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Social Media: Scheinwelt auf Instagram: "Influencer" vermitteln oberflächliche Werte

Was früher die Popstars waren, sind heute die sogenannten "Influencer". Sie zeigen jungen Leuten, wie das vermeintlich ideale Leben aussieht. Und das hat Folgen.
„Influencerin“ Pamela Reif fotografiert ihren Alltag. Foto: Hendrik Schmidt (dpa-Zentralbild) „Influencerin“ Pamela Reif fotografiert ihren Alltag.
Frankfurt. 

Morgens ein Smoothie vor dem Joggen, nachmittags eine Yogastunde für den Geist, abends noch einen Salat mit Shrimps – und dann den Tag ausklingen lassen mit dem Traummann beim Sternschnuppen-Schauen oder mit den Freundinnen im Spa. So präsentiert uns Instagram-Star Pamela Reif (pamela_rf) ihren Alltag.

Wir schauen uns ihr Profil an und fühlen uns schlecht. Eigentlich waren wir zum Waffelessen verabredet. Sofort fragen wir uns, wie wir die Waffeln abtrainieren können.

Eigentlich wissen wir, dass uns das tägliche – manchmal sogar stündliche – Aufrufen von Pams Seite nicht gut tut. Ihre Stupsnase und ihren perfekten Körper hätten wir auch gern. Der Vergleich mit unseren kleinen Speckröllchen ist deprimierend. Und trotzdem können wir es nicht seinlassen. Zu faszinierend scheint ihr doch so perfektes Leben; zu verführerisch die Vorstellung, selbst so eines zu führen. Um nichts scheint man sich Sorgen zu müssen; zumindest nicht, solange man Sport macht und auf seine Ernährung achtet.

Genauso wie wir folgen viele junge Leute den „Influencern“ (auf deutsch „Beeinflussern“) auf Kanälen wie YouTube oder Instagram. Genauso wie wir lassen sie sich von der Scheinwelt mitreißen. Das wird vor allem problematisch, wenn es um platzierte Werbung geht. Darauf weist uns Lutz Frühbrodt, Professor für Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, hin. „Informationen werden auf immer unterhaltsamere Weise rübergebracht, und Werbung tut verstärkt so, als wolle sie informieren.“ Es sei deshalb immer schwerer, zwischen Unterhaltung und Werbung zu unterscheiden. Laut Frühbrodt müssten Jugendliche das in der Schule lernen, damit sie sich von der Industrie nicht an der Nase herumführen lassen.

Vermeintliche Freunde

Doch das ist leichter gesagt als getan. Im Gegensatz zu Popstars sind Influencer „die vermeintlich netten Freundinnen und Kumpels von nebenan, die nicht weit, weit oben auf dem Star-Olymp thronen, sondern zum Anfassen da sind“, so Frühbrodt. Das sei aber nur eine Rolle, die sie gekonnt einnehmen.

Den Followern werden oberflächliche Werte vermittelt. Schönheit, Witz und Coolness reichen in der Welt der Influencer aus, um erfolgreich zu sein. Tiefgründige Inhalte finden dort selten ihren Platz. Aber es geht auch anders. Die Posts der ehemaligen Fitness-Bloggerin Louisa Dellert stechen aus der Masse heraus. Denn sie hat aufgehört, einem Sixpack nachzujagen, um sich selbst treu zu bleiben. Das hat sie viele Follower gekostet. Trotzdem weicht sie nicht von ihrem neuen Kurs ab. Sie möchte sich für mehr Realität auf Instagram einsetzen und zeigen, dass man sich trotz kleiner Dellen und Falten wohlfühlen darf. Momentan will sie für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisieren.

Dank ihr finden wir unsere kleinen Makel gar nicht mehr so schlimm. Man muss nicht Extremsportler werden und sich ausschließlich gesund ernähren, um sich schön zu fühlen. Deswegen gibt’s für uns heute doch Waffeln.

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