Die geheime Kasse

Der Beschluss für den Bau des neuen Bischofssitzes am Dom ist zwar vom Domkapitel vor der Ernennung von Franz-Peter Tebartz-van Elst gefasst, aber erst durch die Zustimmung des Bischofs rechtskräftig geworden. Die NNP sprach mit ihm auch über den Bischöflichen Stuhl. Der Bischof in seinem künftigen kombinierten Wohn- und Esszimmer. Foto: Heidersdorf Der Bischof in seinem künftigen kombinierten Wohn- und Esszimmer. Foto: Heidersdorf
Limburg. 

Ein paar Millionen Mehrkosten für den Neubau am Dom: kein Problem; das bezahlt der Bischöfliche Stuhl.

Der Bischöfliche Stuhl wiederum füllt seine Kasse unter anderem durch die Einnahmen aus einem Immobiliengeschäft, bei dem er Anteile am Gemeinnützigen Siedlungswerk im Buchwert von 6,7 Millionen Euro an das Bistum übertrug. Wofür das Geld verwendet und wie es verwaltet wird, erfährt allerdings niemand. Und auch das Vermögen dieser Kasse bleibt streng geheim.

Zwei aktuelle Themen, die für viel Aufregung und Unverständnis im Kirchenvolk und in der Öffentlichkeit gesorgt haben. Der kommissarische Leiter der Abteilung für Informations- und Öffentlichkeitsarbeit des Bistums, Martin Wind, hat sich deshalb auf der Homepage der Diözese um etwas Aufklärung bemüht. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen bleibt er allerdings schuldig.

Aus der Rechtsform des Bischöflichen Stuhls als Körperschaft des öffentlichen Rechts ergibt es sich, dass der Bischöfliche Stuhl öffentlich keine Angaben über die Finanzen machen muss, schreibt Wind. "Auch das Finanzamt sieht aufgrund dieser Rechtsform keine Veranlassung, sich dieses Vermögen anzusehen. Das tut das Finanzamt auch bei anderen Körperschaften des öffentlichen Rechts nicht".

Der Bischof hat nach eigenen Angaben keinen Überblick über Soll und Haben dieser Einrichtung. "Ich bin kein Kenner dieser Materie", sagte er am Wochenende im Gespräch mit der NNP. "Das machen alles Fachleute." Er wisse jedoch genau, dass alles sehr streng und gründlich kontrolliert werde.

"Ich kann mit dem Geld nicht tun und lassen, was ich will, sondern mir jeden Cent genehmigen lassen", betonte der Bischof. Er sei nicht im Detail darüber informiert, wie die Erträge erwirtschaftet und angelegt würden.

Fünf Kontrolleure

Die Kontrolle gewährleistet laut Tebartz-van Elst ein fünfköpfiges Gremium aus externen und unabhängigen Wirtschaftsfachleuten und Juristen. Die Zusammensetzung und Qualifikation der Ehrenamtlichen sei kirchenrechtlich genau festgelegt. Dieses Gremium überwache die Verwaltung der Finanzen, die außerhalb des Bischöflichen Ordinariats erfolge, sowie die ordnungsgemäße Verwendung der Mittel. Bischof und Generalvikar gehörten dem Gremium zwar an, hätten aber kein Stimmrecht.

Der Oberhirte macht darauf aufmerksam, dass er außerdem freiwillig die jährliche Prüfung durch eine externe und unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft angeordnet habe. "Mit dem Bischöflichen Stuhl läuft alles sauber und rechtmäßig", betonte Tebartz- van Elst. Der betriebswirtschaftlich sinnvolle mit den Werten werde akribisch unter die Lupe genommen.

Den Verwendungszweck erläutert Martin Wind: Dazu zählen unter anderem die Förderung kirchlicher Aufgaben, die Bereitstellung von Wohn- und Arbeitsräumen für den Bischof sowie die Unterhaltung der für die Ausübung des Dienstes des Bischofs von Limburg notwendigen Immobilien.

Der Bischof hat zuletzt von seinen Anwälten mehrere Behauptungen des "Spiegel" dementieren lassen, in einem Punkt bestätigte er jetzt jedoch die Angaben des Nachrichtenmagazins. Vor seinem Amtsantritt im Januar 2008 konnte es keine rechtskräftige Entscheidung für den Bau des "Diözesanen Zentrums St. Nikolaus", wie das Projekt am Dom nun heißt, geben. "Das ist im Kirchenrecht so geregelt", sagte Franz-Peter Tebartz-van Elst im Gespräch mit der NNP. Die in der Vakanzzeit gefassten Beschlüsse würden erst durch die Zustimmung des Bischofs verbindlich.

Pläne schon 2007 fertig

Für den 52-Jährigen aber auch im Nachhinein nur eine Formalie. "Das Domkapitel hat lange vor meiner Ernennung am 28. November 2007 entschieden, dass der neue Bischof am Dom wohnen und arbeiten soll. Das haben mir Vertreter des Gremiums unmittelbar nach meiner Auswahl in Münster mitgeteilt. Der Architekt hat mir bereits am 13. Dezember 2007 in Münster die Pläne präsentiert", sagte Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Für ihn habe es keinen Anlass gegeben, diese Entscheidung zu revidieren. "Ich halte sie auch heute noch für notwendig und richtig", sagte der Oberhirte.

Für seine Kollegen ist der Amts- und Wohnsitz am Dom offensichtlich so selbstverständlich, dass sie auf die massiven öffentlichen Vorwürfe gegen Tebartz-van Elst bislang nicht reagierten. Als erster nahm ihn am Wochenende der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke in Schutz. Er sieht in der Limburger Debatte ein fehlendes Verständnis für Aufgabe und Amt eines Bischofs. Ein Bischofshaus müsse Raum bieten für Gäste und Mitbrüder, die sich mit ihren Anliegen und Sorgen an den Bischof wendeten, erklärte Hanke in der Kirchenzeitung für das Bistum Eichstätt.hei

(Joachim Heidersdorf)

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Der Beschluss für den Bau des neuen Bischofssitzes am Dom ist zwar vom Domkapitel vor der Ernennung von Franz-Peter Tebartz-van Elst gefasst, aber erst durch die Zustimmung des Bischofs rechtskräftig geworden. Die NNP sprach mit ihm auch über den Bischöflichen Stuhl.
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04.09.2012
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