Skandalbischof Tebartz-van Elst soll ins Ausland

Von Joachim Heidersdorf Für den abberufenen Limburger Bischof Tebartz-van Elst wird es keine berufliche Zukunft in Deutschland geben. Er soll ins Ausland abgeschoben werden. Franz-Peter Tebartz-van Elst. Foto: dpa Franz-Peter Tebartz-van Elst. Foto: dpa
Limburg. 

Franz-Peter Tebartz-van Elst war als Bauherr darauf bedacht, seinen Amts- und Wohnsitz auf dem Domberg hermetisch abzuschirmen. Aber so hatte er sich das sicher nicht vorgestellt: Seit Wochen sitzt er wie ein Gefangener in seiner Luxus-Residenz; geht noch nicht einmal zum Brötchen-holen vor die Tür. Dass der emeritierte Bischof keine Miete, sondern nur die Nebenkosten zahlen und den geldwerten Vorteil versteuern muss, wird ihn kaum trösten, bringt aber das Kirchenvolk zunehmend in Aufruhr.

Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv 19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. 29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.

Schnelle Lösung erhofft

 

Wann wird oder muss der im März vom Papst von seinem Amt entbundene 54-Jährige ausziehen? „Ich weiß es nicht“, sagte Wolfgang Rösch gestern in einem Interview mit dieser Zeitung. Er leitet seit Oktober die Verwaltung des Bistums. Der Ständige Vertreter des Apostolischen Administrators Manfred Grothe hofft auf eine schnelle Lösung. „Jeder Tag länger in Limburg macht es schwerer – für den Bischof em. und für das Bistum“, sagte Rösch. „Wir können und wir werden ihn aber nicht vor die Tür setzen.“ Laut Rösch sucht die Bischofskongregation in Rom intensiv nach einer Aufgabe für Tebartz-van Elst. „Die neue Aufgabe wird wohl nicht im deutschsprachigen Raum sein“, sagte Rösch. Hier könne es keinen unbefangenen Neubeginn geben. „Die Weltkirche steht ihm offen.“ Tebartz, der als Theologe zweifellos große Fähigkeiten habe, dürfe im Ausland mit Wertschätzung rechnen.

Limburger Bischofs-Skandal Franz-Peter Tebartz-van Elst. Foto: dpa Bistum Limburg nach Skandalbischof Tebartz-van Elst Wolfgang Rösch: "Wir sind im Heilungsprozess"

Exklusiv-Interview: Erstmals spricht Wolfgang Rösch, Ständige Vertreter des Apostolischen Administrators, über die Zukunft von Tebartz-van Elst und des Bistums.

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Die Suche nach einem Nachfolger wird nach Angaben des Ständigen Vertreters noch dauern. „So weit sind wir noch nicht“, erläuterte er. „Wir müssen erst einmal eine Atmosphäre schaffen, in der ein Wahlverfahren eingeleitet werden kann. Rom wird einen Anstoß geben“, so Rösch. Ein Zeitrahmen ist bislang nicht bekannt. „Manfred Grothe hat vor Kurzem seinen 75. Geburtstag mit uns gefeiert. Er geht davon aus, dass er noch ein oder zwei weitere Geburtstage in dieser Funktion mit uns erleben wird“, sagte Rösch. Bis zum Amtsantritt des neuen Oberhirten werde es keine umfassende Entscheidung für die künftige Nutzung des 31 Millionen Euro teuren Diözesanen Zentrums geben. „Der neue Bischof wird auch die Freiheit haben, seinen Wohnsitz festzulegen“, sagte Rösch. Es werde von Seiten des Bistums weder den Wunsch geben, dass er in die Wohnung im Diözesanen Zentrum einziehe, noch die Aufforderung, aus moralischen Gründen darauf zu verzichten.

Eine symbolträchtige Entscheidung für den Standort hat das Bistum allerdings schon getroffen: Das bislang stets verschlossene Eingangstor wird von morgen an tagsüber offen sein; erstmals beim Tag der Silberjubiläumspaare am Samstag. Die Räume der weltweit bekanntgewordenen Residenz gegenüber des Doms würden künftig für Tagungen der Kirche genutzt, kündigte Rösch an. Für bestimmte Anlässe werde auch die Bischofskapelle geöffnet, im Juli beispielsweise für eine Exkursion von jungen Theologen.

Der Ständige Vertreter wirbt im Interview um Geduld beim Neuanfang in der Diözese und versichert, den Skandal um das umstrittene Projekt umfassend aufzuarbeiten. „Mit Anstand und Konsequenz“, beteuert Rösch. „Wir sehen, dass es verschiedene Fragen auch rechtlicher Art gibt. Diese werden wir sorgfältig und klug prüfen.“

Rösch weist auf „viele erfolgreiche Schritte“ hin, um das Bistum in eine gute Zukunft zu führen. Dazu zählt er neben der intensiveren und offeneren Kommunikation auch wichtige organisatorische Veränderungen. Die vom Bischof dem Ordinariat entzogenen Verwaltungsabläufe und Kontrollmechanismen würden wieder ins Boot zurückgeholt, der Bischöfliche Stuhl werde ein neues Statut erhalten. Die weitere Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Vermögensverwaltungsrats soll geprüft werden.

 

Fahrer muss weg

 

Seinen Platz räumen muss dagegen der engste Vertraute von Franz-Peter Tebartz-van Elst. Dessen Fahrer und Zeremoniar hilft dem alten Chef noch bis Ende Mai dabei, den Umzug vorzubereiten. „Wir suchen einvernehmlich mit ihm eine neue Tätigkeit“, sagte Rösch. „Diese wird nicht im Bischöflichen Ordinariat und wahrscheinlich auch nicht im Bistum sein.“

 

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Skandalbischof Tebartz-van Elst soll ins Ausland
Für den abberufenen Limburger Bischof Tebartz-van Elst wird es keine berufliche Zukunft in Deutschland geben. Er soll ins Ausland abgeschoben werden.
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23.05.2014
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