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Wie ein Klassentreffen nach vielen Jahren

Illustratione:Timon Osche Foto: Marijan Murat (dpa) Illustratione:Timon Osche

Sport fördert die Kommunikation

Natürlich fördert Sport die Kommunikation und schafft Freundschaften, wird jeder aktive Sportler sagen, da man in der Mannschaft und im Verein miteinander und nicht gegeneinander agieren muss, wenn man erfolgreich sein möchte. Aber stimmt diese Behauptung auch für Passiv-Sportler, für Zuschauer, für Fans? Man stelle sich einfach folgende Situation vor: Ein Paar kommt zu einer Party und kennt eigentlich nur den Gastgeber, der natürlich bemüht ist, sich um alle Gäste zu kümmern. Somit kommt es unweigerlich zu der Situation, dass unser Paar selbst in Kontakt zu anderen Gästen treten muss.

Die Frau versucht mit einem anderen weiblichen Gast ins Gespräch zu kommen. Sie fragt vielleicht, wo die andere Frau herkommt, bekommt eine kurze Antwort, und das Gespräch stockt. Zweiter Anlauf: Man erkundigt sich, woher man den Gastgeber kennt, bekommt eine knappe Antwort, das Gespräch stockt erneut. Jetzt ist unserer Frau die Lust auf Konversation und Kontaktaufnahme bereits gründlich vergangen. Dass man gemeinsame Interessen haben könnte, scheint ausgeschlossen. Sie trägt ganz andere Kleidung und pflegt offenbar einen anderen Stil. Ohne wirklichen Grund ist Rivalität entstanden.

Jetzt schaut sie zu den Männern und findet sie in ein angeregtes Gespräch vertieft. Sie schnappt Namen auf, hört Gelächter und sieht zustimmendes Nicken, und natürlich sind die beiden bereits beim Du. Waren sie vielleicht gemeinsam in der Schule und erzählen sich von gemeinsamen Streichen, Lehrern, die man nie mochte, und überlegen, was aus anderen Klassenkameraden geworden sein könnte? Beim genauen Hinhören stellt die Frau überrascht fest, dass sie sich über Fußball unterhalten. Sie diskutieren über Spiele, die sie gesehen haben, über anstehende Trainerwechsel, Transfers von Spielern und natürlich über den eigenen Lieblingsverein.

Ja, wenn Männer über Fußballer und Vereine reden, wirkt das tatsächlich wie ein Klassentreffen nach vielen Jahren. Sie sprechen über die Spieler wie über Freunde, die sie schon lange kennen. Wie kommt es, dass Männer, die für gewöhnlich kommunikativ als schwerfälliger eingestuft werden, hier so schnell und locker ins Gespräch kommen? Im Prinzip haben sie gemeinsame Bekannte, Freunde und Gegner – die Spieler des Lieblingsvereins, Trainer, gegnerische Spieler und gerechte oder ungerechte Schiedsrichter. Sie haben zwar getrennt voneinander doch vieles gemeinsam erlebt, weil sie die gleichen Spiele geschaut haben.

Wenn sich die beiden zufällig wiedertreffen, werden sie sich sicher an den Abend erinnern und vielleicht ein Bier zusammen trinken gehen. Eine neue, lockere Männerfreundschaft ist entstanden.

Susanne Rosch

 

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Fanzugehörigkeit belastet die Freundschaft

Nicht jeder versteht die Liebe, die man gerade im Bereich Sport für einen Verein entwickeln kann. Nur wer selbst mal dabei war, auf einer Auswärtsfahrt oder einem Last-Minute-Sieg im Derby über die Nachbarn – bei so etwas entstehen Mythen und Legenden. Und Freundschaften unter Fans. Als Schalke-Fan fühlt man sich in Frankfurt nicht immer so wohl, vor allem wenn man hier 0:1 verliert; so geschehen in der Saison 2014/2015. Die Häme im fußballbegeisterten Freundeskreis war gelinde gesagt unübertroffen.

Dazu muss natürlich gesagt werden, dass es einige Menschen gab, die sich absolut sicher waren, dass der FC Schalke 04 dieses Spiel gewinnen würde, und damit auch eine Woche vor dem Spiel alle genervt haben – okay, sind wir ehrlich: Ich habe alle genervt, und ich war mir absolut sicher, dass Schalke in Frankfurt gewinnen würde.

Wenn ich vor dem Spiel noch selbstsicher und zufrieden aufgetreten war, so hatte sich das nach den ernüchternden 90 Minuten aus Schalker Sicht eindeutig geändert. Als mit Frankfurt verbundene Person freue ich mich natürlich auch, wenn die Eintracht in ihrer etwas angespannten Situation gewinnt – nur musste das ausgerechnet gegen Schalke sein? Auch wenn man sich vornimmt, sich von einem Ergebnis nicht runter ziehen zu lassen, so kann man das nicht immer verhindern.

Und meine Freunde waren in dieser Situation natürlich auch keine große Hilfe. Ganz im Gegenteil. Mehrere Tage musste ich mir anhören, wie toll das Spiel doch gewesen war und wie schön es war, dass die Eintracht gewonnen hatte. Einerseits freute ich mich ja für meine Freunde, aber die Niederlage schmerzte doch. Ich würde nicht sagen, dass die Niederlage in Frankfurt das Verhältnis zu meinen Freunden beschädigt hat. Auf gar keinen Fall.

Aber wir haben abgemacht, dass wir bei Niederlagen des Lieblingsvereins versuchen, Verständnis zu haben und nicht auch noch draufzuhauen. Und mit gewissen Personen rede ich erst gar nicht mehr über Schalke: nämlich mit den Dortmund-Fans in meinem Freundeskreis.

Nele Hüpper

 

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Wie der Fußball uns zusammen brachte

Schon in der Grundschule war ich so ziemlich das einzige Mädchen, das mit den anderen Jungs in den Pausen Fußball spielte. Aber um mich im Verein anzumelden, fehlte mir immer der Mut. In der fünften Klasse änderte sich das, und ich hatte das Glück, einige Mitschülerinnen zu haben, die diese Leidenschaft mit mir teilten. So begann ich regelmäßig mit einer Mädchenmannschaft zu trainieren und am Wochenende Spiele zu bestreiten.

Dort lernte ich dann auch schnell meine nach acht Jahren immer noch beste Freundin kennen. Eigentlich verstanden wir uns von Anfang an sehr gut, und es war offensichtlich, dass daraus eine sehr gute Freundschaft entstehen würde. Vor dem Training trafen wir uns oft in der Stadt, und so kam es übrigens auch, dass wir vor der EM 2012 einmal von einem Fotografen der FNP angesprochen wurden, ob wir nicht kurz Zeit und Lust hätten, für einen Artikel Modell zu stehen. Schnell bemerkten wir außerdem, dass uns nicht nur das Fußballspielen verbindet, sondern auch die Liebe zu Eintracht Frankfurt.

Nach so vielen Jahren ist es bereits Tradition geworden, ein paar Mal in der Saison gemeinsam in die WM-Arena zu gehen. Da darf natürlich auch vor dem Spiel die Bratwurst nicht fehlen. Egal ob Bundesliga, Zweite Liga, DFB-Pokal oder Europa League – eigentlich waren wir schon überall dabei. Im vergangenen Jahr kamen sogar zwei Auswärtsfahrten nach Dortmund und Berlin zu unserer Eintrittskartensammlung hinzu.

Diese waren zwar fußballerisch eher weniger erfolgreich (BVB – SGE 2:0 und Hertha – SGE 0:0). Aber bestimmt haben wir bei den nächsten Spielen, die noch folgen werden, etwas mehr Glück.

Lena Köhler

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