Die neuen Pastoralen Räume

Von Andreas Egenolf Gut neun Monate ist es her, dass Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst im Anschluss an seine mehr als einjährige Visitation im katholischen Bezirk Westerwald einen Vorschlag präsentierte, wie das kirchliche Leben in diesem Bereich zukünftig strukturiert werden kann. Nachdem im Anschluss ausreichend Zeit zur Prüfung und für Änderungsvorschläge in den Pastoralen Räumen blieb, wurde in der vergangenen Woche der endgültige Zuschnitt bekanntgegeben. Doch noch sind nicht alle Fragen geklärt.
Westerwald. 

Dass es ab 1. April diesen Jahres im einzigen Bezirk des Bistums Limburg, der vollständig in Rheinland-Pfalz liegt, acht neue Pastorale Räume geben wird, stand schon vorher fest, da diese Gesamtzahl mit Blick auf die gesamte Diözese nicht überschritten werden durfte.

Nachdem in den Pastoralen Räumen bis zum 31. Oktober ausreichend Zeit war, die Vorschläge des Bischofs zu prüfen und mögliche Änderungsvorschläge zu machen, beriet anschließend der Bezirkssynodalrat über diese Anregungen und gab seinerseits Mitte Dezember eine Empfehlung an die bischöfliche Verwaltung ab.

Im Wesentlichen deckte sich diese Stellungnahme mit denen im April unterbreiteten Vorschlägen des Bischofs. Einzig zwei Änderungen hatte das oberste katholische Beratungsgremium im Bezirk: Die Pfarrvikarie Mariä Himmelfahrt in Bad Marienberg sollte nicht dem Pastoralen Raum Rennerod, sondern dem Pastoralen Raum Hachenburg zugeordnet werden. Zudem sollte die Pfarrei St. Josef Niederahr mit ihrer Filialkirche St. Marien Oberahr nicht dem Pastoralen Raum Wirges, sondern dem neuen Pastoralen Raum Meudt/Nentershausen zugeordnet werden. In beiden Fällen folgte Franz-Peter Tebartz-van Elst nun den Änderungen des Bezirkssynodalrats.

Dass allerdings ein weiterer Punkt noch ungeklärt ist, wird aus einer Stellungnahme des Bistums nicht deutlich. So ist erst in einem dieser Zeitung vorliegenden Brief von Weihbischof Dr. Thomas Löhr, der gleichzeitig Dezernent für Pastorale Dienste im Bistum ist, die Rede davon, dass bei der sich aus den drei derzeitigen Pastoralen Räumen Nentershausen-Hundsangen, Ruppach-Goldhausen und Meudt zusammensetzenden Großpfarrei, noch fraglich ist, wo deren Sitz sein wird.

Hier folgte der Bezirkssynodalrat nämlich nicht dem ursprünglichen Vorschlag des Bischofs, Nentershausen zum Sitz der Großpfarrei zu machen, wie aus dem Schreiben an die Verantwortlichen des Bezirks Westerwald ersichtlich ist. "Für den Pastoralen Raum Meudt/Nentershausen wurde seitens des Bezirkssynodalrates keine Empfehlung gegeben. Vielmehr wird der Bischof gebeten, unter Berücksichtigung der von den örtlichen Gremien benannten Argumente eine Entscheidung zu treffen", heißt es im Wortlaut.

Der Pastorale Raum Meudt/Hundsangen solle die Zeit bis zum Beginn des Pfarreiwerdungsprozesses nutzen, um dem Bischof durch die Projektgruppe "Liegenschaften Pfarreien neuen Typs" nach Anhörung des neu zu bildenden Pastoralausschusses einen Vorschlag für die Festlegung der Pfarrkirche, den künftigen Sitz des Pfarrers, Ort des Pastoralteams sowie des Pfarrbüros zu unterbreiten. Auf dieser Grundlage wird der Bischof dann eine Entscheidung treffen, ob Nentershausen oder Meudt Sitz der Pfarrei neuen Typs wird.

Ein erstes Treffen der Pastoralausschussmitglieder, die zum Gebiet des neuen Pastoralen Raums Meudt/Nentershausen gehören, findet nach Informationen dieser Zeitung am 28. Februar statt. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Mitglieder einig werden, sonst steht die zukünftige Zusammenarbeit im neuen Pastoralen Raum, egal ob mit Sitz in Nentershausen oder Meudt, wohl unter keinem guten Stern.

"Wir haben intensiv beraten und sind froh, dass sich unsere Überlegungen nun auch im Beschluss des Bischofs und des Bistums widerspiegeln", erklärt Heinz-Walter Barthenheier. Der Bezirksdekan lobte den "vorbildlichen Beratungsprozess, der viel Spielraum zur Mitgestaltung" gegeben habe. "Der synodale Gedanke hat getragen und wir sollten gemeinsam positiv nach vorn schauen", so Barthenheier. Die Herausforderungen seien groß und deshalb dürfe es keine Zeit zum Schmollen oder zum Zorn geben. Genauso sieht es auch der Vorsitzende des Bezirkssynodalrates Wiegand Otterbach aus Höhr-Grenzhausen: "Uns allen war klar, dass sich die Struktur der Seelsorge im Bezirk verändern muss. Nun gilt es diese Veränderungen mitzutragen, mitzugestalten und die Chancen, die mit den Veränderungen verbunden sind, konstruktiv zu nutzen", so Otterbach.

Herzstück der neuen Struktur in Bezirk und Bistum sind die Pfarreien neuen Typs. Sie verstehen sich als ein Netzwerk, das sich aus den bisherigen Pfarreien sowie anderen Orten kirchlichen Lebens wie etwa Pflegeheimen, Caritaseinrichtungen oder Kindertagesstätten zusammensetzt. Ziel dieser Pfarreien neuen Typs ist es, dass kirchliches Leben vor Ort erlebbar ist und bei den Menschen bleibt. Geleitet werden sie von jeweils einem Pfarrer. Sein Dienstsitz wird an der Pfarrkirche der neuen Pfarrei sein. Dort soll es auch ein zentrales Pfarrbüro, das ausreichend erreichbar sein wird, geben. Die bisherigen Pfarrkirchen werden kirchenrechtlich zu Filialkirchen, bleiben aber Orte an denen Sakramente gespendet und Gottesdienste gefeiert werden. An den Filialkirchen sollen Kontaktbüros mit festen Sprechzeiten eingerichtet werden. Dem Pfarrer steht ein Pastoralteam mit weiteren Priestern, mit Diakonen sowie Pastoral- und Gemeindereferenten zur Seite.

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Gut neun Monate ist es her, dass Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst im Anschluss an seine mehr als einjährige Visitation im katholischen Bezirk Westerwald einen Vorschlag präsentierte, wie das kirchliche Leben in diesem Bereich zukünftig strukturiert werden kann. Nachdem im Anschluss ausreichend Zeit zur Prüfung und für Änderungsvorschläge in den Pastoralen Räumen blieb, wurde in der vergangenen Woche der endgültige Zuschnitt bekanntgegeben. Doch noch sind nicht alle Fragen geklärt.
http://www.fnp.de/rhein-main/limburgerbischof/Die-neuen-Pastoralen-Raeume;art25268,651174
02.02.2013
Limburger Bischofs-Skandal
Westerwald

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