Nach dem Abschied von Skandalbischof Tebartz-van Elst: Neue Bischöfe braucht das Land

Rom hat gesprochen: Bischof Tebartz-van Elst kehrt nicht nach Limburg zurück. Damit beendet der Papst einen Konflikt, der die Kirche in Deutschland schwer belastet hat. Doch zugleich verschärft er dadurch ein anderes Problem: Immer mehr Bischofsstühle sind vakant. Der Limburger Dom - der Skandal um Bischof Tebartz-van Elst wird hier nicht mehr wirken, doch wer folgt ihm nach? Foto: dpa Der Limburger Dom - der Skandal um Bischof Tebartz-van Elst wird hier nicht mehr wirken, doch wer folgt ihm nach? Foto: dpa
München. 
Der Abschlussbericht zu den Baumaßnahmen auf dem Limburger Domberg zum Download.
Der Abschlussbericht der Prüfkommission zum Download.
In der katholischen Kirche galt bisher folgende Regel: Ein neuer Bischof braucht so lange wie eine Schwangerschaft. Ungefähr neun Monate dauerte die Neubesetzung eines Bischofsstuhls. Doch seit der Wahl von Papst Franziskus gilt das nicht mehr. Denn der reformfreudige Pontifex lässt sich viel Zeit. Zu viel, sagen manche. Die Kirche in Deutschland hat ein Personalproblem.

Nach dem Aus für den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sind sechs Bischofsstühle vakant. Ein weiterer wird absehbar in Mainz frei, denn Kardinal Karl Lehmann wird im Mai 78 Jahre alt. Seit langem leidet die Kirche unter einem Nachwuchsmangel bei Priestern. Jetzt ist dieses Problem auch in den Führungsämtern angekommen. Ein großer Umbruch steht bevor.

Bei der Suche nach einem neuen Bischof für das Bistum Limburg sollten die Gemeinden nach Ansicht des Frankfurter Stadtdekans Johannes zu Eltz stark eingebunden werden. «Wir sind sehr gut beraten, wenn wir unsere Gläubigen, die sogenannten einfachen Leute, fragen, wen sie sich vorstellen, und dann auf die Menschen auch zu hören», sagte zu Eltz am Donnerstag bei hr-info. Er zählte im Skandal um Kostenexplosion und Amtsgebaren zu den stärksten Kritikern des früheren Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst.

Bilderstrecke Missbrauch und Geheimdienste: Bischofsrücktritte Der Skandal-Bischof Tebartz-van Elst kehrt nicht in sein Amt in Limburg zurück. Er reiht sich damit ein in die Reihe katholische Kirchenführer, die nach heftiger Kritik auf ihr Amt verzichteten. Die Vorwürfe reichen von sexuellem Missbrauch bis Geheimdienstkontakte. In unserer Fotostrecke stellen wir einige Beispiele vor. Alle Fotos: dpa Keith O'Brien, Edinburgh (Schottland): Er legte das Amt des Erzbischofs von St. Andrews und Edinburgh im Februar 2013 nieder. Vorausgegangen waren Vorwürfe, O'Brien habe sich jungen Priestern in «unangemessener» Weise genähert. Walter Mixa, Augsburg: Nach wochenlanger Kritik bot er Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt im April 2010 an. Frühere Heimkinder hatten ihm körperliche Misshandlung vorgeworfen, zudem soll er Stiftungsgelder zweckentfremdet haben. Der Vatikan akzeptierte das Gesuch im Mai.
Nachfolger des Bischofs müsse jemand werden, dem die Menschen vertrauten, sagte zu Eltz. «Wir brauchen jemanden, der nicht von Misstrauen zerfressen ist gegen alles und jeden in seiner Umgebung, sondern jemand, der mit dem Grundvertrauen Jesu auf die Menschen zugeht.» Die Geduld der Gläubigen sei vorbei, was die Eskapaden von Menschen in hohen kirchlichen Ämtern anbelange.

Doch Limburg ist nicht das einzige Beispiel für eine Bischofsvakanz: Im Oktober 2012 nahm Papst Benedikt XVI. im Fall Passau den altersbedingten Rücktritt von Wilhelm Schraml an. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers sollte der 77-Jährige sein Bistum aber noch als Administrator leiten. Monat für Monat verstrich, ohne dass sich etwas tat. Schraml verlor sichtlich die Geduld und zog im Sommer 2013 mit seinem privaten Wohnsitz nach Altötting. Kurz darauf wurde er von seinem Amt entpflichtet, aber statt eines neuen Bischofs wurde nur ein neuer Diözesanadministrator ernannt.

Limburger Bischofs-Skandal Der Limburger Dom - der Skandal um Bischof Tebartz-van Elst wird hier nicht mehr wirken, doch wer folgt ihm nach? Foto: dpa Franz-Peter Tebartz-van Elst Tebartz widerspricht Prüfbericht

Nach Monaten des Schweigens meldet sich der abberufene Limburger Bischof zu Wort. Er nimmt Stellung zum Prüfbericht über die Kostenexplosion an seinem Bischofssitz - und fühlt sich zumindest teilweise unschuldig. Lesen Sie seine Stellungnahme hier im Wortlaut.

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Ebenso lange - seit eineinhalb Jahren - warten die Katholiken im Bistum Erfurt auf einen neuen Oberhirten. Im mächtigen Erzbistum Köln wird ein Nachfolger für Kardinal Joachim Meisner gesucht. In Hamburg ging Erzbischof Werner Thissen in den Ruhestand.

Für Unverständnis sorgt der Fall Freiburg: Erzbischof Robert Zollitsch musste im vergangenen August gemäß Kirchenrecht zu seinem 75. Geburtstag seinen Rücktritt anbieten. Er war Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und fast niemand rechnete damit, dass der Papst das formelle Rücktrittsgesuch annahm. Doch genau das geschah: Zollitsch verlor sein Amt und wurde - bis zur Ernennung eines Nachfolgers - zum Diözesanadministrator degradiert.

Während der konservative Kardinal Meisner bis zum 80. Lebensjahr im Amt bleiben konnte, war für Zollitsch schon mit 75 Schluss. Offensichtlich hatte er sich bei mächtigen Männern in Rom unbeliebt gemacht mit seinem Reformeifer im Dialogprozess, seinem Eintreten für weibliche Diakone und für einen barmherzigen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen.

Zollitsch schien damit zwar auf der Linie von Papst Franziskus zu liegen. Doch nach wie vor gibt es mächtige Gruppen, die - wie auch der Fall Tebartz-van Elst zeigte - für ein anderes Kirchenbild stehen. Zu ihnen gehört der Präfekt der Glaubenskongregation, der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Und auch der zurückgetretene Papst Benedikt, der nach wie vor Besucher empfängt, übt indirekt weiter Einfluss aus.

Bisher musste ein Bischofskandidat, der Karriere machen wollte, vor allem das sein: streng rechtgläubig, theologisch gebildet und diszipliniert. Franziskus gibt nun ein neues Leitbild vor: Er sucht Hirten aus dem Volke, nahe am Volk, bescheidene Seelsorger. Doch davon gibt es offenbar nicht genug. Zugleich lässt der Papst Sympathien erkennen für eine alte Forderung von Reformkatholiken: dass die Gläubigen eines Bistums an der Suche nach ihrem neuen Bischof beteiligt werden.

Bisher ist das Verfahren sehr intransparent. Eine wichtige Rolle spielt der Apostolische Nuntius in Deutschland. Doch auch in dem Amt gab es einen Wechsel, der zur Verzögerung beiträgt: Seit September ist Erzbischof Nikola Eterovic neu in Berlin. Er soll die Personalprobleme nun lösen helfen. Viel Zeit bleibt ihm nicht.
 
Limburger Bischofs-Skandal Der Limburger Dom - der Skandal um Bischof Tebartz-van Elst wird hier nicht mehr wirken, doch wer folgt ihm nach? Foto: dpa Limburger Bischof Tebartz-van Elst Unnahbar und weltfremd

Der Bischof hinterlässt in Limburg eine schöne Residenz und Spuren in verschiedene Richtungen. Der Versuch einer Annäherung an den unnahbaren Menschen und Oberhirten Franz-Peter Tebartz-van Elst.

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Neue Bischöfe braucht das Land
Rom hat gesprochen: Bischof Tebartz-van Elst kehrt nicht nach Limburg zurück. Damit beendet der Papst einen Konflikt, der die Kirche in Deutschland schwer belastet hat. Doch zugleich verschärft er dadurch ein anderes Problem: Immer mehr Bischofsstühle sind vakant.
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27.03.2014
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Limburger Bischofs-Skandal
München

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