Tebartz-van Elst reist nach Rom: Skandalbischof zu Besuch beim Papst

Vom Bistum Limburg muss er sich endgültig verabschieden, das hat Papst Franziskus bereits entschieden. Doch was wird nun aus Tebartz-van Elst? Auch das könnte heute Vormittag ein Thema beim Treffen der beiden gewesen sein - stattgefunden hat die Audienz im Geheimen. Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst trifft den Papst. Foto: Fedrik von Erichsen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst trifft den Papst. Foto: Fedrik von Erichsen
Limburg. 
Die Stellungnahme von Tebartz-van Elst zum Prüfbericht.
Die Stellungnahme von Tebartz-van Elst zum Download.
Was heute hinter verschlossenen Türen besprochen wird, dürfte höchstinteressant bleiben - aber leider auch hinter diesen Türen bleiben. Heute Vormittag hat Papst Franziskus den abgesetzten Skandalbischof Tebartz-van Elst empfangen. Was die beiden in Rom besprechen, wird vermutlich geheim bleiben.

Es sei ein "privater Besuch", sagt der Vatikan. Lediglich eine Viertelstunde dauerte er an, gesprochen wurde in der Privatbibliothek des Apostolischen Palasts. Ob dabei auch diskutiert wurde, welche Rolle Tebartz-van Elst zukünftig einnehmen wird, ist fraglich.

Experten halten es für wahrscheinlich, dass er an eine Hochschule berufen werden könnte. Eine bedeutende Rolle in der Kirche, auch in anderen Bistümern, gilt hingegen als ausgeschlossen. Zu groß war nicht nur der finanzielle Schaden, den Tebratz-van Elst im Bistum Limburg hinterlassen hat, sondern vor allem auch der Vertrauensverlust - in seine Person, aber auch in die katholische Kirche. Seit Bekanntwerden der Skandale um den Limburger Bischof sind zahlreiche Mitglieder aus ihr ausgetreten.

Nach seiner Ablösung in Limburg hat Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst währenddessen den Vorwürfen gegen ihn widersprochen. Das schlechte Zeugnis, das ihm der Prüfbericht der Bischofskommission ausgestellt hatte, empfindet der Bischof offenbar als ungerecht und schiebt die Schuld auf andere ab - so beispielsweise auf den Generalvikar.

Teile des Berichts zu den ausgeuferten Baukosten für den Bischofssitz seien nicht wahr, heißt es in einer Stellungnahme Tebartz-van Elsts zum kircheninternen Prüfbericht. Auf vier Seiten macht der 54-Jährige vor allem seinen früheren Generalvikar Franz Kaspar für einen wesentlichen Teil der Kostenexplosion verantwortlich.

Der Kirchenmann erklärte, er habe zum Amtsantritt in Limburg „eine in vielfacher Hinsicht ungeordnete, wenig sachorientierte und primär personenbezogene Verwaltungssituation“ vorgefunden. Dies kommt einer indirekten Kritik an seinem Vorgänger im Amt, Franz Kamphaus, gleich.

Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv 19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. 29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien. Diese Ausgangslage habe ihn veranlasst, Kaspar unter anderem aufgrund seiner Verwaltungserfahrung in das Amt des Generalvikars zu berufen. Bei der Auswahl habe er sich nicht zuletzt auf den ausdrücklichen Rat seines Vorgängers, Bischof Kamphaus, gestützt. Er selbst sei als Bischof weder ein Finanz- noch ein Baufachmann, führt der Bischof weiter aus, der sich auch in der Folge im besten Licht darzustellen versucht.

Ihm sei wegen „misslicher Erfahrungen mit anderen Bauprojekten im Bistum“ daran gelegen gewesen, „von Anfang an Qualität und Nachhaltigkeit im Gesamtprojekt zu beachten“. Allerdings habe nur der Generalvikar einen umfassenden Einblick in die Vermögensstruktur des Bischöflichen Stuhls gehabt. Kaspar habe darauf gedrängt, dass ihm die Bauabteilung und Kunstpflege direkt zugeordnet und aus der Einbindung in das Finanzdezernat gelöst werde.

Limburger Bischofs-Skandal Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst trifft den Papst. Foto: Fedrik von Erichsen Begegnungszentrum im Bischofssitz?

Wer wird neuer Bischof in Limburg? Welche Aufgabe wird der Papst Tebartz-van Elst übertragen, welche Folgen wird sein Fehlverhalten für ihn haben? Was wird aus der Limburger Residenz?

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Der Generalvikar habe zudem den Wechsel vom zweiten zum dritten Architekten-Entwurf wesentlich betrieben.

Kaspar wiederum hatte der Kommission berichtet, den Bischof regelmäßig über die finanzielle Situation informiert zu haben. Tebartz habe die Herkunft der Mittel für seine Projekte aber nicht interessiert. Der Ex-Verwalter hat nach eigenen Angaben versucht, „den Bischof in seinen Wünschen zu mäßigen und ihn dazu zu bewegen, die Kosten zu reduzieren. „Mit der Zeit habe ich resigniert“, sagte der 75-Jährige.

Keine Detailzuständigkeit

Tebartz wehrt sich auch ausdrücklich gegen den Vorwurf der Prüfungskommission, er sei gegenüber dem Vatikan nicht aufrichtig gewesen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob er dem päpstlichen Gesandten Kardinal Giovanni Lajolo die wahre Summe der Baukosten verschwieg, als sich dieser im Herbst 2013 ein Bild von der Lage in Limburg gemacht hatte.

Bilderstrecke Missbrauch und Geheimdienste: Bischofsrücktritte Der Skandal-Bischof Tebartz-van Elst kehrt nicht in sein Amt in Limburg zurück. Er reiht sich damit ein in die Reihe katholische Kirchenführer, die nach heftiger Kritik auf ihr Amt verzichteten. Die Vorwürfe reichen von sexuellem Missbrauch bis Geheimdienstkontakte. In unserer Fotostrecke stellen wir einige Beispiele vor. Alle Fotos: dpa Keith O'Brien, Edinburgh (Schottland): Er legte das Amt des Erzbischofs von St. Andrews und Edinburgh im Februar 2013 nieder. Vorausgegangen waren Vorwürfe, O'Brien habe sich jungen Priestern in «unangemessener» Weise genähert. Walter Mixa, Augsburg: Nach wochenlanger Kritik bot er Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt im April 2010 an. Frühere Heimkinder hatten ihm körperliche Misshandlung vorgeworfen, zudem soll er Stiftungsgelder zweckentfremdet haben. Der Vatikan akzeptierte das Gesuch im Mai.

In dem 108-seitigen Prüfbericht heißt es, Lajolo „wurden Anfang September durch den Bischof nicht die tatsächlichen Zahlen genannt“. Laut Protokoll hatte der Bischof allerdings bereits von den auf gut 31 Millionen explodierten Baukosten erfahren, während Lajolo noch in Limburg weilte. Dazu Tebartz: Er habe bereits im Oktober 2013 wahrheitsgemäß mitgeteilt, dass ihm beim Gespräch mit Lajolo die differenzierte Gesamtsummenrechnung noch nicht vorgelegen habe.

Wie sehr sich Tebartz von Verfehlungen freisprechen will, zeigt auch ein Absatz seiner Erklärung. Darin heißt es unter anderem: Die behauptete Letztverantwortung des Bischofs verstehe er nicht als „Ausdruck einer verwaltungsmäßigen All- und Detailzuständigkeit“.

Juristische Untersuchung

Fast sechs Monate haben sich die Mitglieder der von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzten Kommission mit dem Skandal um den Limburger Bischofssitz beschäftigt, jetzt untersucht die Staatsanwaltschaft den Fall. Der Sprecher der Limburger Strafverfolger kündigt eine schnelle Entscheidung an. „Wir werden sicher in den nächsten Tagen zu einem Ergebnis kommen“, sagte Hans-Joachim Herrchen auf Anfrage dieser Zeitung.

Limburger Bischofs-Skandal Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst trifft den Papst. Foto: Fedrik von Erichsen Frankfurts Stadtdekan über die schwierige Lage im Bistum Limburg „Kandidaten werden nicht Schlange stehen“

Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz gilt als einer der größten Kritiker des geschassten Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst. Unsere Redakteurin Julia Lorenz sprach mit ihm über den Rücktritt des Oberhirten, die Zukunft des Bistums und seine Wünsche an einen Nachfolger.

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Dabei geht es um die entscheidende Frage, ob der emeritierte Bischof nicht „nur“ in mehreren Fällen gegen das Kirchenrecht verstoßen hat, sondern auch gegen staatliches Recht. „Das ist eine sehr komplizierte Materie“, sagte Herrchen. Juristischer „Knackpunkt“ für eine mögliche Untreue sind die Vorgänge um die Auflösung des „St. Georgswerks“.

 

Der Abschlussbericht zu den Baumaßnahmen auf dem Limburger Domberg zum Download.
Der Abschlussbericht der Prüfkommission zum Download.
Tebartz hatte im September 2011 eigenmächtig die Auflösung des 1948 gegründeten Diözesanwerks verfügt, dadurch flossen 6,9 Millionen Euro für die Finanzierung der Residenz. Laut Statut hätte das Vermögen vom Bischöflichen Stuhl aber nur „für ausschließlich und unmittelbar kirchliche, gemeinnützige und mildtätige Zwecke verwendet werden“ dürfen. Diese Festlegung sollte für den Wiederaufbau kirchlicher Gebäude und die Errichtung von Wohnungen gelten. Dieser Zweck sei in der heutigen Zeit nicht mehr zu erfüllen, schrieb der Bischof in seinem Dekret.


In Bezug auf das Kirchenrecht kommt die Kommission zu einem klaren Ergebnis, für die Staatsanwaltschaft hingegen ist die Sache schwieriger zu bewerten: Einfacher wäre es gewesen, wenn das Georgswerk – eine unselbstständige Stiftung am Bischöflichen Stuhl – eine öffentliche Stiftung im Zivilrecht gewesen wäre.

Um die Hintergründe bei der Aufhebung des Werks aufzuklären, hat das Bistum ein zusätzliches Privatgutachten in Auftrag gegeben. Die Expertise des renommierten Kirchenrechtlers Professor Rüdiger Althaus von der Theologischen Fakultät in Paderborn liegt ebenfalls der Staatsanwaltschaft vor. Zum Hinweis, wonach das Gutachten Tebartz-van Elst auch strafrechtlich belasten soll, wollte sich ihr Sprecher nicht äußern. „So weit sind wir noch nicht, um das bewerten zu können“, sagte Herrchen. Der Prüfbericht der Kommission bietet nach Meinung von Juristen keine deutlichen Anhaltspunkte für eine Untreue.

(dpa, hei, ks, jkö) Limburger Bischofs-Skandal Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst trifft den Papst. Foto: Fedrik von Erichsen Bischofssuche in Limburg Tebartz-Nachfolger: Mitsprache gefordert

Während sich der abberufene Limburger Oberhirte Tebartz-van Elst gegen Vorwürfe wehrt, macht sich das Bistum über seinen Nachfolger Gedanken - und darüber, welche Rolle die Gläubigen bei der Kandidatensuche spielen sollten.

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Limburger Bischofs-Skandal Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst trifft den Papst. Foto: Fedrik von Erichsen Limburger Skandalbischof Justiz entscheidet bald über Ermittlungen gegen Tebartz

Wird es im Zusammenhang mit der Finanzierung des Bischofsbaus in Limburg ein rechtliches Nachspiel geben? Die Staatsanwaltschaft kündigt eine baldige Entscheidung an.

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Tebartz-van Elst reist nach Rom
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28.03.2014
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