Kardinal Marx mahnt Bischof

Die Luft für den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird immer dünner. Nach dem Mainzer Kardinal Lehmann rückt auch der Münchner Kardinal Marx, der als starker Mann unter den deutschen Bischöfen gilt, von ihm ab.
Frankfurt. 

Im Konflikt um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst geht der Münchner Kardinal Reinhard Marx auf Distanz zum Limburger Oberhirten. Marx widersprach am Mittwoch in einem „Zeit“-Interview der Einschätzung, nur die Medien hätten den Bischof in Bedrängnis gebracht. Tebartz-van Elst selbst vertritt diese Theorie. Zwar habe es immer wieder Berichte gegeben, „in denen ein gewisses Interesse aufschien, der Kirche zu schaden“. Dennoch liefen „Medienkampagnen ins Leere, wenn da nichts ist“, sagte Marx. Deshalb seien Aufklärung und Offenheit wichtig.

Der Besuch von Kurienkardinal Giovanni Lajolo lasse ihn hoffen, dass man in guter Weise aufeinander zugehe, sagte Marx. Mit Blick auf die Ermittlungen gegen den Limburger Bischof wegen einer möglichen eidesstattlichen Falschaussage mahnte der Münchner Kardinal: „Im Übrigen gelten auch für Bischöfe wie für alle Gläubigen die Gebote von Transparenz und Wahrhaftigkeit.“

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hatte am Dienstag erklärt, dass ein Gesandter des Vatikan in Limburg nach dem Rechten sehen solle, sei „ein Alarmzeichen“. Es zeige, „dass man in Rom der Meinung ist, dass sich das offensichtlich nicht mehr alleine innerhalb des Bistums Limburg lösen lässt“.

 

Zu Eltz sprach mit Lajolo

 

Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz, einer der einflussreichsten Kritiker des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, ist nach Informationen dieser Zeitung gestern in Limburg zweimal zu Gesprächen mit Kardinal Lajolo zusammengekommen - einmal als Mitglied des Domkapitels, dem u. a. auch der Bischof und der Generalvikar angehören, außerdem zu einem Gespräch unter vier Augen.

Im Anschluss an ein Treffen der Plenarkonferenz des Bistums in Limburg am 19. August hatte der Frankfurter Stadtdekan kritische Äußerungen des Bischofs als Rücktrittsaufforderung verstanden. Daraufhin formierte sich unter den Frankfurter Katholiken der Protest gegen den Bischof, der sich in einem offenen Brief äußerte. Dieser wurde von mehr als 4400 Gläubigen unterschrieben und inzwischen dem Bischof übergeben.

Tebartz-van Elst nimmt anders als zunächst geplant nicht am Freitag und Samstag an der bundesweiten Dialoginitiative zur Zukunft der katholischen Kirche in Stuttgart teil. Ein Sprecher des Bistums nannte am Mittwoch die sogenannte Kreuzwoche in der Diözese sowie den Besuch von Kurienkardinal Lajolo als Gründe für das Fernbleiben. „Der Bischof wird den Dialog im Bistum führen“, so der Sprecher.

 

„Kurie reformieren“

 

In dem „Zeit“-Interview sprach sich Kardinal Marx auch für eine grundsätzliche Reform der römischen Kurie aus. „Eine Institution, die nicht mehr dient, sondern sich lediglich selber stark und fett macht, schadet am Ende allen“, sagte der katholische Erzbischof von München und Freising der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Wir brauchen mehr Transparenz, Aufsicht und Verantwortlichkeit.“

Marx ist der einzige Deutsche, der von Papst Franziskus in eine achtköpfige Kommission aus Kardinälen zur Kurienreform berufen wurde. Die Kommission trifft sich zu ihrer Auftaktsitzung mit dem Papst in der ersten Oktoberwoche in Rom und reist anschließend mit ihm nach Assisi.

„Viele Probleme haben ihren Ausgangspunkt im ungenügenden Miteinander von Papst, Kurie und Ortsbischöfen“, sagte der Kardinal. „Wir brauchen eine starke Zentrale, und deshalb - so habe ich in Rom gesagt - müssen wir das Ansehen des Heiligen Stuhles verbessern.“ Es dürfe nicht sein, dass „unsere Gläubigen mit dem Vatikan in erster Linie Negatives verbinden. Wir müssen wieder stolz sein können auf unsere römische Zentrale!“

Kritisch sieht Marx die so genannte Vatikanbank „IOR“. „Ob der Vatikan überhaupt eine solche Bank benötigt, ist umstritten“, so der Kardinal. „Mich empört jedenfalls, dass eine Einrichtung über Jahrzehnte derart den Ruf der Kirche in der Öffentlichkeit und bei den Gläubigen geschädigt hat.“

Durch Papst Franziskus sieht Marx neuen Schwung für die Kirche. Es sei eine neue Atmosphäre entstanden; neue Möglichkeiten öffneten sich. „Das ist überhaupt keine Kritik am Vorgänger. Die Wirkung von Benedikts Pontifikat wird langfristig und nachhaltig sein.“

Positiv äußerte sich Kardinal Marx zur Rolle der Laien in der katholischen Kirche. „Wichtig ist, deutlich zu machen: Wir sind nicht Herren der Gläubigen“, sagte der 59-Jährige.

Im Rückblick auf den vor zehn Jahren von ihm selbst gemaßregelten Theologen Gotthold Hasenhüttel sagte der Kardinal: „Ich stehe zu meiner Position von damals. Aber ich werde im Alter suchender. Es kann schon sein, dass ich heute einmal mehr sagen würde: Komm, lass uns noch einmal sprechen, vielleicht finden wir ja irgendwie zusammen.“ lhe/kna/wa

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Die Luft für den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird immer dünner. Nach dem Mainzer Kardinal Lehmann rückt auch der Münchner Kardinal Marx, der als starker Mann unter den deutschen Bischöfen gilt, von ihm ab.
http://www.fnp.de/rhein-main/limburgerbischof/Kardinal-Marx-mahnt-Bischof;art25268,651216
12.09.2013
Limburger Bischofs-Skandal
Frankfurt

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