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Geschichte: Welche Chance hätte eine #MeToo-Debatte im Mittelalter gehabt?

Sexuelle Belästigungen von Männern gegenüber Frauen sind aktuell ein großes Gesprächsthema. Doch wie war das Verhältnis der Geschlechter zueinander im Mittelalter?
Im Bürgertum des Mittelalters umwarben Männer mitunter recht galant die Frauen. Abbildung: Wikipedia Im Bürgertum des Mittelalters umwarben Männer mitunter recht galant die Frauen. Abbildung: Wikipedia

Werte im Mittelalter? Die wollten sich doch alle nur die Köpfe einschlagen, mit ihren Heldentaten prahlen und möglichst viele Frauen abschleppen. Menschen als Individuum zu schützen – so etwas gab es doch damals nicht. Und vor allem: Eine #MeToo-Debatte und Rechte für Frauen, das hätte man sich damals nicht vorstellen können. Das war meine relativ simple Vorstellung vom Mittelalter.

Doch dass dieser Gedanke nicht ganz richtig ist, erklärt mir Robert Focken in einem Interview. Der Kelkheimer ist Historiker und Autor der Romane „Arnulf – Die Axt der Hessen“ und „Arnulf – Das Schwert der Sachsen“, in denen unter anderem genau diese Themen angesprochen werden. So entsteht der zentrale Konflikt in seinen Werken durch eine Vergewaltigung, die eine Reihe von Ereignissen auslöst.

Werte waren damals schon ein großes Thema. Einige dieser Werte haben sich komplett verändert. Andere lassen sich heute noch ziemlich ähnlich wiederfinden.

Sexuelle Belästigungen von Männern gegenüber Frauen sind aktuell ein großes Gesprächsthema. Unter dem Hashtag #MeToo kommen immer mehr Frauen zu Wort, die sagen: Mir ist das auch schon passiert. Dass Frauen vor Übergriffen geschützt werden sollten, war schon vor tausend Jahren nicht anders. Damals war die Frau dem Mann untergeordnet, jedoch wurde es weitaus schlimmer bestraft, einer Frau etwas anzutun als einem Mann. Beispielsweise wurde einem Mann die gleiche Strafe auferlegt, wenn er eine Frau am Arm berührte, wie wenn er einem Mann eine schwere Kopfverletzung zufügte.

Die mangelnde Fähigkeit, sich zu wehren, war dafür jedoch weniger ausschlaggebend als die Tatsache, dass Frauen potenziell Nachwuchs gebären konnten und deshalb geschützt werden sollten. Nur so konnte das größte gesellschaftliche Ziel im Mittelalter, sich zu vermehren und das stärkste Volk zu sein, erreicht werden. Anders als heute wurde die Frau nicht als Individuum betrachtet, sondern rein biologisch als Mutter.

Gewisse Werte haben sich jedoch auch stark im Laufe der Zeit gewandelt. So spielten Mut, Treue zum Herrscher und Religiosität eine wichtige Rolle im Mittelalter. Der Mann musste seine Familie verteidigen, die Feinde des Königs bekämpfen und hatte gleichzeitig Angst vor Hölle und Jenseits. So war jeder Mann wehrpflichtig und konnte jederzeit in die Armee einberufen werden. Außerdem war Atheismus unvorstellbar, und der Kampf gegen die Heiden war ein wichtiges Ziel.

Die heute sehr verbreitete Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen spielte dagegen eine geringere Rolle. Das Empathie-Vermögen entwickelte sich erst im Laufe der Zeit. So kamen die Engländer erst 1805 zu dem Entschluss, keinen Sklavenhandel mehr zu betreiben. Körperstrafen wie Prügel und Tod wurden in Deutschland erst vor etwa 150 Jahren abgeschafft. Heute nimmt Deutschland Flüchtlinge auf und schickt Millionen von Euro zu katastrophengeplagten Völkern, da es den Bürgern ein Bedürfnis ist, zu helfen.

Robert Fockens persönliche Meinung zu Werten ist eindeutig: Werte spiegeln sich nicht nur in unterschiedlichen Zeiten, sondern auch in den verschiedenen Mentalitäten wider. In manchen Gesellschaften helfen Werte beim Zusammenleben, in anderen können sie sogar ausschlaggebend für Korruption und Geldprobleme sein. Meine persönliche Meinung Werten gegenüber habe ich nach diesem Interview geändert: Werte begleiten uns durch jede Zeit und jede Gesellschaft und spielen eine wichtige Rolle in unserem Zusammenleben.

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