Denkmalschutz als Ausrede

Von Johannes Laubach Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist die Flucht nach vorn angetreten und hat der größten deutschen Tageszeitung, die ihn ständig als Protz-Bischof bezeichnet, erklärt, warum das Diözesane Zentrum so teuer ist. Der beratende Architekt ist empört. Bauphase in der Alten Vikarie: Der Denkmalschutz hat nach Angaben des Bischofs die Kosten für das Diözesane Zentrum in die Höhe getrieben. Aber die Denkmalschutzbehörden waren gar nicht eingebunden. Foto: Heidersdorf Bauphase in der Alten Vikarie: Der Denkmalschutz hat nach Angaben des Bischofs die Kosten für das Diözesane Zentrum in die Höhe getrieben. Aber die Denkmalschutzbehörden waren gar nicht eingebunden. Foto: Heidersdorf
Limburg. 

Als Grund für die hohen Kosten von über 30 Millionen Euro nennt der Bischof in dem Gespräch zehn einzelne Bauprojekte, aus denen sich das komplette Zentrum zusammensetzt. Tebartz-van Elst verweist auf das nachhaltige und auf Generationen angelegte Bauen und er führt erneut die Auflagen des Denkmalschutzes an. Als er davon hörte, war es mit der Geduld von Stephan Dreier vorbei. Er ist Architekt mit dem Schwerpunkt denkmalgerechtes Bauen und war in beratender Funktion an der Sanierung der Alten Vikarie beteiligt. „Dass der Denkmalschutz als Sündenbock herhalten muss, das geht nicht. So dreist zu lügen, ohne dabei rot zu werden“, sagt er.

Bilderstrecke Geheime Bilder von der Baustelle des Bischofs Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst soll die Kosten für den neuen Bistumssitz durch Protz und Luxuswünsche auf satte 31 Millionen Euro in die Höhe getrieben haben. Wir konnten einen Blick auf die derzeit wohl umstrittenste Baustelle Deutschlands werfen. Die beginnende Bebauung hinten rechts sind die Technikräume und der Keller bzw. eine mutmaßliche zweite Wohnung unter der Bischofswohnung. Fotos: FNP Im Hintergrund ist das Küsterhaus zu sehen, rechts davon ein Teil der historischen Mauer. Blick von der heutigen Einfahrt in die Baustelle mit dem Diözesanmuseum im Hintergrund.

Die Kosten für die Sanierung der Alten Vikarie lagen nach Informationen der NNP mal bei 2,5 Millionen Euro, diese Summe soll inzwischen jedoch nicht mehr ausreichen. Doch was dem Denkmalschutz an Kosten zuzuschreiben ist, beziffert Dreier auf rund 400 000 Euro - mehr nicht. „Peanuts zu dem, was das alles auf dem Domberg gekostet hat“, sagt er. Zunächst seien dafür 220 000 Euro vorgesehen gewesen. Allerdings sei die Fachwerkkonstruktion in einem deutlich schlechteren Zustand gewesen als zunächst angenommen.

Nach Angaben von Dreier, ein mehrfach mit dem deutschen und dem hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichneter Architekt, sind diese Schäden auf die frühere Art der Sanierung zurückzuführen. Lediglich bei der Sanierung der Fachwerkkonstruktion sei nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten gearbeitet worden.

Bilderstrecke Exklusive Bilder vom Bischofssitz Das Diözesane Zentrum St. Nikolaus steht auf einem rund 1000 Quadratmeter großen Grundstück auf dem Limburger Domberg - rechts und links eingefasst von historischen Stadtmauern, im Hintergrund das Diözesanmuseum (9), das nicht zum Komplex gehört. Der Garten (10) mit den vier Rasenfeldern (ganz hinten) zählt aber noch dazu. Im Fachwerkhaus (1), in der Alten Vikarie, haben der Bischof und seine engsten Mitarbeiter ihre Diensträume. Im ehemaligen Küsterhaus (2) wohnen jetzt zwei Ordensschwestern, die den Haushalt des Bischofs versorgen. Im Neubau aus fränkischem Kalkstein sind unter anderem die Wohnung des Bischofs (8), die Bibliothek (7) und Konferenzräume (4) sowie das Foyer (3) untergebracht. Die schwarze Kapelle 2 überragt die Flachdachbauten und grenzt an den Innenhof 1 . Foto: Reinhard Langschied Es folgen weitere Luftaufnahmen der bischöflichen Residenz.

Dass die Arbeiten an dem Haus viel Geld gekostet haben, ist für Dreier klar. Das Erdgeschoss ist nach seinen Angaben um über einen Meter abgesenkt worden, und natürlich stießen die Arbeiter dabei auch auf Fels. Teuer dürfte auch die Verbindung zum Keller des benachbarten Neubaus unter die Vikarie gewesen sein. Da die Arbeiten unter den Fundamenten des historischen Gebäudes stattfanden, sei ein hoher technischer Aufwand nötig gewesen.

Auch der Ausbau des Dachgeschosses hat nach Angaben von Dreier nichts mit Denkmalschutz zu tun. Ganz im Gegenteil. Unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wäre das Dachgeschoss unangetastet geblieben. Seine Nutzung stehe in keinem Verhältnis zu den damit verbundenen Kosten.

 

Haube für den Turm

 

Das Tieferlegen des Erdgeschosses habe zum Beispiel auch dazu geführt, dass die Fenster in den Bruchsteinwänden versetzt werden mussten. Die Stürze in den Türen der oberen Etagen seien alle geändert worden, um höhere Durchgangshöhen zu erreichen. Wobei die alten Türen nach Angaben von Dreier durchaus ausgereicht hätten. Eine deutlich sichtbare Veränderung des Hauses hat es durch die Erhöhung des Turms und seiner Haube gegeben. Dreier bezeichnet dies als „denkmalpflegerischen Luxus“, der nicht notwendig gewesen sei, dem Gebäude gleichwohl gut stehe. Der Turm soll ursprünglich so ausgesehen haben.

Von außen ist die Vikarie ein historisches Gebäude, im Innern hat sie den Charakter eines Neubaus, so Dreier. Gerade Wände, rechtwinklige Ecken - die finden sich in so alten Gebäuden eigentlich nicht. Und sie sind auch nur mit einem entsprechenden Aufwand zu erreichen. Nach Informationen der NNP verfügt das Gebäude zudem über eine sehr aufwendige Haustechnik. Und die Fenster sind mit einer speziellen Technik ausgestattet, die auf Knopfdruck den Blick hindurch verhindern. Dass bei Bedarf der Blick in den Dienstsitz nicht möglich ist, soll ausdrücklicher Wunsch des Bauherrn gewesen sein.

Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv 19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. 29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.

Bereits vor einigen Wochen hatte das Landesamt für Denkmalpflege auf Anfrage der NNP verdeutlicht, dass es bei der Sanierung historischer Bausubstanz nicht eingebunden gewesen sei. Im Jahr 2008 habe es einen Abstimmungstermin in der Alten Vikarie gegeben, das war es. Der staatliche Denkmalschutz habe auch keine Auflagen erteilt. Für die Alte Vikarie nicht und auch für den übrigen historischen Bestand nicht: Küsterhaus, alte Mauern oder auch die Reste des alten Turms, die gefunden wurden.

„Wo es nicht wehgetan hat, ist man uns gefolgt. Aber im Prinzip hatten wir nichts zu sagen“, sagt Stephan Dreier. Als beratender Architekt hat er - wie alle anderen Planer, Techniker und Handwerker auch - eine Erklärung unterschrieben, mit der er sich zum Stillschweigen verpflichtet. Doch irgendwann reicht es mit dem Schweigen.

Limburger Bischofs-Skandal Bauphase in der Alten Vikarie: Der Denkmalschutz hat nach Angaben des Bischofs die Kosten für das Diözesane Zentrum in die Höhe getrieben. Aber die Denkmalschutzbehörden waren gar nicht eingebunden. Foto: Heidersdorf Strafe für Bischof gefordert

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat den Erlass eines Strafbefehls gegen den Bischof von Limburg beantragt und fordert darin eine Geldstrafe für falsche eidesstattliche Erklärungen.

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Limburger Bischofs-Skandal Bauphase in der Alten Vikarie: Der Denkmalschutz hat nach Angaben des Bischofs die Kosten für das Diözesane Zentrum in die Höhe getrieben. Aber die Denkmalschutzbehörden waren gar nicht eingebunden. Foto: Heidersdorf Tebartz-van Elst: Chronologie der Skandale

Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste – seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Neue Zahlen entsetzen nun Kirchenvertreter.

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Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ist die Flucht nach vorn angetreten und hat der größten deutschen Tageszeitung, die ihn ständig als Protz-Bischof bezeichnet, erklärt, warum das Diözesane Zentrum so teuer ist. Der beratende Architekt ist empört.
http://www.fnp.de/rhein-main/limburgerbischof/Denkmalschutz-als-Ausrede;art25268,653450
11.10.2013
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