„Gute-Papst-Entscheidung“

Neben Kirchenvertretern hat die NNP gestern Entscheidungsträger aus der Region zu der Entwicklung um den Bischof befragt.
Limburg.  Archivbild: dpa /rhein-main/limburgerbischof/Gute-Papst-Entscheidung;art25268,664486 Archivbild: dpa „Die Vorgehensweise des Papstes ist eine sicherlich weise Entscheidung mit aufschiebender Wirkung“, sagt Landrat Manfred Michel (CDU), der keine schnelle Entscheidung aus Rom erwartet hatte. „Die Entscheidung zeigt, dass der Heilige Vater mit Bedacht entscheidet, prüft, abwägt und sich nicht von den Medien beeinflussen lässt“, sagt Limburgs Bürgermeister Martin Richard (CDU). „Damit unterscheidet er sich auch von vielen Würdenträgern der eigenen Kirche, die vorschnell urteilen und verurteilen, wohl auch um von eigenen Fehlern abzulenken.“ Sicherlich habe der Bischof Fehler gemacht, die Art der Auseinandersetzung in den Medien habe er aber nicht verdient. „Hier galt oft das Motto, dass man gefahrlos nach denen treten kann, die am Boden liegen“, sagt Richard. „Ich bin als Bürgermeister dem Domkapitel für die Standortentscheidung und die Aufwertung des Domberges sehr dankbar und bewerte das Gebäude als studierter Architekt als eines der gelungensten aller in den letzten Jahren in Deutschland gebauten.“

Knapp reagiert der Präsident der Industrie- und Handelskammer Limburg Ulrich Heep: „Wir freuen uns über alle Ansätze, die die verfahrene Situation im Bistum lösen.“ Deutlicher wird der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Limburg-Weilburg, Stefan Lassmann. „Ich hatte gehofft, Bischof Tebartz-van Elst tritt selbst zurück oder er wird aufgefordert, zurückzutreten“, sagt er. „Jedem Arbeitnehmer, der sich so verhalten hätte wie der Bischof, wäre fristlos gekündigt worden.“ Tebartz-van Elst habe das Vertrauen der Menschen „haushoch verspielt“, denn er habe die Leute belogen. Der 31 Millionen Euro teure Bau soll seiner Meinung nach umgewidmet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. „Es wird schwer für den Bischof werden, wenn er zurückkommen sollte“, sagt Reinhard Vohl, Vorsitzender des Limburger City Rings. Auch bleibe abzuwarten, ob Tebartz-van Elst per Strafbefehl verurteilt werde. „Ich denke, für den Bischof muss eine andere Verwendung gefunden werden - nicht in Limburg“, sagt Vohl.

Helmut Thuy, Vorsitzender des Ortsausschusses im Kirchort Bad Camberg, zeigt sich von der Entscheidung aus Rom wenig begeistert. Er befürchtet, dass es im Bistum keine Ruhe geben wird, solange kein endgültiger Beschluss gefallen ist. „Bei einem Spendenaufruf läuft man ja jetzt ins Leere. Auch wenn es um die christlichen Tugenden Demut und Sparsamkeit geht.“ Die Aussagen des früheren Weihbischofs Gerhard Pieschl seien sehr klar gewesen. Thuy: „Der Graben ist zu tief. Daraus entsteht doch keine fruchtbare Zusammenarbeit mehr.“

„Die Sorge und Unruhe in der Gemeinde ist deutlich spürbar“, sagt Marc Schütz, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats in Niederbrechen. Daher hoffe er auf eine schnelle endgültige Entscheidung. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Vertrauen nach drei Monaten wieder da sein soll.“

„Der Papst hat eine weise, eigenständige Entscheidung getroffen und nicht auf das öffentliche Geschrei gehört, sondern alle Beteiligten selbst angehört“, sagt Religionslehrer Helmut Zimmermann, der an der Mittelpunktschule Goldener Grund unterrichtet. „Der Papst hat allen Beteiligten Zeit geschenkt, ihr Verhalten zu überdenken; alle sollten diese geschenkte Zeit zum Nachdenken nutzen.“ Er weist auf die christlichen Tugenden Barmherzigkeit und Vergebung auch dem Bischof gegenüber hin, sagt aber auch: „Vielleicht ist diese Entscheidung die Einleitung eines Abschieds auf Raten. Man wird sehen.“ jud/pp/dick

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24.10.2013
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