Skandal-Bischof Tebartz-van Elst: Schloss als Bischofssitz

Von Johannes Laubach Das Bistum sucht nicht nur einen neuen Bischof, das Domkapitel muss sich nun wieder der schwierigen Aufgabe stellen, eine neue Wohnung für den neuen Hirten zu finden. Das Diözesane Zentrum, dessen explodierende und verschleierte Baukosten mit dazu geführt haben, dass das Bistum nun einen neuen Bischof braucht, ist einem neuen Mann an der Spitze offenbar nicht zuzumuten. Der Dom erhebt sich über dem Limburger Schloss, das möglicherweise in seinem rechten Flügel künftig den Bischof beherbergen wird.	Foto: Braun Der Dom erhebt sich über dem Limburger Schloss, das möglicherweise in seinem rechten Flügel künftig den Bischof beherbergen wird. Foto: Braun
Limburg. 

Der neue Bischof in einem Schloss? Das ist auch unter Papst Franziskus durchaus denkbar, denn es ist die günstigste Möglichkeit, dem künftigen Bischof von Limburg eine ihm entsprechende Wohnmöglichkeit zu bieten. Als Dienstsitz soll weiter das neue erbaut Diözesane Zentrum dienen. Dort soll es auch die Möglichkeit für den Bischof geben, Gäste zu empfangen.

Bereits in der Pressekonferenz über die Entscheidung des Heiligen Stuhls, das Rücktrittsgesuch von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst anzunehmen, hatte Wolfgang Rösch als bisheriger Generalvikar davon gesprochen, den Komplex der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Als Wohnsitz für eine einzelne Person scheide das Areal, in das über 31 Millionen Euro investiert wurden, aus.

Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv 19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. 29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.

Nach Informationen der NNP rückt bei der Auswahl der künftigen Wohnung des Bischofs das Limburger Schloss verstärkt in den Blick. Zum einen liegt es ebenfalls auf dem Domberg und damit in unmittelbarer Nähe des Doms. Und der Weg runter in die Stadt und zur Verwaltung des Bistum ist ebenfalls überaus kurz.

 

Kapelle ist vorhanden

 

Ganz entscheidend für einen Wohnsitz des künftigen Bischofs in dem historischen Gebäude sprechen vor allem folgende Überlegungen: Das Bistum war mit der Dommusik ohnehin als größter Nutzer des Schlosses vorgesehen. Die notwendigen Arbeiten zur Herrichtung der Räume sind noch nicht ausgeführt, grundlegende Arbeiten wie die Installation einer neuen Heizung oder auch eine komplett neue Dacheindeckung dagegen sind schon vollzogen.

Limburger Bischofs-Skandal Der Dom erhebt sich über dem Limburger Schloss, das möglicherweise in seinem rechten Flügel künftig den Bischof beherbergen wird.	Foto: Braun Info: Pläne aus dem Jahr 1887 für das Bischofspalais

Ein Bischofssitz im Schloss? Die Idee ist nicht neu und gab es schon einmal. Die Pläne für einen Umbau des Schlosses zu einem Bischofspalais datieren auf das Jahr 1887.

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Und nicht zuletzt verfügt das Gebäude über einen Bereich, der in der Vergangenheit als Kapelle genutzt wurde. Dabei handelt es sich mit um den ältesten Teil des Gebäudes. Bisher spielte die Wiederherrichtung eines sakralen Raumes in den Überlegungen der Sanierung und künftigen Nutzung keine Rolle, aber es wäre mit einem relativ kleinen Aufwand verbunden, den bischöflichen Wohnsitz auch mit einer kleinen Kapelle auszustatten – und dies ohne große Diskussionen.

Die notwendigen Umbauten würden unter der Regie der Stadt laufen, die nach wie vor Eigentümerin des Schlosses bleiben würde. Damit, so heißt es aus dem Domkapitel, wäre auch eine größtmögliche Transparenz der Kosten und der Ausstattung geleistet, denn die Pläne müssten durch die Stadtverordnetenversammlung und deren Ausschüsse beraten werden. Zudem wären die Denkmalpflege der Stadt und des Landes gleich mit im Boot.

 

Vorteile für die Stadt

 

Das Bistum will die benötigten Räume anmieten. Damit wäre es auch für den Fall gut aufgestellt, sollte es in Zukunft zu einer Reform der katholischen Kirche in Deutschland kommen und die Zahl der Bistümer reduziert werden. Limburg als relativ kleine Einheit mit noch recht junger Geschichte gehört dabei zu den Bistümern, die als erste Kandidaten für eine Zusammenlegung mit Verlust des Bischofssitzes genannt werden.

Limburger Bischofs-Skandal Der Dom erhebt sich über dem Limburger Schloss, das möglicherweise in seinem rechten Flügel künftig den Bischof beherbergen wird.	Foto: Braun Limburgs Skandal-Bischof Tebartz-van Elst Mitarbeiter bestellte Dienstwagen für Tebartz-van Elst

Das Rätsel um den neuen Dienstwagen für den inzwischen emeritierten Bischof ist gelöst: Ein enger Mitarbeiter von Franz-Peter Tebartz-van Elst hat die Luxuslimousine im Januar bei BMW bestellt – im Auftrag des Bischofs!

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Für die Stadt als Schlossherr brächte diese Entwicklung nur Vorteile. Aus finanziellen Gründen sollten in diesem Jahr keine weiteren Arbeiten an dem Komplex mehr vorgenommen werden. Die Stadt war zuvor mit ihrem Ansinnen gescheitert, das Bistum beziehungsweise das Domkapitel davon zu überzeugen, einen Teil der notwendigen Investitionskosten für die Sanierung zu übernehmen, wie Bürgermeister Martin Richard (CDU) vor der Verabschiedung des Haushalts einräumen musste. Diese Investitionskosten wollte die Stadt anschließend über eine geringere Miete dem Bistum erstatten.

Unter den nun geänderten Vorzeichen ist jedoch eine Übernahme der Investitionskosten durch das Bistum und/oder das Domkapitel durchaus vorstellbar. Auch soll daran festgehalten werden, den Raumbedarf der Dommusik ebenfalls im Schloss zu erfüllen. Die Pläne sind zwar erst in einem Anfangsstadium, doch es könnte sich so darstellen, dass dem Bischof der Renaissancebau, der sogenannte Wohnturm sowie der Bereich der Kapelle vorbehalten bleiben. Diesen Flügel müsste die Dommusik aufgeben, würde dafür aber den Saalbau komplett nutzen können – das ist der Bereich, der dem Schlossbrand 1929 zum Opfer fiel und 1934 wieder aufgebaut wurde.

Das Limburger Stadtarchiv müsste damit allerdings seinen Standort verlassen, könnte aber durchaus noch im Schloss bleiben. Über die künftige Nutzung der zum Areal gehörenden Scheune war bisher noch keine Entscheidung gefallen. Das hängt vor allem mit den für die Sanierung verbundenen Kosten zusammen, die die Stadt alleine zu tragen hat. Doch wenn der Rest des Schlosses nun saniert werden kann, ohne dass die Stadt dafür zahlen muss, kann sie ihre finanziellen Mittel für die Herrichtung der Scheune verwenden.

Bilderstrecke Missbrauch und Geheimdienste: Bischofsrücktritte Der Skandal-Bischof Tebartz-van Elst kehrt nicht in sein Amt in Limburg zurück. Er reiht sich damit ein in die Reihe katholische Kirchenführer, die nach heftiger Kritik auf ihr Amt verzichteten. Die Vorwürfe reichen von sexuellem Missbrauch bis Geheimdienstkontakte. In unserer Fotostrecke stellen wir einige Beispiele vor. Alle Fotos: dpa Keith O'Brien, Edinburgh (Schottland): Er legte das Amt des Erzbischofs von St. Andrews und Edinburgh im Februar 2013 nieder. Vorausgegangen waren Vorwürfe, O'Brien habe sich jungen Priestern in «unangemessener» Weise genähert. Walter Mixa, Augsburg: Nach wochenlanger Kritik bot er Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt im April 2010 an. Frühere Heimkinder hatten ihm körperliche Misshandlung vorgeworfen, zudem soll er Stiftungsgelder zweckentfremdet haben. Der Vatikan akzeptierte das Gesuch im Mai.

Mehr zum Thema » Tebartz-van Elst - Der Limburger Skandalbischof

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01.04.2014
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