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Tierheim Oberursel: Holt uns hier raus!

Im Tierheim Oberursel landen zu viele unsachgemäß behandelte Tiere. Zu diesem Fazit kommen die 26 Schüler der Klasse E2a der Grundschule Köppern mit ihrer Lehrerin Ute Kühn nach dem Besuch im Tierheim Oberursel. Vielleicht müssten nicht so viele Tiere vermittelt werden, wenn die Besitzer vorher einen Tierführerschein machen und sich dabei gründlich auf das neue Tier und seine artgerechte Haltung und Pflege vorbereiten müssen.
Hier gefällt es mir richtig gut, scheint die Ziege zu denken. Bilder > Hier gefällt es mir richtig gut, scheint die Ziege zu denken.
Oberursel. 

„Gibt es im Tierheim auch Ponys und Pferde?“, will Lisa gleich zu Beginn wissen. Diese Frage ist durchaus berechtigt, denn in einem Tierheim sind Ponys oder Pferde doch eher eine Seltenheit. Tatsächlich gibt es neben den 25 Hunden, 35 Katzen, 15 Kaninchen, zwei Wellensittichen, einigen Wasserschildkröten und zwei Mäusen auch zwei Ponys und fünf Ziegen.

Brownie, das Pony, ist mit 32 Jahren mit Abstand das älteste Tier im Tierheim und aufgrund der schlechten Haltung seiner Besitzerin hierher gekommen. Aber es gibt schon ein neues Zuhause für Brownie.

Viele Tiere werden von ihren Besitzern abgegeben, entweder aus Zeit- oder Geldmangel oder weil das Interesse für das Tier nicht mehr da ist. Es kommt aber auch vor, dass die Polizei oder nette Leute, die die Tiere draußen finden, sie im Heim abgeben. Deshalb ist es so wichtig, sich vorher gut zu überlegen, ob man sich ein Tier wirklich leisten kann und dafür auch die nötige Zeit hat.

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Seit über 50 Jahren gibt es das Tierheim Hochtaunus schon, erzählt Nicole Werner, die Tierheim-Leiterin, die selbst seit zehn Jahren hier arbeitet. Es gibt drei Vollzeitangestellte, drei Teilzeitangestellte, eine Aushilfe und eine Auszubildende. Daneben gibt es noch eine Reihe von freundlichen jungen und älteren Menschen, den sogenannten „Gassigängern“, die mehrmals täglich mit den Hunden spazieren gehen. Eine davon ist Thiep Le Hong, eine junge Studentin, die seit einigen Wochen Gassigängerin ist. Sie berichtet, dass sie bis zu drei Mal täglich kommt und auch immer mit den gleichen zwei Hunden Gassi geht. Es gibt Hunde, die gekennzeichnet sind, das heißt, dass man für das Ausführen dieser Hunde einen speziellen Sachkundetest benötigt, der aus einer mündlichen und einer schriftlichen Prüfung in Form eines Multiple-Choice-Tests besteht. In diesem theoretischen Teil sind grundlegende Kenntnisse zu Hundeerziehung, -haltung und -verhalten nachzuweisen. Die Kennzeichnung sagt aus, dass diese Hunde schon einmal auffällig geworden sind (gebissen oder geschnappt haben).

Ein solch gekennzeichneter Hund ist Maxi, ein männlicher American-Stafford-Mix, der am 23. Juni 2016 ins Tierheim kam. Irina Raeder, die seit April dieses Jahres als Hundetrainerin hier arbeitet, berichtet, dass Maxi nach einem Kind geschnappt hat und aus diesem Grund ins Tierheim musste. Nun wartet er darauf, dass bei ihm ein Wesenstest durchgeführt wird. Ein Wesenstest für Hunde ist ein Test, mit dem Verhaltenseigenschaften (das „Wesen“ und der „Charakter“) eines Hundes überprüft werden. Solche Tests sind Gegenstand von Gutachten für auffällig gewordene Hunde. Bei Maxi hat das zuständige Ordnungsamt den Wesenstest gefordert, um zu überprüfen, ob bei ihm eine gesteigerte Aggression vorliegt. Aus diesem Grund kann Maxi zurzeit auch leider noch nicht vermittelt werden.

Um Gassigänger werden zu können, muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Für andere Tätigkeiten, die im Tierheim noch erledigt werden müssen – wie zum Beispiel bei den Kaninchen helfen oder das Katzengehege säubern – ist das Mindestalter 14 Jahre. Das verlangt die Versicherung, und es muss eine schriftliche Einverständniserklärung der Eltern vorliegen.

Herrchen gesucht

Jule, eine zwölf Jahre alte Schnauzer Mix-Hündin, wartet schon seit vielen Jahren darauf, ein neues Zuhause zu finden. Als sie hierher kam, war sie erst vier Jahre jung. Aufgrund ihres Lebensalters hat sie heute kaum noch eine Chance auf Vermittlung. Die Hunde-Oma wünscht sich nichts sehnlicher, als einen tierlieben Menschen, der sie streichelt und knuddelt und ihr ab zu auch ein Bällchen zuwirft. Jule ist eine ganz liebe, verschmuste Hündin, die den Menschen, die sie kennt und denen sie vertraut, sehr zugetan ist. Sie lässt sich gut und gerne säubern und bürsten und ist eine nicht sehr anspruchsvolle Hündin, da sie aufgrund ihres Alters viel schläft. Ein ruhiges, ebenerdiges Zuhause bei hundeerfahrenen Menschen wäre wünschenswert. Bitte geben Sie Jule ein letztes Zuhause!

Mehr Glück hatten dieses Jahr von den bisher aufgenommenen 322 Tieren (im Durchschnitt kommt täglich ein Tier ins Heim) schon 234 andere Tiere, die ein neues Zuhause gefunden haben. Die Angestellten des Tierheims schauen sich jedes neue Zuhause persönlich an, bevor ein Tier vermittelt wird.

Die Vermittlungsgebühren für Hunde liegen zwischen 200 und 250 Euro. Welpen (gibt es leider sehr selten) sind am teuersten, unkastrierte Rüden und Hündinnen am günstigsten. Katzen schlagen mit 100 bis 110 Euro pro Tier zu Buche, ein Katzenpärchen kostet 180 Euro. Katzen werden im Durchschnitt nach ungefähr einem Monat vermittelt.

Viel günstiger sind Kleintiere wie Kaninchen (30 bis 40 Euro), Meerschweinchen (20 bis 30) und Nymphensittiche (15). Für nur einen kleinen Obolus von 5 Euro gibt es im Oberurseler Tierheim Hamster, Mäuse, Wellensittiche und Kanarienvögel. Interessant ist, dass man Tiere auch vorbestellen kann. Dann versucht Heimleiterin Nicole Werner, entweder aus anderen Tierheimen in der Umgebung (die aber deutlich kleiner sind als Oberursel) ein Tier zu bekommen, oder man wird verständigt, wenn ein entsprechendes Tier in Oberursel eintrifft.

Im Tierheim werden auch Betten, Decken, Kissen, Handtücher oder Bettwäsche gebraucht. Wer welche spenden möchte, kann sie dort abgeben.

Fundtiere bekommen übrigens einen neuen Namen. Bei Abgabetieren nennen die Vorbesitzer den Namen des Tieres, das sie abgeben. Unter besonderen Bedingungen können auch Tiere für den Urlaub abgegeben werden. Angenommen werden nur kastrierte Rüden und Kater und nicht läufige Hündinnen sowie Katzen. Voraussetzung ist, dass das Tier gesund, entwurmt und gechipt ist und einen gültigen Impfschutz besitzt. Da die Pensionsplätze begrenzt sind, ist – besonders für die Schulferienzeiten – eine frühzeitige Reservierung notwendig. Hunde kosten je nach Größe und Art der Box zwischen 10 und 15 Euro pro Tag, Katzen nur 7 Euro pro Tag. Am Eingang ins Tierheim gibt es auch eine kleine Tierarztpraxis und der Tierarzt kommt ein Mal wöchentlich ins Heim. Zu seinen Aufgaben gehören das Impfen, die Eingangsuntersuchung und das Kastrieren der Tiere.

Nicole Werner verrät, dass der Hund ihr Lieblingstier ist. Sie wünscht sich: „Dass weniger Tiere ausgesetzt werden und die Menschen sich mehr Gedanken machen, bevor sie sich ein Tier anschaffen. Mein Wunsch für das Tierheim ist natürlich immer gerne eine finanzielle Unterstützung für die Tiere in Form von Spenden.“

Wer das Tierheim unterstützten will, kann das mit einer Spende tun: Frankfurter Volksbank, IBAN DE20 501 900 000 301 957 181. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Tierheims Hochtaunus www.tierheim-hochtaunus.de.

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