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Bis zu 15 Millionen Seiten in einer Stunde: So wird die FNP gedruckt

Von Für viele ist das Frühstück erst angerichtet, wenn die Zeitung auf dem Tisch liegt. Der Geruch der Druckerschwärze, die feinen Blätter zwischen den Fingerspitzen, das Rascheln beim Umblättern der Seiten – darüber vergisst der Leser schon mal Croissant und Kaffee. Doch so gemütlich und besinnlich die morgendliche Zeitungslektüre auch sein mag, das Licht der Welt erblickt die neueste Ausgabe der Frankfurter Neue Presse in geschäftig-betriebsamer Atmosphäre.
Alfred Brunswik ist seit 1970 bei der Societäts-Druckerei. In seiner Abteilung werden die fertigen Zeitungen nach Zustellgebieten zusammengepackt. Bilder > Foto: Christian Christes (CHRISTES) Alfred Brunswik ist seit 1970 bei der Societäts-Druckerei. In seiner Abteilung werden die fertigen Zeitungen nach Zustellgebieten zusammengepackt.
Mörfelden. 

Neonleuchten erhellen die Societäts-Druckerei in Mörfelden – grelle Lichter in tiefschwarzer Nacht. Für Schichtleiter Georg Mann beginnt nun der Arbeitsalltag. Schnellen Schrittes bahnt er sich seinen Weg durch ein Meer aus weißen Türmen. Als wollten sie durch die Decke brechen, um der Frankfurter Skyline Konkurrenz zu machen, stapeln sich dort hunderte Papierrollen.

Sie wiegen im Durchschnitt an die 1,5 Tonnen und bieten Papierbahnen von rund 20 Kilometer Länge. Aus jeder einzelnen Rolle lassen sich etwa 30 000 Zeitungsexemplare herstellen. „Wir haben uns das Lager gegen Jahresende regelrecht mit Recyclingpapier zugeknallt“, erklärt Mann. Etwa 25 Mal könnte man mit der Gesamtmenge die Erde umwickeln. Jedes Jahr werden 60 000 Tonnen Papier mit Buchstaben und Bildern bedruckt.

Wuchtige Wagen walzen sich auf Magnetschienen durch die Korridore, führerlos transportieren sie die sorgfältig ausgepackten Papierkolosse in sogenannte Zellen. „Hier parken wir sie auf Reserve“, erklärt Mann. „Es wäre zu umständlich, sie bei Bedarf jedes Mal einzeln herschaffen zu müssen“. In jedes Tages-Lager-Regal passen zwei Rollen. Während eine bereits im untersten Druckturm der Rotationsmaschine eingespannt ist, wird schon die nächste vorbereitet. Beim Rollenwechsel können die beiden Papierbahnen bei voller Maschinengeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde aneinander geklebt werden. Der Druckbetrieb muss also gar nicht unterbrochen werden.

Im Nebenraum steht ein gigantisches, metallisches Ungeheuer. Laut schnaubend und zischend windet sich eine 157 Meter lange, wirbelreiche Riesenschlange durch die riesige Produktionshalle. Daran hängen Zeitungen. 15 Jahre ist die Maschine alt und noch immer auf dem neusten Stand. „Allerdings muss sie auch regelmäßig gewartet werden“, erklärt Mann. „Irgendwas gibt es hier immer zu tun“. Richtige Probleme habe es noch nie gegeben.

Mitten in der Nacht

Auf den 27 Drucktürmen wird nicht nur die FNP gedruckt. Insgesamt nehmen hier teilweise synchron acht Zeitungen Gestalt an, darunter auch die FAZ, die Regionalausgabe der Bild-Zeitung sowie Süddeutsche Zeitung und Frankfurter Rundschau. 16 Meter ist die Maschine hoch, so hoch, wie ein fünfstöckiges Haus. Auf dem 4000 Tonnen schweren Ungetüm werden die Blätter auf Maß gebracht und bedruckt – pro Stunde ist so die Produktion von 15 Millionen Seiten möglich, 22 Zeitungen entstehen sekündlich.

Zuvor ist einige Vorarbeit erforderlich. Schließlich benötigt die Druckmaschine genaue Anweisungen bezüglich der Inhalte und Farbkompositionen der Seiten. Sobald die Redakteure Seiten zur Produktion freigeschaltet haben, gelangen diese in den Computer-to-Plate Belichter. In dem relativ kleinen Gerät werden Fotos, Texte und Werbeanzeigen über eine Art Folie auf dünne Aluminiumplatten gepresst – diese fungieren als eine Art Stempelkissen. Im Gegensatz zum klassischen Hochdruckverfahren, bei dem nicht zu bedruckende Bereiche einfach in die Druckplatte eingestanzt sind, ist die Aluminiumtafel beim Offsetdruck komplett eben. Und trotzdem entsteht eine differenzierte Zeitungsseite. Der Drucker enthält Kanister mit 15 000 Litern Farbe – knapp 125 Badewannen könnte man also damit einlassen. Dabei gibt es nur vier Grundfarben: Cyan, Magenta, Yellow und Schwarz. Richtig dosiert und kombiniert können diese vier Nuancen an die 16 Millionen Farbschattierungen darstellen. Die Tintentöne werden dabei einfach übereinander aufgetragen. Daher werden für jede Zeitungsseite entsprechend vier Druckplatten benötigt, die nacheinander die Farbe auf das Papier bringen. Um abzugleichen, dass diese möglichst authentisch sind, werden sie ständig kontrolliert und bei Bedarf per Knopfdruck nachgebessert. „Schließlich wollen wir vermeiden, dass etwa ein Pulli in einer Werbeanzeige blau erscheint, dann aber grün im Laden bereitliegt“, verdeutlicht Mann.

An dieser Stelle verlassen die frisch gedruckten Zeitungen Manns Verantwortungsbereich, kommen nun in die Weiterverarbeitung. Im Reich von Alfred Brunswig ist es deutlich ruhiger. Dafür ist die Luft staubtrocken. Millionen von Anzeigenprospekten und anderen Beilagen stapeln sich hier. „Sie werden uns frühzeitig geliefert“, erläutert Schichtleiter Brunswig, „so dass wir sie den Zeitungen nur noch beifügen müssen.“ Seit 46 Jahren arbeitet er für die Frankfurter Societäts-Druckerei, viele faszinierende Veränderungen hat der technikbegeisterte, hochgewachsene Mann miterlebt. „Früher“, beginnt er mit strahlenden Augen zu berichten, „mussten wir alles manuell machen.“ Jede Beilage, so erinnert er sich, musste den Zeitungen per Hand beigefügt werden. Außerdem mussten die einzelnen Exemplare per Hand mit den Lieferadressen versehen und in die Laster verfrachtet werden. „Das war unglaublich anstrengend“, beschreibt Brunswig. Heute läuft in der 10 000 Quadratmeter-Halle alles automatisiert. Der Schichtleiter muss sich nur noch zu Kontrollzwecken von seinem Stuhl erheben, kann alles vom Monitor aus steuern.

Zunächst werden die Beilagen maschinell zu großen Rollen aufgewickelt – auf einen Wickel passen an die 3500 Beilagen. Danach werden sie von der Einlege-Maschine regelrecht in die Zeitungen eingeschossen. Bis zu acht Prospekte kann diese problemlos zuordnen, bevor sie die Zeitungen zur nächsten Phase der Weiterverarbeitung entsendet. Die Zeitungen laufen nun auf einer endlos langen Transportkette zu den Verpackungsmaschinen.

Dort werden sie zu einem Paket zusammengelegt, adressiert, verschnürt oder mit Folie umwickelt und auf Förderbändern direkt in die parkenden Transporter befördert. „Es ist unfassbar, wie viel sich in den vergangenen Jahren getan hat“, resümiert Brunswig. Das Business hier ist unglaublich aufregend – schließlich muss alles zeitlich perfekt aufeinander abgestimmt sein. Die Zeitungen müssen immerhin rechtzeitig versandfertig sein.“

Dann verlassen pro Tag rund 650 00 Zeitungen die Produktion. Schnell flitzt die Kolonne an Fahrzeugen vom Gelände. Schließlich müssen die Tageblätter zeitgerecht geliefert werden, um noch vor dem ersten Hahnenschrei von den Trägern in die Briefkästen gesteckt zu werden.

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