Limburger Skandalbischof: Prüfbericht: Bischof verschleierte, Gremien schliefen

Im Bistum Limburg beginnte ein neues Zeitalter. Weihbischof Manfred Grothe und Wolfgang Rösch erklärten die nächsten Schritte, die in der Diözese anstehen. Weihbischof Manfred Grothe (links) ernannte Wolfgang Rösch auf der Pressekonferenz des Bistums Limburg zu seinem Ständigen Vertreter in Limburg. Foto: Sascha Braun Bilder > Weihbischof Manfred Grothe (links) ernannte Wolfgang Rösch auf der Pressekonferenz des Bistums Limburg zu seinem Ständigen Vertreter in Limburg. Foto: Sascha Braun
Limburg. 

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst hat beim Bauprojekt auf dem Limburger Domberg systematisch zu niedrige Kosten angegeben, Kontrollen verhindert und kirchliche Vorschriften umgangen. Das geht aus dem am Mittwoch in Bonn und Limburg veröffentlichten Abschlussbericht der Prüfungskommission für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz hervor. «Dem geltenden Recht wurde in zahlreichen Fällen nicht Rechnung getragen», heißt es in einer zusammenfassenden Bewertung des Berichts durch das Sekretariat der Bischofskonferenz.

Durch hohe Qualitätsanforderungen des Bischofs und seinen Wunsch nach schnellen Baufortschritten seien die Kosten zusätzlich in die Höhe getrieben worden, so die Prüfkommission. «Die Notwendigkeit einer Begrenzung der Mittel sieht der Bischof nicht, weil aus seiner Sicht im Bischöflichen Stuhl ausreichend Mittel vorhanden sind», heißt es in dem 108-seitigen Bericht, den die Kommission seit Oktober erarbeitet hat.
 

 
Der Abschlussbericht zum Limburger Domberg zum Download.
Der Abschlussbericht zu den Baumaßnahmen auf dem Limburger Domberg zum Download.
Auch dem Domkapitel und dem Diözesanvermögensverwaltungsrat werden schwere Versäumnisse und Fehler vorgehalten. So seien niemals exakte Vorgaben für das Raum- und Funktionsprogramm und den Flächenbedarf der Gebäude auf dem Domberg gemacht worden; eine Steuerung des Bauprojekts sei unterblieben. Schon vor der Amtszeit von Tebartz-van Elst habe das Domkapitel mit unrealistisch niedrigen Kostenangaben geplant und bewusst zu entsprechende Zahlen kommuniziert. «Dies war für den Bischof eine schwere Hypothek.»
Tebartz-van Elst habe ab 2011 die Kontrollgremien des Bistums durch eine Satzungsänderung gezielt außer Kraft gesetzt, so dass am Schluss nur wenige Personen mit dem Bischof über das Bauprojekt entschieden hätten. «Neben dem Bischof gab es letztlich nur drei verantwortlich handelnde Personen, die wiederum zu strikter Verschwiegenheit verpflichtet waren», heißt es. Sie hätten teilweise aus Loyalität zum Bischof und seiner hierarchischen Stellung nicht gegengesteuert. «Widerspruch oder Widerstand gegen den Bischof hätten gerade den Diözesanbaumeister und den Geschäftsführer in Gewissensnöte geführt.» Die vom Bischof geforderte absolute Verschwiegenheit habe zur Folge gehabt, dass Absprachen und Kontrollen unterblieben seien.

 

Bewusst falsche Zahlen genannt


Der Bericht stellt fest, dass die Beteiligten zu jedem Zeitpunkt wussten, dass in der Öffentlichkeit seit Beginn der Baumaßnahme nicht die zu erwartenden Zahlen präsentiert wurden. Dem von Papst entsandten Kardinal Giovanni Lajolo habe Tebartz-van Elst Anfang September noch falsche Zahlen genannt. Spätestens am 11. September 2013 sei dem Bischof bekannt gewesen sei, dass das Projekt rund 31,5 Millionen Euro kosten würde.
 

Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv 19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. 29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.



Bei der Ausgestaltung des Bauprojekts habe sich der Bischof nicht um Einzelheiten der Finanzierung gekümmert und sei Kostenfragen auch bewusst ausgewichen. «Der Generalvikar nimmt nach wenigen Sitzungen nicht mehr an den Baubesprechungen teil, da ihm das Projekt nach eigenen Worten zu groß und zu teuer wird», heißt es.
 

Zur Original-Erklärung aus dem Vatikan
Die Original-Erklärung des Vatikans: Download.
Darüber hinaus stellt die Kommission eine Reihe von Mängeln oder Verstößen gegen das Vermögensrecht fest: Zunächst habe das gar nicht zuständige Domkapitel die Initiative für die Baumaßnahme ergriffen. Später habe es der Bischof versäumt, dem Domkapitel und dem Diözesanvermögensverwaltungsrat Rechtsgeschäfte zumindest zur Anhörung vorzulegen. Dazu gehörten auch die Veräußerung von Geschäftsanteilen des Bischöflichen Stuhls am «Gemeinnützigen Siedlungswerk», eine Grundstücksschenkung und die Aufhebung des «St. Georgswerk für Wiederaufbau und Wohnungsbau». Zugleich wird festgestellt, dass der Rat seinen Pflichten nicht in ausreichendem Maß nachkam.


Generalvikar Rösch wird Vertreter von Grothe


Der Limburger Generalvikar Wolfgang Rösch soll der ständige Vertreter des neuen Leiters des Bistums, Weihbischof Manfred Grothe, werden. Mit dem Ausscheiden von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ende auch die Amtszeit Röschs als Generalvikar, teilte das Bistum am Mittwoch mit. Dieser hatte das Bistum seit der vom Papst verordneten Auszeit für den Bischof im Oktober kommissarisch geleitet. «Das Bistum geht in vielen Bereichen durchaus gereift und gestärkt aus dieser schwierigen Zeit hervor», erklärte Rösch. Auch die Amtszeit von Bischofsvikar Franz Kaspar ende, teilte das Bistum weiter mit. Kritiker sprechen dem früheren Generalvikar Kaspar eine Mitverantwortung an den ausufernden Baukosten für den neuen Bischofssitz zu. Öffentlich geäußert hat sich Kaspar dazu nicht. 

 


 

Limburger Bischofs-Skandal Weihbischof Manfred Grothe (links) ernannte Wolfgang Rösch auf der Pressekonferenz des Bistums Limburg zu seinem Ständigen Vertreter in Limburg. Foto: Sascha Braun Keine Rückkehr für Skandalbischof Entschieden: Tebartz ist Geschichte

Der Papst hat seine Entscheidung getroffen: Der Skandalbischof Tebartz-van Elst wird nicht nach Limburg zurückkehren. Der Fall "Tebartz" ist damit Geschichte.

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Limburger Bischofs-Skandal Weihbischof Manfred Grothe (links) ernannte Wolfgang Rösch auf der Pressekonferenz des Bistums Limburg zu seinem Ständigen Vertreter in Limburg. Foto: Sascha Braun Grothe will Geschehnisse in Limburg aufarbeiten

Der neue Leiter des Limburger Bistums, der Paderborner Weihbischof Manfred Grothe, will mit Offenheit seine Aufgabe angehen. «Jetzt gilt es im Geist der Offenheit, in Aufrichtigkeit und Barmherzigkeit

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Limburger Bischofs-Skandal Weihbischof Manfred Grothe (links) ernannte Wolfgang Rösch auf der Pressekonferenz des Bistums Limburg zu seinem Ständigen Vertreter in Limburg. Foto: Sascha Braun Ein Aufatmen geht durchs Bistum

Der Papst hat den Rücktritt von Franz-Peter Tebartz-van Elst angenommen, der Skandalbischof von Limburg ist damit Geschichte. Die Reaktionen: Erleichterung. Dankbarkeit. Und Hoffen auf einen Neuanfang.

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Limburger Bischofs-Skandal Weihbischof Manfred Grothe (links) ernannte Wolfgang Rösch auf der Pressekonferenz des Bistums Limburg zu seinem Ständigen Vertreter in Limburg. Foto: Sascha Braun Der Skandalbischof: Chronologie der Entwicklung

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird nicht nach Limburg zurückkehren. Ein Rückblick auf die Entwicklung um den Limburger Bischof, bei dessen Amtsführung die Ereignisse ab 2012 eskalieren.

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Bilderstrecke Missbrauch und Geheimdienste: Bischofsrücktritte Der Skandal-Bischof Tebartz-van Elst kehrt nicht in sein Amt in Limburg zurück. Er reiht sich damit ein in die Reihe katholische Kirchenführer, die nach heftiger Kritik auf ihr Amt verzichteten. Die Vorwürfe reichen von sexuellem Missbrauch bis Geheimdienstkontakte. In unserer Fotostrecke stellen wir einige Beispiele vor. Alle Fotos: dpa Keith O'Brien, Edinburgh (Schottland): Er legte das Amt des Erzbischofs von St. Andrews und Edinburgh im Februar 2013 nieder. Vorausgegangen waren Vorwürfe, O'Brien habe sich jungen Priestern in «unangemessener» Weise genähert. Walter Mixa, Augsburg: Nach wochenlanger Kritik bot er Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt im April 2010 an. Frühere Heimkinder hatten ihm körperliche Misshandlung vorgeworfen, zudem soll er Stiftungsgelder zweckentfremdet haben. Der Vatikan akzeptierte das Gesuch im Mai.

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26.03.2014
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