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„Freunde sind die Familie, die man sich selbst aussucht“

Wie gelingt es Führungskräften, Freundschaften mit dem Beruf zu vereinbaren ? Darüber sprechen im Interview mit dieser Zeitung Fraport-Vorstandsmitglied Michael Müller, Barmer GEK Hessen-Chef Norbert Sudhoff und Peter Völker, Ex-Chef der Frankfurter Volksbank.
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Was ist für Sie die Basis guter Freundschaft?

PETER VÖLKER: Freunde sind Menschen, auf die man sich verlassen kann, die für mich da sind in schwierigen persönlichen Situationen, aber auch Freude und Spaß mit mir teilen. Freunde sind notwendig, um einen unvoreingenommenen Blick, außerhalb der Familie und des Berufsumfelds, auf Situationen zu bekommen. Grundvoraussetzung für eine gute Freundschaft ist gegenseitiges Vertrauen, Ehrlichkeit und zumindest partiell gemeinsame Interessen.

MICHAEL MÜLLER: Gegenseitige Sympathie und gemeinsame Erinnerungen. Und eine enge Verbundenheit, egal wie oft man sich sieht oder wie lange das letzte Treffen zurück liegt.

NORBERT SUDHOFF: Vertrauen, Verständnis, Verschwiegenheit, Offenheit. Wichtig ist, füreinander da zu sein, besonders in den nicht ganz so guten Situationen des Lebens.

Pflegen Sie noch Freundschaften aus Kindheits- oder Jugendtagen?

VÖLKER: Obwohl ich ja in Bornheim geboren bin und fast mein gesamtes Leben, auch beruflich, in diesem Stadtteil wohne, habe ich nur noch einen Freund aus Jugendtagen. Meinen Jugendfreund Fritz habe ich in der Berufsausbildung mit 16 Jahren in der Dresdner Bank kennen gelernt. Wir waren gegenseitig Trauzeugen, haben gemeinsam sieben Kinder groß gezogen und sind auch gegenseitig Pate.

MÜLLER: Nicht zum ganz frühen Umfeld, aber Kontakte zu Mitschülern und Freunden aus der Studentenzeit gibt es immer noch. Und natürlich gibt es langjährige Sportfreunde.

SUDHOFF: Ja und auch sehr gerne. Langjährige Freundschafen werden gerade durch ihre tiefe und lange Verbundenheit zu etwas ganz Besonderem.

Haben Sie ein „Geheimrezept“ für langlebige Freundschaften?

VÖLKER: Es gibt kein Geheimrezept. Voraussetzung für die Langlebigkeit von Freundschaft sind sicher neben der Pflege durch Gespräche und Treffen vor allem auch gemeinsame Interessen, sonst lebt man sich wie in einer Ehe dann doch auseinander.

MÜLLER: Echtes Interesse am Leben des Anderen. Da sein, wenn Hilfe gebraucht wird.

SUDHOFF: Telefonieren ist gut, aber persönliche Treffen sind nicht zu ersetzen.

Haben Sie trotz Ihres ausgefüllten Berufslebens Zeit, um Ihre Freunde zu treffen oder holen Sie dies bei gemeinsamen Urlauben oder Ausflügen nach?

VÖLKER: Sicherlich ist es so, dass man bei einer 60-Stunden-Woche, und bei mir noch mit mindestens zehn Stunden Ehrenamt, die Zeit für Freundschaftspflege sehr kurz ist, insbesondere auch, da die mittlerweile erwachsenen vier Kinder auch alle ihr Recht einfordern und man auch gemeinsam mit der Familie etwas tun möchte. Daher war und ist es mir wichtig, zumindest einmal wöchentlich beim Prellball und einem anschließenden „Absacker“ meine Freunde zu treffen.

MÜLLER: Viel Zeit bleibt nicht, das ist wahr. Aber ab und zu ergeben sich Gelegenheiten bei Feiern, Jubiläen und Geburtstagen, oder man bleibt über Briefe und Mails in Kontakt.

SUDHOFF: Ein ausgefülltes Berufsleben ist leichter möglich, wenn man auch soziale Bindungen regelmäßig hegt und pflegt – nicht nur im Urlaub!

Gibt es Kollegen, die im Laufe der Zeit zu Freunden wurden? Falls ja, wie lassen sich Beruf und Privates trennen?

VÖLKER: Als Vorstand einer Bank ist es schwierig, mit Kollegen Freundschaften zu pflegen. Eine Ausnahme gibt es jedoch dabei: Mit unserem langjährigen Vorstandsvorsitzenden Hans-Joachim Tonnellier, mit dem mich eine drei Jahrzehnte lange gemeinsame Arbeit verbindet, besteht seit einiger Zeit eine tiefe Freundschaft, sicherlich auch begründet durch das große gemeinsame Interesse an unserem FSV.

MÜLLER: Wenn man sehr lange und mit großer Freude in einem beruflichen Umfeld eingebunden ist, entstehen auch enge Freundschaften und ein großer kollegialer Freundeskreis. Trennen lassen sich Beruf und Privates nicht vollständig, aber man muss auch lernen, sich über andere Themen auszutauschen.

SUDHOFF: Ja – durch den persönlichen und beruflichen Kontakt kann man einiges verbinden. Die Trennung von Beruf und Privaten ist uns nie schwer gefallen.

Wie wichtig ist es Ihnen, Freundschaften zu pflegen, die nichts mit Ihrem Berufsleben zu tun haben?

VÖLKER: Freunde erden einen, sind selbstlos und verlangen oder erwarten zunächst einmal nichts. Ich denke, es ist absolut notwendig, außerhalb des gesellschaftlichen Rahmens, in dem man sich bewegt, auch mit vielen anderen Menschen zusammen zu kommen. Damit werden die eigenen Probleme relativiert.

MÜLLER: Das ist kein Ziel an sich, sondern es ergibt sich aus dem persönlichen Umfeld und aus den gemeinsamen Erlebnissen und Erinnerungen, die für einen selbst wichtig und wertvoll sind.

SUDHOFF: Sehr. Ich möchte es mit einem Zitat des Schauspielers Peter Ustinov umschreiben: ,Freunde sind die Familie, die man sich selber aussucht’. Also eine Art ,zweite Familie’.

Fragen Sie vor wichtigen beruflichen Entscheidungen auch Ihre Freunde um Rat ?

VÖLKER: Der Beruf des Bankkaufmanns hat bedungen, dass man über berufliche Entscheidungen grundsätzlich nicht redet. Über persönliche Entscheidungen wie einen Berufswechsel habe ich vor vielen Jahren einmal auch den Rat meines Freundes eingeholt. Entscheidungen bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in meinem Verein, der TG Bornheim, treffen wir im Vorstand des Vereins.

MÜLLER: In beruflichen Dingen muss der fachliche Austausch im Mittelpunkt stehen. Kollegiale Freundschaften können aber auch dabei helfen, schwierige Themen aus allen Blickwinkel zu beleuchten.

SUDHOFF: Ich halte es hier mit Johann Wolfgang von Goethe, der dazu geschrieben hat: ,Mit einem kritischen Freund an der Seite kommt man immer schneller vom Fleck’.

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