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Diabetes durch ein Leben im Überfluss

Von Die weitaus meisten Menschen mit Diabetes – über 90 Prozent – sind Typ-2-Diabetiker. Aufgrund einer erblichen Insulinresistenz, verstärkt durch Übergewicht und Bewegungsmangel, kann das Insulin seine den Blutzucker senkende Wirkung nur eingeschränkt entfalten. Medikamente, Nichtrauchen und gesunde Ernährung helfen.

Horst H. (Name geändert) hat in seinem bisherigen Leben nichts anbrennen lassen. Er versäumte keine Party, auf die er eingeladen war, ebenso kein feudales Essen. Er aß gern - und immer den Teller leer, wie ihn das seine Mutter gelehrt hatte. Mit 42 Jahren brachte es der Werbekaufmann bei 1,76 Meter Körpergröße auf stolze 95 Kilo. Kein Problem, er fühlte sich wohl in seiner Haut. Doch dann kam er wegen eines Beinbruchs ins Krankenhaus. Ihm wurde Blut abgenommen und später sagte ihm der Arzt: „Sie haben Diabetes!“ Horst H. fiel aus allen Wolken. Doch dann dachte er nach: Seine Mutter hatte Diabetes. Sie musste sich Insulin spritzen und starb, als irgendwann das Herz streikte. Die Großmutter war nach vier Schlaganfällen gestorben. So wollte Horst H. nicht enden.

Zusammen mit seinem Hausarzt suchte er nach Wegen aus dem Diabetes-Dilemma. Dieser riet ihm: kein Bier mehr, stattdessen lieber ein Glas trockenen Wein und abnehmen durch Bewegung und reduziertes Essen. Schon einen Tag später lief der Vater von zwei Kindern mit Nordic-Walking-Stöcken durch den Ostpark - etwas mehr als eine halbe Stunde. Das machte er von nun an fast jeden Tag. Statt Bier trank er Apfelwein, statt Schnitzel mit Pommes frites bestellte er Salat mit Thunfisch.

Schon bald hatte er etliche Kilogramm abgenommen. Nach zwei Jahren zeigte die Waage nur noch 79,5 Kilo. Die wichtigste Belohnung folgte jedoch bei der nächsten Blutuntersuchung. Der sogenannte „HbA1C“-Wert lag mit 6,0 Prozent im normalen Bereich.

Der „HbA1c“-Wert liefert einen Überblick über die Blutzuckereinstellung der vergangenen sechs bis acht Wochen eines Patienten. Auch zur Diagnose einer Zuckerkrankheit eignet er sich: Werden 6,5 Prozent überschritten, gilt der Patient als zuckerkrank.

„Das Erkrankungsalter der Typ-

Der Endokrinologe und Diabetologe Dr. Klaus Lubomierski. Bild-Zoom
Der Endokrinologe und Diabetologe Dr. Klaus Lubomierski.
2-Diabetes, auch Alters-Diabetes genannt, ist nach unten gerutscht“, erklärt der Endokrinologe und Diabetologe Dr. Nikolaus Lubomierski, Oberarzt am Klinikum Frankfurt Höchst. „Sogar Jugendliche leiden heute schon darunter. Schuld daran ist die veränderte Lebensweise. Jahrtausendelang musste sich der Mensch seinen Lebensunterhalt körperlich hart erarbeiten. Darum lernte der Körper, möglichst viel Fett für schlechte Zeiten einzulagern. Das wird ihm jetzt zum Verhängnis. Heute leben wir im Überfluss - und der Körper kann mit geringerer Bewegung und zu hoher Energiezufuhr nur sehr schlecht umgehen.“

Weiteres Problem: Wird bei einem Menschen Diabetes diagnostiziert, kann er bereits eine unentdeckte Krankengeschichte von vielen Jahren hinter sich haben. Und dann wird es kritisch. Denn das Problem sind die Folgeschäden, die diese Krankheit verursacht: Nieren, Augen und Nerven können davon betroffen sein. Dr. Nikolaus Lubomierski sagt: „Das sind Krankheitsschäden, die zumeist irreversibel sind.“ Werde die Diabetes jedoch rechtzeitig entdeckt und konsequent behandelt, sei die Wahrscheinlichkeit, eine Folgeerkrankung zu bekommen, gering.

Wer Eltern oder Geschwister hat, die an Diabetes erkrankt sind, sollte seinen Zuckerspiegel regelmäßig überprüfen lassen. Der Diabetologe Lubomierski erklärt: „Das Risiko einer Erkrankung ist dann höher, wenn ein Mensch übergewichtig ist, raucht, sich nur wenig bewegt und vielleicht noch unter Bluthochdruck leidet.“

Wird ein Betroffener die Krankheit Diabetes selbst durch eine Gewichtsreduzierung nicht los, beginnt meist eine Behandlung mit einer medikamentösen Therapie. Zahlreiche Medikamente, die auch kombiniert werden können, falls weitere Erkrankungen vorliegen, stehen dafür zur Verfügung.

Wird trotz Tablettentherapie kein ausreichender Blutzuckerspiegel erreicht, muss der Betroffene Insulin spritzen. Das ist heute ein relativ unkomplizierter Vorgang dank der sogenannten Insulin-Pens und einfacher Blutzuckermessgeräte. Die Piekser werden kaum noch als schmerzhaft empfunden. Für den Oberarzt Dr. Nikolaus Lubomierski ist Diabetes eine Art „Mitmachkrankheit“. Und meint das so: „Der Patient selbst hat einen durchaus großen Einfluss darauf, wie es mit seiner Krankheit weitergeht. Deshalb lohnt es sich auch, viel Mühe zu investieren.“ Für ihn muss „insbesondere der jüngere Patient, der nur ein bisschen Diabetes hat“, ganz intensiv betrachtet und therapiert werden.

Dr. Jürgen Reusch
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Es kommen zwar auch Patienten ins Krankenhaus mit dem Ziel, ihre Zuckerkrankheit besser einzustellen. Aber die meisten Patienten, die wir Diabetologen im Krankenhaus behandeln, sind wegen einer anderen Erkrankung hier.

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Prof. Dr.
Klaus Haag
Kein Titel vorhanden

Diabetes tut nicht weh und niemand stirbt an den hohen Zuckerwerten, sondern an den Folgeerkrankungen. Deshalb ist die richtige Behandlung wichtig.

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Prof. Dr. Christoph Rosak
Kein Titel vorhanden

Vor den Begriffen „leicht erhöhter Zucker“, „leichter Diabetes“ oder „ein bisschen Diabetes“ ist zu warnen. Diabetes, wenn er diagnostiziert ist, hat eine unbekannte Vorlaufzeit, man schätzt diese auf vier bis sechs Jahre.

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