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Brennende Schmerzen in der Brust

Von Werden wir Deutsche immer öfter krank? Oder sind es nur neue Verfahren, die uns zeigen, woran es uns denn wirklich fehlt? Welche Krankheiten sind auf dem Vormarsch, wo gibt es neue Behandlungsmöglichkeiten und Therapien? In der neuen Serie "Die Sprechstunde" beleuchtet die FNP die großen Volkskrankheiten. Heute: Der Herzinfarkt.

Als Thorsten M. (44/Name geändert) an der Rezeption des Hotels in Erfurt stand, spürte er sie zum ersten Mal, diese Schmerzen in der Brust. „Es war ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein“, erinnert er sich. Am Tag zuvor hatte er mit einem Kunden über die laufenden Projekte gesprochen.

Viel Stress gab es in den Wochen davor. Jetzt wollte er nur noch nach Hause, setzte sich ins Auto und fuhr die 261 Kilometer nach Frankfurt. Gegen Mittag kam er an. Er war blass. Die Schmerzen waren stärker. Er wollte nur noch ins Bett und meinte: „Das geht schon wieder vorüber.“ Seine Frau verließ sich darauf nicht und rief den Notarzt. Zum Glück.

Der Rettungswagen brachte Thorsten M. sofort ins Krankenhaus. „Wenn ein Patient Schmerzen auf der Brust spürt, die ungewöhnlich sind, die sehr heftig sind, die mit Symptomen wie Übelkeit, Kurzatmigkeit und kaltem Schweiß einhergehen, dann sollte sofort der Notarzt gerufen werden“, sagt Privatdozent Dr. Claudius Teupe, Chefarzt der Kardiologie im Krankenhaus Sachsenhausen, „auf keinen Fall darf gewartet werden, bis der Hausarzt wieder seine Praxis öffnet, dieser Vernichtungsschmerz ist das typische Anzeichen für einen Herzinfarkt, es sind so starke Schmerzen, dass man dabei Todesangst bekommt.“

Beim Herzinfarkt ist ein Blutgefäß verstopft. Je schneller es wieder geöffnet werden kann, umso mehr Teile des Herzmuskels können gerettet werden. Claudius Teupe: „Es bildet sich dort eine Narbe, die zu einer Schwächung der Herzmuskelkraft und damit der Pumpfunktion führt.“ Bei einem großen Herzinfarkt oder wenn jemand mehrere Herzinfarkte hatte, kommt es danach häufig zu einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche), die oft zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führt.

Dr. Sven Fassbender

Oberarzt Dr. Sven Fassbender ist Internist und Kardiologe am Krankenhaus Sachsenhausen. Er schreibt über die Prävention von Herzinfarkten.

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Um das zu verhindern, müssen Herzinfarktpatienten so schnell wie möglich behandelt werden. Mit einer Blutuntersuchung kann der Arzt Sicherheit bekommen, ob es sich um einen Infarkt handelt. Nach einem Infarkt wird das sogenannte Troponin im Blut nachweisbar. Das ist immer dann der Fall, wenn Herzmuskelzellen absterben. 20 Minuten nach der Einlieferung ins Krankenhaus liegt das Ergebnis der Blutuntersuchung vor.

Bei Thorsten M. sahen die Ärzte Auffälligkeiten beim EKG, die eindeutig den Verdacht auf einen Herzinfarkt zeigten. So brauchten sie das Blutergebnis gar nicht abwarten.

Unmittelbar nach dem EKG wurde Thorsten M. in das Katheterlabor gebracht. Kardiologe Dr. Claudius Teupe: „Die beste Therapie, die man in solch einem Fall durchführen kann, ist die Wiederherstellung des Blutflusses in dem verschlossenen Blutgefäß - die Ursache für den Herzinfarkt. Ein Herzmuskel, der nicht mehr richtig durchblutet wird, würde ohne Sauerstoff absterben.“ Ziel der Ärzte ist, möglichst viel von diesem Muskel zu retten.

Jede Minute zählt. Das Blutgefäß ist bei Thorsten M. rekanalisiert worden. Dafür wurde ein kleines Drähtchen in das Herzkranzgefäß geführt. Mit dem Draht stieß der Kardiologe den Verschluss durch. Über den Draht konnte dann ein Ballon vorgeschoben und damit das Gefäß gedehnt werden.

Prof. Dr. Andreas Zeiher

Prof. Dr. Andreas Zeiher ist Kardiologe und Direktor der Medizinischen Klinik III am Universitätsklinikum. Eine Forschergruppe um ihn entwickelte eine Stammzellentherapie für Menschen, die an einer Herzschwäche nach einem Herzinfarkt leiden.

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Im nächsten Schritt wurde an dieser Stelle mit Hilfe des Drahtes ein Stent, ein Drahtimplantat, eingesetzt. Dadurch wird das Gefäß richtig aufgedehnt, der Blutfluss wieder vollständig hergestellt und normalisiert. Kardiologe Teupe: „Im Herzkatheterlabor wird umgehend der Blutfluss wieder hergestellt. Zuvor werden bereits Medikamente gegeben, die eine Blutverdünnung erreichen und verhindern sollen, dass das Blutgerinnsel, das den Gefäßverschluss verursacht hat, weiter wachsen kann. In den vergangenen Jahren kamen Medikamente auf den Markt, die zu einer deutlichen Verbesserung der Behandlungsergebnisse beigetragen haben.“

Patient Thorsten M. hat sich sehr gut von seinem Herzinfarkt erholt. Nach einer Woche im Krankenhaus war er ein paar Tage zu Hause und ging danach in eine Anschlussheilbehandlung, die sogenannte Reha. Unter medizinischer Kontrolle lernte er sich wieder körperlich zu belasten. Auf eine medikamentöse Therapie kann allerdings nicht verzichtet werden. Er muss täglich zur Blutverdünnung das Mittel Aspirin einnehmen, dazu ein cholesterin-
senkendes Präparat, ein sogenanntes Statin und einen ACE-Hemmer und zusätzlich noch einen Beta-Blocker.

Kardiologe Teupe: „Damit kann man in sehr vielen Fällen die Erkrankung zum Stillstand bringen und in dem Maße konservieren, in dem sie jetzt ist.“ Der Patient kann nach einer solchen Herzinfarktbehandlung sehr alt werden und eine nahezu normale Lebenserwartung haben.

In der nächsten Folge lesen Sie: Adipositas - was tun, wenn man viel zu dick ist?

 

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