Samen von verschiedenen Heilpflanzen wie beispielsweise Sonnenblumen, Liebstock, Bohnenkraut, Schnittlauch, Zitonenmelisse, Oregano, Majoran, Kamille, Dill und Borretsch und etwas Wasser vermengen, zu Kugeln formen, auf kleine Jutesack-Stücke legen, oben zubinden, fertig! Die „Bomben“ werden kühl und trocken gelagert und im nächsten April ins Beet „geworfen“. Ein toller Tipp, denn als Mitbringsel sollten diese harmlosen Bomben jeden Kräuter- und Heilpflanzen-Liebhaber erfreuen.

Doch auch für Laien, zu denen die 4b nun nicht mehr gehört, ist es prima zu wissen, dass so manche Pflanze viel mehr zu bieten hat, als nur als Küchenkraut den Geschmack des Essens zu bereichern. Allerdings müssen die Kinder ehrlich zugeben, dass auch bei ihnen Probieren über Studieren geht.

Beteiligt an der Recherche im Heilkräutergarten waren alle Schülerreporter der Klasse 4b der Johann-Christian-Senckenberg-Schule Villmar und ihre Lehrerin Maria Glorius-Jilke.

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