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Betriebssport und weitere Freizeitaktivitäten: Wenn aus Kollegen Freunde werden

Sportgruppen und andere Freizeitangebote sind in großen deutschen Unternehmen mittlerweile gang und gäbe. Mehr Vernetzung, zufriedenere Arbeitnehmer, eine stärkere Identifikation mit dem Unternehmen und Prophylaxe gegen Krankheiten sprechen für die Ausweitung dieser Angebote.
Jedes Jahr beteiligen sich viele Mitarbeiter und ihre Freunde am Sportfest der Barmer GEK, so wie auch 2014 in Darmstadt. Bilder > Jedes Jahr beteiligen sich viele Mitarbeiter und ihre Freunde am Sportfest der Barmer GEK, so wie auch 2014 in Darmstadt.
Frankfurt. 

Ob Schwimmen, Walken, Fahrradfahren oder Joggen: Wer sich bewegt, bleibt körperlich und geistig fit. Das haben auch viele deutsche Unternehmen erkannt und bieten ihren Mitarbeitern darum etliche Sportaktivitäten an.

Bei Fraport, dem Betreiber des Frankfurter Flughafens, können Mitarbeiter von Schwimmen über Tanzen bis Drachenbootfahren fast jeder Sportart nachgehen. Eine dieser Gruppen ist die seit 1987 bestehende Betriebssportgruppe Laufen mit 40 Mitgliedern. Diese drehen regelmäßig nach Feierabend ihre Runden ums Flughafen-Gelände. Das wöchentliche Training biete einen regelmäßigen Ausgleich zum beruflichen Stress, sagt Vorstandsmitglied Arne-Siebo Oncken (33): „Ich arbeite zufriedener und motivierter.“

Auch Freundschaften seien durch die „Fraport Runners“ schon entstanden. Bertram Wilmes (50), Schriftführer und Kassenwart, läuft ebenfalls gerne mit seinen Kollegen. „Die Netzwerkpflege im Unternehmen wird dadurch verbessert und wir können über unseren Tellerrand hinausblicken.“ Nach Angaben Fraports tragen die Sportgruppen zu einem „positiven Betriebsklima“ bei.

Auch andere Unternehmen setzen darauf, dass Sportgruppen und ähnliche Angebote den Kontakt unter Mitarbeitern verschiedener Abteilungen ausbauen und zu einem besseren Verständnis füreinander führen. Brigitte Schlöter von der Barmer GEK Hessen bestätigt, dass die Krankenkasse durch sportliche Aktivitäten „sympathischer und transparenter für die eigenen Mitarbeiter“ werde.

Alljährlich veranstalten Mitarbeiter in ihrer Freizeit ein Sportfest, zuletzt 2015 in Berlin. Dieses Jahr findet es in Nürnberg statt. Organisiert wird das Fest immer von einem eigens gegründeten, temporär bestehenden Verein. An einem Wochenende im Jahr werden etliche sportliche Wettbewerbe sowie Partys und ein Sportlerball organisiert. Finanziert wird das Fest durch den Kartenverkauf innerhalb der Belegschaft.

Viele Mitarbeiter verbinden den willkommenen Ausbruch aus dem Alltag mit einem Städtetrip oder nutzen das Fest als Kontaktbörse, sagt Schlöter. „Durch das Fest sind schon viele Freundschaften entstanden, beispielsweise zwischen Frankfurtern und Münchnern“, erklärt die Barmer-Sprecherin. Das Verhältnis der Mitarbeiter untereinander innerhalb der zweitgrößten deutschen Krankenkasse verbessere sich generell durch Freizeitaktivitäten.

Abwechslung biete auch das seit vier Jahren bestehende Gesundheitsmanagement des Polizeipräsidiums Frankfurt, das von den Beamten gerne in Anspruch genommen wird, sagt der Leiter des Gesundheitsmanagements, Kriminalhauptkommissar Stephan Siegler. „Damit beugen wir nicht nur physischen Störungen des Körpers vor, sondern verhelfen den Beamten zu mehr Entspannung“, erklärt Siegler. Gerade dies sei aber in Zeiten zunehmender Arbeitsverdichtung immer seltener möglich.

Die Polizei wolle die schon bestehende Sportkultur im Präsidium ausbauen und die Beamten zu mehr Sport motivieren. „In der Wirtschaft ist das ohnehin schon eine Standardmaßnahme, vor allem auch wegen der aus Sport und gemeinschaftlichen Aktivitäten resultierenden verbesserten Arbeitsmoral“, versichert Siegler. Auch ein Frauenprogramm sowie spezielles Training für ältere Polizeibeamte und solche mit Behinderung gebe es.

Fairness und Respekt

Generell sind Fairness und Respekt für viele Unternehmen „ein wichtiges Attribut, welches durch Sport gefördert wird“, so Fraport-Sprecher Jörg Machacek. Außerdem profitierten die Teilnehmer von Teamsportarten wie Fußball, Handball, Volleyball oder Badminton vom Mannschaftsgedanken, was sich positiv auf die Teamfähigkeit am Arbeitsplatz auswirke. Auch einen signifikant niedrigeren Krankenstand verzeichne Fraport durch die Teilnahme der Mitarbeiter an Sport- und Gesundsheitsangeboten. „Außerdem werden diese in Zukunft immer wichtiger bei der Mitarbeiterrekrutierung wie auch der Mitarbeiterbindung sein“, sagt Machacek. Künftig würden diese innerbetrieblichen Zusatzangebote ein immer wichtigerer Faktor, „um die Beschäftigungsfähigkeit zu gewährleisten und Wettbewerbsvorteile“ zu generieren.

Auch musisch aktiv

Die Musiker des 2011 gegründeten Symphonischen Orchesters der Lufthansa treiben zwar keinen Sport, zeigen aber außerhalb der Arbeitszeit dennoch Teamgeist. „Wir wollen die Vielfalt des Unternehmens repräsentieren und die Resilienz, also den Stressausgleich vorantreiben“, sagt Senior Manager Quirin Seitenberger, der Mitglied des dreiköpfigen Orchesterleitungsteams ist. „Es hat schon eine interessante Dynamik, wenn ein Kapitän einer A380 auf einmal weniger zu sagen hat, weil er ,nur’ am dritten Pult steht“, fügt Seitenberger lächelnd hinzu. Dadurch ändere sich der Führungsstil bei den Lufthanseaten, Hierarchien würden aufgebrochen, was das Miteinander des Teams fördere.

„Unsere Musiker arbeiten im Beruf motivierter, weil sie das gemeinsame Musizieren verbindet, es ihnen Halt gibt in Zeiten sich schnell ändernder Strukturen und zu einer besseren Work-Life-Balance beiträgt“, sagt Seitenberger. Das Orchester erhalte wie zahlreiche andere Freizeitangebote finanzielle Unterstützung vom Konzern.

Geprobt wird nur an zwei Wochenenden im Jahr, da einige Mitglieder eine weite Anreise, zum Teil aus Österreich, England oder den USA haben. Außerdem könne nicht jeder mitmachen, in Vorspielen werde zuerst das Niveau der angehenden Mitglieder eingestuft. Nicht nur viele Profi-Musiker spielen im Lufthansa-Orchester, auch der Dirigentenposten ist mit dem Briten Colin Touchin prominent besetzt.

Das Orchester sei nach fünf Jahren eine Institution geworden, erklärt Seitenberger.

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