„Das Maß ist übergelaufen“

Von Barbara Schmidt Auch im Main-Taunus sind Pfarrer und Gläubige geschockt. Nach der Veröffentlichung der Kosten für das „Diözesane Zentrum“ ist für viele der Rücktritt von Bischof Tebartz-van Elst fällig. Allein gelassen: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bei seinem Besuch in Hofheim, in der Pfarrkirche St. Peter und Paul.	Foto: Knapp Allein gelassen: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst bei seinem Besuch in Hofheim, in der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Foto: Knapp
Main-Taunus.  Flörsheims Pfarrer Sascha Jung. /rhein-main/limburgerbischof/Das-Mass-ist-uebergelaufen;art25268,651388 Flörsheims Pfarrer Sascha Jung. „Hier brennt die Hütte“, hatte Sascha Jung gestern kaum eine ruhige Minute. Ständig klingelte das Telefon des Flörsheimer Pfarrers. „Ich bekomme nur Anrufe mit Beschwerden. Die Menschen sagen mir: Der Bischof muss weg!“, hat Jung viel Unmut und Unverständnis anhören müssen. Dabei geht es auch dem Pfarrer nicht viel besser als den Anrufern: „Ich bin genauso fassungslos“, sagt Jung, der immer wieder an die Prophezeiung des Frankfurter Stadtdekans Johannes zu Eltz denken musste, der bekanntlich mit Blick auf die Veröffentlichung der Kosten fürs Bischofshaus geäußert hatte: „Das wird uns alle umhauen.“
 

Wer den nüchternen und stets sehr zurückhaltenden Bezirksdekan Klaus Waldeck kennt, der weiß einzuordnen, was es heißt, wenn selbst er sagt: „Das ist für das Bistum und das Ansehen des Bischofs nicht förderlich.“ Es dränge sich

Pfarrer Klaus Waldeck ist für den Pastoralen Raum Kelkheim, Fischbach Liederbach zuständig. /rhein-main/limburgerbischof/Das-Mass-ist-uebergelaufen;art25268,651388 Pfarrer Klaus Waldeck ist für den Pastoralen Raum Kelkheim, Fischbach Liederbach zuständig.

„schon der Verdacht auf, dass da keine ausreichende Kontrolle stattgefunden hat“, kommentiert Waldeck gewohnt vorsichtig die Aussagen der Mitglieder des Vermögensverwaltungsrates, zu denen auch der frühere Main-Taunus-Landrat und Flörsheimer Bürger Jochen Riebel zählt. Laut F.A.Z. sieht sich das Gremium „durch den Bischof von Limburg hinter das Licht geführt“. Weder für 2012 noch für 2013 sollen ihm Haushaltspläne vorgelegt worden sein, auch Einzelprojekte seien nicht genehmigt worden. Vor einem Urteil müsse man aber noch die andere Seite hören, mahnt Waldeck.

Für Alexander Brückmann, Pfarrer von Eschborn und Schwalbach und Mitglied des Diözesansynodalrats sowie des Hofheimer Kreises, der schon länger die Amtsführung von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst kritisiert, sind es nicht allein die 31 Millionen Euro Baukosten, die ihn den Rücktritt des Bischofs fordern lassen. Die Summe sei zwar

Eschborns Pfarrer Brückmann. /rhein-main/limburgerbischof/Das-Mass-ist-uebergelaufen;art25268,651388 Eschborns Pfarrer Brückmann.

„atemberaubend“, sagt Brückmann, „aber das eigentliche Problem ist ein anderes: Die Wahrhaftigkeit und die Glaubwürdigkeit des Bischofs ist vollkommen dahin.“ Das habe er dem Bischof schon in der vergangenen Woche bei der Zusammenkunft der Priesterlichen Leiter mit ihrem Chef gesagt. Er habe dem Bischof zudem die Erwartung ausgedrückt, dass er, falls es aus Hamburg, wo die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf eine falsche eidesstattliche Versicherung ermittelt, schlechte Nachricht gebe, sein Amt zur Verfügung stellt. „Heute bin ich der Meinung: Das Maß ist schon übergelaufen.“ Brückmann sieht nun auch die Deutsche Bischofskonferenz gefragt. Denn fest stehe: „Es geht nicht mehr. Das Vertrauensverhältnis ist total zerstört.“

 

In den Schmutz gezogen

 

„Ein Schock“ waren die tatsächlichen Kosten für des Bischofs „Diözesanes Zentrum“ für den Pfarrer von Hofheim und Kriftel, Helmut Gros, ebenfalls Mitglied im Hofheimer Kreis. „20 Millionen waren schon unvorstellbar, aber das hier

Hofheims Pfarrer Helmut Gros. /rhein-main/limburgerbischof/Das-Mass-ist-uebergelaufen;art25268,651388 Hofheims Pfarrer Helmut Gros.

geht gar nicht mehr.“ Auch für Gros ist klar: „Es muss jetzt was passieren, es muss zügig eine Reaktion von Rom kommen.“ Überall in Deutschland werde bereits mit Fingern auf das Bistum Limburg gezeigt. „Es ärgert mich immer mehr, wie ein gut funktionierendes Bistum so in den Schmutz gezogen ist.“

Annette Zwaack, als Laien-Vertreterin Mitglied im Bezirks- und auch im Diözesansynodalrat, ist persönlich „entsetzt über die Höhe der Summe aber auch darüber, dass die Herren vom Vermögensverwaltungsrat nach den heutigen Berichten ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind.“ Ob sie erwartet, dass Bischof Tebartz-van Elst nun geht? „Ich kann mir keine andere Konsequenz mehr vorstellen“, sagt die Hochheimerin und ergänzt: „So leid es mir tut für den Menschen, aber ich glaub’, das geht nicht mehr.“ Gerade den jungen Menschen wolle die Kirche doch etwas über Wahrhaftigkeit und guten Umgang miteinander sagen - „das ist so kaum noch machbar“.


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Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv 19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. 29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.

Limburger Bischofs-Skandal Hofheims Pfarrer Helmut Gros. Frankfurts Katholiken fordern Rücktritt

Der Rückhalt für den Bischof bröckelt auch in der Mainmetropole mehr und mehr.

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Auch im Main-Taunus sind Pfarrer und Gläubige geschockt. Nach der Veröffentlichung der Kosten für das „Diözesane Zentrum“ ist für viele der Rücktritt von Bischof Tebartz-van Elst fällig.
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09.10.2013
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