Die spitze Zunge eines Protokollers

Von Alexander Schneider Wenn der Roder Vereinsring zur närrischen Nabelschau in den Felsenkeller lädt, passt für gewöhnlich keine Maus mehr rein. Das war auch am Samstag nicht anders. Diese quirligen Damen wirbeln „Just for Fun“, also nur so zum Spaß, über das Narrenpodium. 	Fotos: Schneider Bilder > Diese quirligen Damen wirbeln „Just for Fun“, also nur so zum Spaß, über das Narrenpodium. Fotos: Schneider
Rod an der Weil. 

Die Narrhalla im Felsenkeller war am Samstag beim Vereinsringfasching pickepacke voll, wobei eigentlich fast doppelt so viele reingegangen wären, denn meist standen die Gäste ohnehin schunkelnd auf den Tischen. Das viereinhalbstündige Programm war rund, hatte aber trotzdem Ecken und Kanten, denn manches in der Bütt Gesagte klang nach Spaß, war aber im Ernst gemeint. Besser, man legte so manches Wort nicht auf die Goldwaage.

Das Protokoll, und damit halten die Roder Narren an einer alten Tradition fest, war einfach der „Hammer“, doppeltgemoppelt, denn Markus Hammer schonte weder Freund noch Feind. Selbst Bruder Jens, immerhin Roder Ortsvorsteher, musste damit leben, ein protokolltechnischer Blindgänger zu sein, „nix los im Dorf“, was sich gelohnt hätte, durch die Narrenbrille betrachtet zu werden.

Doch Hammer wäre nicht Hammer, wenn er nicht doch das eine oder andere gefunden und pointiert in Verse gepackt hätte. Und da war ja auch noch die Energiewende, bei der einigen der Wind aus des Protokollers Feder ordentlich um die Ohren blies.

Ein Garant für beste Fastnachtsunterhaltung war auch diesmal wieder der „Eckepeter“ alias Michael Meloth, der gewohnt deftig und nicht immer ganz jugendfrei aus seiner schwierigen Kindheit berichtete, dabei aber irgendwie auch auf Gott und Sohnemann Jesus zu sprechen kam. Während sich das Publikum vor lachen bog, wurde dieser Teil des Vortrags für einen Gast zu einer besonders schweren Prüfung, Pfarrvikar Christoph Weick.

Doch auch er konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und lächelte verzeihend, denn ein paar Minuten zuvor hatte auch er mit komödiantischem Geschick als „Babba Hesselbach“ so gut wie nichts aus der großen, mittleren und kleinen Politik ungeschoren gelassen. Man muss eben auch einstecken können.

Deftige Kost

Die beiden „Schleechtschwätzer“ Lothar Rühl und Horst-Günther Herde machten ihrem Namen alle Ehre, wobei sie gemeinsam mit Günter Bargon als AOK-Patient, dem Duo Mönstadt mit Jörg Hei-mann und Ingo Wieth, als „Männer vom Fach“, und „Knecht“ Sabine Rumpf auch einen flotten Sechser aufs Narrenpodest hätten legen können – ohne Ende Kalauer aus einem schier unerschöpflichen Re-pertoire, aber lustig.

Was beim von Horst-Günther Herde in seiner Zweitrolle als Kurpfuscher fehlbedienten „Neutralisator“ für Zipperlein wie Schlenkerarm rechts, Stechschritt links, Zungen(r)ausfall und Babybauch am Ende herauskam, war zwar abzusehen, gelacht wurde trotzdem.

Wie es die Sitzungsregie geschafft hat, trotz Zugaben bei allen Tanzdarbietungen und dem Besuch der Bad Homburger Narrenprinzessin Saskia I nebst Entourage am Ende nur knapp 20 Minuten zu überziehen, bleibt wohl ihr Geheimnis. Jedenfalls war schon beim Erklimmen des Podiums klar, dass weder die Hasselbacher Garde, noch die Powergirls als Hexen, die nach Malle entfleuchten Traumtänzer und die Gruppe Just for Fun beim Rolatorslalom, alle aus Emmershausen, oder das Feuerwehrballett aus Hausen und die Formation „Take it Easy“ ohne Da Capo-Rufe kaum zur Ruhe kommen würden.

Ein Wunder wäre es auch gewesen, wenn die „Weiltalrehleins“ mit ihrem Jailhouse-Rock und Götz Esser als charismatischem „King Elvis“ ungeschoren davon gekommen wären.

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04.03.2014
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