Skandal im Bistum Limburg: Expertenmeinung zu Lage in Limburg

Offenheit und Vertrauen: Das müssen die ersten Ziele des neuen kommissarischen Leiters im Limburger Bistum sein. So empfiehlt es jedenfalls eine Krisen-Expertin. Das Luftbild zeigt den Neubau des Bischofssitzes (weiß) des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst unmittelbar vor dem Dom von Limburg.  Foto: Thomas Frey Das Luftbild zeigt den Neubau des Bischofssitzes (weiß) des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst unmittelbar vor dem Dom von Limburg. Foto: Thomas Frey
Hofheim.  Dutzende Kirchenaustritte, frustrierte Mitarbeiter, beißende öffentliche Kritik: Der neue Limburger Generalvikar Wolfgang Rösch hat eine Mammutaufgabe vor sich. Kommunikations- und Management-Beraterin Beate Brüggemeier rät dem kommissarischen Bistumsleiter zu Transparenz sowohl nach innen als auch nach außen. Und Rösch solle sich auch rasch an die Gläubigen wenden, sagte Brüggemeier im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: Der neue Generalvikar startet in einer chaotischen Situation. Mit was fängt er am besten an?

BRÜGGEMEIER: Mit Überlegungen und Strategien, was er braucht, um gut arbeiten zu können. Er hat ja plötzlich vom Papst die Anweisung bekommen, die Bistumsleitung kommissarisch zu übernehmen. Er braucht in dieser schwierigen Zeit Vertrauen und Unterstützung von seinen Mitarbeitern.

Bilderstrecke Limburg: Protest gegen Tebartz-van Elst Aus Protest gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst haben Kritiker die Glocken des Doms am 13. Oktober 2013 (Sonntag) um 12 Uhr 13 Mal schlagen lassen. Die Aktion «Jetzt schlägt's 13» war der Auftakt einer Demonstration frustrierter Katholiken auf dem Domplatz. Fotos: dpa, Sascha Braun (6) Nach Polizeiangaben waren rund 150 bis 200 Menschen gekommen. «Ich bete für die Heilung von der Großmannssucht unseres Bischofs», sagte einer der Gläubigen. Der Pastoralreferent Joachim Schaefer von der katholischen Domkirchengemeinde Wetzlar erklärte am Sonntag, die Kritiker wollten nicht «nachtreten», sondern Ideen entwickeln, wie es mit dem Bistum Limburg weitergehen solle.

Frage: Dem Bischof haben seine Mitarbeiter autoritäres Verhalten vorgeworfen, viele haben die Zusammenarbeit aufgekündigt. Wie verhält sich Herr Rösch in dieser Situation am besten?

BRÜGGEMEIER: Es ist ganz wichtig, den Mitarbeitern und den Menschen zuzuhören, ohne ihre Aussagen zu bewerten. Was ist da an Konflikten und Meinungen vorhanden? Es geht darum, zu hören, was hinter den Vorwürfen steckt, was den Mitarbeitern wichtig ist und was bisher nicht gehört wurde. Dass ihre Bedenken gegen die hohen Baukosten auch gewürdigt werden. Er muss es schaffen, Vertrauen aufzubauen und aus dem Gegeneinander ein Miteinander zu machen. Auch Transparenz ist in dieser Situation angesagt. Zahlen, Daten, Fakten auf den Tisch zu legen und auch solange sie nicht vorliegen, aufrichtig zu sein und den momentanen Stand zu kommunizieren.

Frage: Wie kann der Generalvikar das katastrophale Bild in der Öffentlichkeit korrigieren?

BRÜGGEMEIER: Auch in diese Richtung ist Transparenz ganz wichtig, zu sagen, was er vorfindet und was im Moment vor sich geht. In Richtung der Gläubigen ist es wichtig, dass er sich äußert, vielleicht in einem Bischofsbrief. Die Menschen sollten ihre Informationen nicht nur aus der Zeitung bekommen. Wichtig wäre, dass er Menschlichkeit rüberbringt und auch Gefühle zeigt und schreibt, wie es ihm geht, dass es eine schwierige Situation ist und um was es ihm geht, Transparenz, Vertrauen und die christlichen Werte. Und dass er alles ihm Mögliche tun wird.

Management-Beraterin Beate Brüggemeier rät der Kirche im Skandal um Bischof Tebartz-van Elst zu Transparenz. Foto: Privat /rhein-main/limburgerbischof/Expertenmeinung-zu-Lage-in-Limburg;art25268,666245 Foto: Privat (dpa) Management-Beraterin Beate Brüggemeier rät der Kirche im Skandal um Bischof Tebartz-van Elst zu Transparenz. Foto: Privat

Frage: Wie schnell ist es überhaupt möglich, in einer solchen Situation das Ruder herumzureißen?

BRÜGGEMEIER: Ganz wichtig sind die ersten Gespräche, die jetzt laufen werden, wie wohlwollend die Mitarbeiter ihm begegnen - von denen ja gerade einige in der Verurteilung des Bischofs stecken. Es ist auch wichtig, dass Herr Rösch rüberbringt, dass es auch dem Bischof zusteht, sich jetzt zurückzuziehen und die Chance zu bekommen, bedauern zu können, was passiert ist. Das finde ich gerade in der Kirche wichtig. Es geht darum, interne Abläufe auf den Prüfstand zu stellen, um zu klären, wie es zu solchen Ausgaben kommen konnte. Wie lange das dauert, ist schwer zu beurteilen, das hängt auch davon ab, wie er aufgenommen wird, ob er ein arbeitsfähiges Umfeld hat.

BRÜGGEMEIER: Kann denn die Kirche von der Unternehmenswelt lernen, was den Umgang mit Krisensituationen angeht?

Antwort: Jeder Fall ist anders, auch wenn sie sich in der Öffentlichkeit gleich anhören. Ein Patentrezept gibt es nicht. An die Kirche wird aber ein höherer Anspruch gestellt, weil sie andere Werte vorgibt. Jede Krisenzeit ist auch eine Wachstumszeit. Und das ist jetzt eine Riesen-Chance zu zeigen, es gibt auch andere Wege, mit solchen Situationen umzugehen, als Strafen zu verteilen.

Limburger Bischofs-Skandal Management-Beraterin Beate Brüggemeier rät der Kirche im Skandal um Bischof Tebartz-van Elst zu Transparenz. Foto: Privat Limburger Bischof Tebartz-van Elst Limburgs Statthalter bringt Gestaltungswillen mit

Der Statthalter des umstrittenen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, Wolfgang Rösch, geht mit Elan an seine schwere Aufgabe. Ein wenig wehmütig ist er dennoch.

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Limburger Bischofs-Skandal Management-Beraterin Beate Brüggemeier rät der Kirche im Skandal um Bischof Tebartz-van Elst zu Transparenz. Foto: Privat Generalvikar übernimmt Skandal-Bistum

Der Limburger Bischof ist erst einmal kaltgestellt, nun übernimmt der neue Generalvikar Wolfgang Rösch im Bistum die Geschäfte. Ob Franz-Peter Tebartz-van Elst in seine Diözese zurückkehren wird, ist völlig offen.

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(Isabell Scheuplein, dpa)

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25.10.2013
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