Limburger Bischofsskandal: Neuer Sammelband analysiert Folgen des Tebartz-Skandals

Welche Narben hat der Skandal um den "Protzbischof" Tebartz-van Elst im Bistum hinterlassen? Ein bald erscheinender Sammelband versucht, darauf eine Antwort zu finden. Seit Ende März herrscht in der Diözese die sogenannte Sedisvakanz, die Zeit ohne Bischof. Ein neuer Sammelband beschäftigt sich mit den Folgen.	Foto: dpa Seit Ende März herrscht in der Diözese die sogenannte Sedisvakanz, die Zeit ohne Bischof. Ein neuer Sammelband beschäftigt sich mit den Folgen. Foto: dpa
Limburg.  Am Fall des ehemaligen Limburger Bischofs Franz-Peter
Tebartz-van Elst lassen sich aktuelle Krisenphänomene der
katholischen Kirche wie unter einem Brennglas beobachten und
analysieren - so lautet die Kernthese eines neuen Sammelbands, der am kommenden Montag im Freiburger Verlag Herder erscheint. Darin zeichnen
Theologen, Soziologen und Kirchenrechtler sowie der Frankfurter
Stadtdekan Johannes zu Eltz die Stationen der Entfremdung zwischen
Bischof und Basis nach - und versuchen Lehren für die Zukunft zu
ziehen.

Keineswegs, um den auf dem Höhepunkt der bundesweiten Aufregung um
einen Erste-Klasse-Flug nach Indien, Koi-Karpfen und verschwiegene
Millionenbaukosten als Protz- und Lügenbischof charakterisierten
Tebartz-van Elst zu desavouieren oder erneut zu skandalisieren, wie
der Herausgeber und Leiter des Frankfurter Bildungshauses "Haus am
Dom", Joachim Valentin, verspricht. Vielmehr gebe es für die Kirche
keine Alternative zur schonungslosen Analyse, wenn sie den von den
Autoren beobachteten, enormen kirchlichen Vertrauensverlust durch den
Fall überwinden wolle.

Bilderstrecke Protz-Tourismus in Limburg: Sightseeing mit Tebartz Erinnern Sie Sich noch an den? Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst geriet wegen seiner Verschwendungssucht in die Schlagzeilen. Das Wort vom »Luxus-Bischof« machte die Runde. Inzwischen ist der Skandal-Bischof von seinem Amt zurückgetreten. Doch wie sich dann zeigte: Tebartz ist gut fürs Geschäft. Der Tourismus in Limburg boomt. Fotos: dpa, Sascha Braun Es gibt zwar noch keine exakten Zahlen, doch der Limburger Bürgermeister Martin Richard (CDU) geht davon aus, dass die Zahl der Tagestouristen im schönen Limburg durch den Bischofs-Skandal erheblich ansteigen wird. Was könnten Touristen bei einer Tebartz-Tour durch Limburg alles bestaunen? Zur Erinnerung: Die Renovierung der Bischofsresidenz auf dem Limburger Domberg war der Auslöser für den Skandal. Unter Tebartz-van Elst wurde der Bau in ein Luxus-Domizil vom Feinsten verwandelt. FNP.de lädt Sie mit dieser Bilderstrecke zu einer (leider nur medialen) Führung ein.

Für den Salzburger Theologen Gregor Maria Hoff bietet die Krise die
Chance, über die Ausübung und Gestaltung des Bischofsamtes
nachzudenken. Bischöfe dürften nicht länger auf unabhängige
Fachberater - etwa in Finanzfragen - verzichten und müssten bei allen
Entscheidungen den Rat "kritischer Gesprächspartner" suchen.

Für Hoff steht zudem fest, dass das System der Bischofsernennung in der
katholischen Kirchen an seine Grenzen gekommen ist: "Vielleicht ließe
sich ernstmachen mit einer aktiven Beteiligung des Volkes Gottes an
der Bestimmung der Bischöfe? Weitermachen wie bisher ist kein Weg."
Breiten Raum geben verschiedene Autoren der wiederholt geäußerten
These, Tebartz-van Elst sei vor allem Opfer einer Medienkampagne oder
gar einer "Menschenjagd" (Kardinal Müller) geworden. Detailliert
zeichnet der Eichstätter Medienwissenschaftler Christian Klenk die
Stationen der medialen Skandalisierung nach.

"Teufelskreis von Vertuschung und Falschaussagen"


Fazit: Die Berichterstattung war richtig und notwendig, um Licht ins Dunkle zu
bringen. Und die Vielzahl der medial erhobenen Vorwürfe wurde durch den Untersuchungsbericht der Bischofskonferenz bestätigt. Tebartz selbst verfing sich durch sein eigenes Handeln immer stärker im "Teufelskreis von Vertuschung und Falschaussagen". Gleichwohl habe es gravierende Fehltritte der Medien gegeben, urteilt Klenk: etwa die Spekulationen über eine psychische Erkrankung des Bischofs oder die systematische Nutzung von unvorteilhaften Fotografien. Insofern sei Tebartz sowohl Täter als auch Opfer gewesen.

FAZ-Kirchenexperte Daniel Deckers formuliert das so: Das eigene Lügengebäude habe Tebartz unter sich begraben und der Gesamtskandal das Vertrauen, die Integrität und Dignität des Bischofsamtes "unwiederbringlich" beschädigt.

Mit harschen Vorwürfen und Klartext spart auch der Frankfurter Stadtdekan zu Eltz nicht, der als einer der ersten Tebartz öffentlich kritisierte. In "Siebenmeilenstiefeln mit Stahlkappen" habe der Bischof versucht, das Bistum nach seinem eigenen Vorstellungen umzugestalten. Vielerorts habe er auf ein System von "Despotie und
Duckmäusertum" gesetzt. Das 31 Millionen teure Bischofshaus auf dem
Domberg sei schließlich Tebartz' "Spukhaus und Spiegelkabinett"
geworden. Ebenso klare Worte zur eigenen Rolle, zur Mitverantwortung
und Fehlern des Domkapitels, dem zu Eltz angehört, findet er indes
nicht. Erstaunlich auch, dass der Band nicht eine Frau zu Wort kommen
lässt.

Nach der jüngsten Ankündigung, dass Tebartz-van Elst im September
sein Limburger Bischofshaus verlassen und nach Regensburg umziehen
wird, ist die öffentliche Debatte langsam verblasst. Intern ist die
Aufarbeitung längst nicht abgeschlossen, wie der Band beweist. Am
Freitag will die katholische Kirche die Kirchenaustrittszahlen für
2013 bekanntgeben.

(kna)

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Limburger Bischofsskandal
Neuer Sammelband analysiert Folgen des Tebartz-Skandals
Welche Narben hat der Skandal um den "Protzbischof" Tebartz-van Elst im Bistum hinterlassen? Ein bald erscheinender Sammelband versucht, darauf eine Antwort zu finden.
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16.07.2014
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Limburger Bischofs-Skandal
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