Limburger Bischof: "Es war mehr als überfällig"

Von Barbara Schmidt Laien und Priester im Bezirk begrüßen die Entscheidung aus Rom, hoffen aber auch, dass aus dem Fall Lehren gezogen werden. Pfarrer Waldeck (rechts) Bilder > Pfarrer Waldeck (rechts)
Main-Taunus. 

„Erleichterung“ war gestern das meistgenutzte Wort, als um kurz nach 12 Uhr amtlich war: Franz-Peter Tebartz-van Elst wird nicht mehr auf den Limburger Bischofsstuhl zurückkehren. „Es war mehr als überfällig“, so Laien-Vertreterin Annette Zwaack vom Bezirkssynodalrat. In die Stellungnahmen von Kirchenvertretern aus dem Main-Taunus mischte sich aber auch so etwas wie „Verwunderung“ (Pfarrer Franz Heinrich Lomberg) oder „Verwirrung“ (Pfarrer Ludwig Reichert, beide „Hofheimer Kreis“), dass der Bischof der Pressemitteilung des Vatikan zufolge schon am 20. Oktober 2013 dem Papst seinen Rücktritt angeboten haben soll. „Ich hatte das immer gehofft, aber das ist nie kommuniziert worden“, so Reichert. „Da hätte ich ihm ja dann Unrecht getan“, so Lomberg.

 

Rückkehr zu Sachfragen

 

Der Abschlussbericht zu den Baumaßnahmen auf dem Limburger Domberg zum Download.
Der Abschlussbericht der Prüfkommission zum Download.

Reichert, Sprecher des „Hofheimer Kreises“ und Seelsorger für die Bistumsseelsorger weist, wie Hattersheims Pfarrer Lomberg, noch einmal darauf hin, dass es ja bei den Differenzen mit dem Bischof um weit mehr als um das mindestens 31 Millionen Euro teure Bischofshaus gegangen sei. Einig waren sich gestern nicht nur alle Befragten in der Erleichterung, sondern auch in der Hoffnung, dass nun, mit dem Ende der monatelangen „Hängepartie“, eine Rückkehr zu einer gewissen Normalität möglich werde.
 

Limburger Bischofs-Skandal Pfarrer Waldeck (rechts) Das sind die teuren Wünsche des Bischofs

Ein Becken für Koi-Karpfen, 32 Lautsprecher für 45.000 Euro sowie LED-Lichter in Böden, Wänden und Stufen für eine halbe Million Euro: Das ist die Liste der Sonderwünsche des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst.

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„Das wäre gut“, sagt etwa Bezirksdekan Klaus Waldeck, der es wichtig findet, „wenn es in den Sachfragen weiter geht“. Seine Visitation im Bezirk Main-Taunus habe Bischof Tebartz-van Elst nicht mehr abschließen können, als sich im Herbst die Ereignisse überschlugen, erinnert Waldeck an das „offene Ende“ der konträren Diskussion um die Zusammenlegungspläne vor allem im West- und Ostkreis.

„Viele hatten doch Angst davor, dass er zurückkehrt“, weiß Annette Zwaack. „Es war eine allgemeine Lähmung da“, hat Ernst Wicklein, Pfarrgemeinderatsvorsitzender der Hofheimer Pfarrei St. Peter und Paul, in den vergangenen Wochen als Auswirkung der Ungewissheit registriert. „Es wurde immer mehr darauf gewartet, dass es endlich passiert“, beschreibt Pfarrer Alexander Brückmann (Schwalbach/Eschborn) die von ihm wahrgenommene Anspannung in den Gemeinden und Gremien.

 

„Der Druck ist weg“

 

Für den Flörsheimer Pfarrer Sascha Jung war der Druck, nachdem er seine persönlichen Verletzungen durch den Leitungsstil des Bischofs während seiner Zeit als Domkaplan öffentlich gemacht hatte, (das Kreisblatt berichtete) noch einmal spürbar gestiegen. „Ich habe eben mal geheult, das ist wie ein Brocken, der wegfällt“, gestand der junge Seelsorger gestern Mittag schon kurz bevor die offizielle Verlautbarung erschien. „Der Druck von ganz vielen Jahren ist jetzt mal weg und wir können einfach mal nach vorne gucken.“ Die Hoffnung, dass sich „jetzt im Bistum die Entwicklungen wieder normalisieren können“, brachte auch Schwester Anne Hartmann, Schulseelsorgerin der Hofheimer Elisabethenschule, zum Ausdruck. Ihr Wunsch für die Zukunft: „Wieder ein kollegiales Miteinander, wie ich es bei Bischof Kamphaus wahrnehmen konnte.“
 

Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv 19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. 29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.

Beifall findet an der Basis die Regelung, den Paderborner Weihbischof Manfred Grothe, der schon die Prüfkommission zum Bischofshaus geleitet hatte, als Administrator einzusetzen, der in der Zeit bis zur Wahl eines neuen Bischofs die Verantwortung trägt. „Weise“, nennt Laien-Vertreterin Zwaack Grothes Einsetzung. Dass der Papst „bei seiner Entscheidung die Situation des Bistums betrachtet“ habe, begrüßt Ludwig Reichert zudem ausdrücklich. Damit bleibe sich Franziskus selber treu. Nicht nur PGR-Chef Ernst Wicklein hofft künftig auf „sehr viel mehr Transparenz in vielen Entscheidungen und auch in Sachen Finanzen“. „Man muss vor allem Mut haben, Kritik schneller zu äußern und es nicht aus Respekt vor der Kirchenhierarchie lange zurückhalten“, sieht Zwaack als wichtige Lehre. Alexander Brückmann, der auch Mitglied im Diözesansynodalrat ist, zieht als einen Schluss, dass, „wenn ein neuer Bischof gefunden ist, man von Anfang an wichtige Dinge besser miteinander abklärt und abspricht“. Ein Nachfolger müsse die klare Bereitschaft mitbringen, den synodalen Weg des Bistums, „mit dem wir über Jahre gut gefahren sind“, mitzugehen.

 

Aufarbeitung

 

Mehrfach äußerten die Vertreter an der Basis gestern den Wunsch, einen glaubwürdigen Vertreter des Evangeliums als Hirten zu erhalten, wie ihn die Katholiken in Papst Franziskus sehen. Dass all das, was unter dem nun „ehemaligen“ Bischof nicht gut gelaufen sei, aufgearbeitet werden müsse, war ebenfalls einhellige Meinung. Hier habe Generalvikar Wolfgang Rösch schon gute Vorarbeit geleistet, sagt Sascha Jung. Und Ludwig Reichert hofft, „dass es künftig dann auch wieder Freude macht, Priester zu sein.“
 

Limburger Bischofs-Skandal Pfarrer Waldeck (rechts) Reaktionen auf Papst-Entscheidung

Die Kirche, die Politik, vor allem auch soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter: Die Entscheidung des Papstes zum Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst beschäftigt viele. Einige Reaktionen:

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Limburger Bischofs-Skandal Pfarrer Waldeck (rechts) Prüfbericht: Bischof verschleierte, Gremien schliefen

Im Bistum Limburg beginnte ein neues Zeitalter. Weihbischof Manfred Grothe und Wolfgang Rösch erklärten die nächsten Schritte, die in der Diözese anstehen.

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"Es war mehr als überfällig"
Laien und Priester im Bezirk begrüßen die Entscheidung aus Rom, hoffen aber auch, dass aus dem Fall Lehren gezogen werden.
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27.03.2014
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