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Vom Studentenprojekt zum internationalen Großkonzern: Milliardengeschäft Freundschaft

„Was machst du gerade?“, „Wo bist du?“ – diese Fragen beantworten Millionen Mitglieder der Facebook-Gemeinde tagtäglich in ihrer Chronik. Und anderen gefällt es. Wieder andere teilen es. Zuckerberg zeigt sein neugeborenes Kind, Jamie Oliver wünscht ein frohes neues Jahr. Doch wie kam es eigentlich dazu?
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (Mitte) beim Börsengang an der amerikanischen Nasdaq im Jahr 2012. Foto: Zef Nikolla / Ho (FACEBOOK) Facebook-Gründer Mark Zuckerberg (Mitte) beim Börsengang an der amerikanischen Nasdaq im Jahr 2012.
Frankfurt. 

Die Erfolgsgeschichte von Facebook begann mit der Idee eines Psychologie- und Informatikstudenten der Harvard University. Am 23. Oktober 2003, mit nur 19 Jahren, veröffentliche Zuckerberg „facemash.com“: Eine Seite, die ein Bewertungssystem für die Attraktivität von Studentinnen bereitstellt. Per Zufallsgenerator wurden jeweils zwei Studentinnen der Universität ausgewählt, gegenübergestellt, um dann zu bewerten, wer „hot“ und wer „not“ ist.

Innerhalb weniger Stunden hatte die Seite rund 500 Besucher, die sich mehr als 20 000 Fotos ansahen. Zuckerbergs Idee erhielt sehr viel Widerstand aus universitären Kreisen. So hatte er sich keine Erlaubnis für die Veröffentlichung der Fotos geholt. Schnell hatte er Copyright-Vorwürfe am Hals, und auch mit einer Exmatrikulation wurde ihm zeitweise gedroht. Die Universität ließ die Seite nach nur wenigen Tagen löschen und die Anklagen gegen ihn wurden fallen gelassen.

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Das denken Studenten über Facebook: Die digitale Plattform ist für das Liken, Teilen, Kommentieren und Chatten bekannt und zieht viele an, die mit ihren Freunden und Liebsten in Kontakt und stets auf dem neuesten Stand bleiben möchten.

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Auf den ersten Blick erschien die Idee des Studenten wie ein schlechter Scherz, nichts deutete auf einen großen Erfolg hin. Anfang 2004 begann Zuckerberg, den Code für eine neue Website zu schreiben. Kurz darauf folgte „thefacebook.com“ – ein kleines Netzwerk für Studenten der Harvard University, welches am 4. Februar 2004 von Dustin Moskovitz, Chris Hughes, Eduardo Saverin und Mark Zuckerberg gegründet wurde.

Am ersten Tag hatte die Seite 600 Nutzer. Nur wenige Tage nach dem Start der Seite beschuldigten drei Harvard Seniors, Cameron Winklevoss, Tyler Winklevoss und Divya Narendra Zuckerberg, dass er ihre Idee für ihr Online-Netzwerk „ConnectU“ geklaut habe. Sie hatten Zuckerberg im Jahr 2003 damit beauftragt, ihr Programm weiterzuentwickeln. Zuckerberg habe stattdessen ein Jahr später sein eigenes Netzwerk auf den Markt gebracht. Facebook wies diese Darstellung zurück – zur Einigung zahlte Zuckerberg ihnen 2008 65 Millionen US-Dollar, davon 20 Millionen in bar und Facebook-Anteile im Wert von damals 45 Millionen Dollar.

Für alle zugänglich

Bald wurde „theFacebook“ auf weitere Ivy-League-Universitäten ausgeweitet: Yale, Stanford und Columbia. Bis Ende 2004 wurden eine Millionen Nutzer erreicht. Die allgemein bekannte Pinnwand wurde eingeführt. Im Jahr 2005 wurde das Netzwerk auch für andere Universitäten und Schulen geöffnet. Im Jahr 2005 kaufte Zuckerberg die Domain „facebook.com“ für 200 000 US-Dollar. Fortan hieß das Netzwerk nur noch „Facebook“.

Am 26. September 2006 wurde Facebook für alle Nutzer ab 13 Jahren, die eine gültige E-Mail-Adresse besitzen, geöffnet. Der Newsfeed entstand – alle Facebook-internen Aktivitäten und Änderungen von Freunden, Geburtstage und Statusmeldungen wurden auf der Hauptseite angezeigt. Die mobile Facebook-Version wurde veröffentlicht. Bis 2007 erreichte das Netzwerk mehr als 21 Millionen Nutzer.

Seit 2008 ist es möglich, via Facebook zu chatten und seit 2009 „gefällt mir“ zu drücken. Die Chronik erwies sich als größter Umbruch für das soziale Netzwerk: Die Seite ist klar strukturiert im Aufbau, Statusmeldungen sind wie Tagebucheinträge. Der große Erfolg Facebooks hängt mit den angebotenen Features zusammen: Drittanbieter können Programme auf der Seite veröffentlichen und bereitstellen.

Obwohl die Nutzung für alle kostenlos ist, hat Facebook Zuckerberg 2008 zum jüngsten Selfmade-Milliardär überhaupt gemacht. Noch heute hält er 28,2 Prozent und damit den mit Abstand größten Teil der Aktien Facebooks. Personalisierte Werbung im Newsfeed generiert Einnahmen, die hohen Klickzahlen – so wird Facebook in den USA nach Google am zweithäufigsten aufgerufen – treiben die Preise in die Höhe.

2012 hat Facebook 800 Millionen Nutzer aus der ganzen Welt vernetzt, über 20 Millionen davon allein aus Deutschland. Rund 60 Prozent der Nutzer bewegen sich dabei mit mobilen Endgeräten auf der Seite, der mobil erwirtschaftete Werbeumsatz betrug im dritten Quartal 2012 150 Millionen US-Dollar. Am 18. Mai 2012 schließlich folgte die Erstnotierung von Facebook Inc. an der Börse. Der Ausgabekurs der Aktien lag bei 38 US-Dollar. Der Börsengang generierte Einnahmen von 16 Milliarden US-Dollar, was dem damals größten Börsengang eines Internetunternehmens darstellte.

Teile des Unternehmens sind neben dem sozialen Netzwerk auch die Video- und Fotosharing-App Instagram und der Messenger WhatsApp. Im vierten Quartal 2015 erreichte der Börsenwert des Unternehmens 306 Milliarden US-Dollar. Im September 2015 wurden außerdem im Durchschnitt 1,01 Milliarde täglich aktive Nutzer, davon 894 Millionen mobile Nutzer gezählt.

Obwohl Facebook von einer Erfolgsgeschichte gekrönt ist, wird dem Netzwerk oft der baldige Untergang prognostiziert. So fürchten viele Schwarzseher, dass die Nutzung Facebooks irgendwann von Begeisterung zur Routine wird und die Vernetzung mit Freunden neue – oder vielleicht auch altbekannte – Dimensionen annimmt.

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