Feiern, bis die Wurst platzt

Von David Schahinian „Ausverkauft“, heißt es bei der Kneipenfastnacht der Oberhöchstädter Rasselböck meist schon viele Monate im Voraus. Wer eine Karte ergattert hatte, musste sich als schunkelfest und sangesfreudig erweisen. Platz ist in der kleinsten Hütte: Bei der Kneipenfastnacht der Rasselböck war die Stimmung wieder ausgelassen. 	Foto:jr Platz ist in der kleinsten Hütte: Bei der Kneipenfastnacht der Rasselböck war die Stimmung wieder ausgelassen. Foto:jr
Oberhöchstadt. 

Normalerweise wären einige Euro ins Phrasenschwein fällig, wenn es hieße, dass die Stimmung bei den Rasselböck am Rosenmontag überkochte. Schon früh allerdings waren die Temperaturen im liebevoll in „Ebbelwoi-Sauna“ umgetauften Nassauer Hof so stark angestiegen, dass die Fleischwürste von allein zu platzen anfingen. Doch dazu später mehr.

Die Karten für die Kneipenfastnacht des Vereins für Dialekt- und Brauchtumspflege sind, um im Bild zu bleiben, heiß begehrt, erklärt Martina Hölzle-Endres: „Wir hatten noch mehr als 50 Leute auf der Warteliste.“ Sie müssen auf die nächste Kampagne hoffen, denn im Narrenkäfig ist lediglich für gut 100 Gäste Platz.

 

Explosive Mischung

 

Die große Beliebtheit hat nicht nur damit zu tun, dass sich Abordnungen vieler Vereine in Oberhöchstadt treffen, um den Abschluss der Karnevalssaison zu feiern. Auch bei der Programmgestaltung legt man Wert auf eine explosive Mischung aus lokalen Größen und „internationalen“ Gästen.

Für die Musik war beispielsweise die Band „Sound Collection“ aus der, so der Vorsitzende Michael Endres, „Felsen-Schweiz“ Schmitten zuständig. Pali, selbsternannter „King of the Twist“, kam aus Mainz nach Fichtegickelshausen und hatte sich auf dem Weg dorthin in eine Reinkarnation von Elvis Presley verwandelt.

Eine Bütt braucht es bei den Rasselböck nicht, die Vorträge werden buchstäblich zwischen Tür und Angel der beiden großen Räume gehalten. Umso direkter trafen die Spitzen des Conférenciers Endres und der Bänkelsänger Birgit Herdan, Otto Sehr, Ingrid Speer, Martina Hölzle-Endres und Hans-Dieter Seibert, die das sonst übliche gesprochene Protokoll singend vortrugen.

Der missglückte Abi-Scherz an der Altkönigschule wurde aufs Korn genommen, die eine oder andere Rathaus-Entscheidung durch den Kakao gezogen, und die Vorbilder jedes Politikers beim Namen genannt. Endres: „Es waren die Heiligen Drei Könige. Sie legten die Arbeit nieder, zogen sich schöne Kleider an und gingen auf Reisen.“

Lob gab es für das Engagement der „Heckstädter“ bei der Restaurierung der alten Grabsteine auf dem Oberhöchstädter Friedhof.

 

Mombacher Zippel

 

Von „Wirtschafts-Krise“ war auch danach keine Spur. Die Vorträge von Otto Sehr, Martina Hölzle-Endres und dem Frankfurter Bernd Bruch kamen gut an, wenn auch mit leichter Verzögerung: Der interne Zeitplan war längst durch zahlreiche Schunkelrunden und Tanzpausen zur Makulatur geworden.

Auch wenn sie in der fünften Jahreszeit zur Hochform auflaufen, sind die Rasselböck in den anderen vieren auch aktiv, berichtet Michael Endres: „Wer Lust hat, mitzumachen und Mundart zu schwätzen, den nehmen wir gerne auf.“

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse gibt’s dann inklusive. Hieß es bisher: „Die Gedanken einer Frau und das Innere der Worscht bleiben gänzlich unerforscht“, brachte der Rosenmontag zumindest bei der zweiten Frage Licht ins Dunkel.

Im Inneren einer überlebensgroßen Fleischwurst steckte Dieter Meisenzahl von den Mombacher „Bohnebeitel“, der die anwesenden Damen damit zu locken versuchte, zwei statt einem Zippel zu besitzen. Die Wurst platzte, und zum Vorschein kam der „Dappes“, der singend und tanzend mit dem Publikum „in de’ Dom dappte“.

Den Saal verließ Meisenzahl mit einem ernstgemeinten Lob: „Kneipen wie diese gibt’s in Mainz kaum noch. Ich komme gerne wieder nach Oberhöchstadt.“

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Feiern, bis die Wurst platzt
„Ausverkauft“, heißt es bei der Kneipenfastnacht der Oberhöchstädter Rasselböck meist schon viele Monate im Voraus. Wer eine Karte ergattert hatte, musste sich als schunkelfest und sangesfreudig erweisen.
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05.03.2014
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