Vatikan erspart Ex-Bischof Schadensersatz: Tebartz muss nicht zahlen

Rom ließ sich mit der Entscheidung Zeit, nun steht fest: Die Kostenexplosion in der Limburger Bischofsresidenz hat für den ehemaligen Oberhirten Tebartz-van Elst kein kirchenrechtliches Nachspiel. Das Bistum blickt nun demonstrativ nach vorne. Franz-Peter Tebartz-van Elst muss keine Wiedergutmachung zahlen. Foto: dpa/Archiv Franz-Peter Tebartz-van Elst muss keine Wiedergutmachung zahlen.
Limburg. 

Der frühere Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst muss nach dem Finanzskandal um seinen Amtssitz keine Wiedergutmachung zahlen. Rom halte „die Prüfung von Schadenersatzleistungen sowie die Eröffnung eines entsprechenden kanonischen Verfahrens für nicht angebracht”, teilte das Bistum am Mittwoch mit. Der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, habe diese Entscheidung Bistumsleiter Manfred Grothe bei einem Treffen im Vatikan mitgeteilt. Das Bistum akzeptiere die Entscheidung Roms, dass kein Verfahren geführt werden solle, sagte ein Sprecher der Diözese.

Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv 19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. 29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.

Grothe und sein Stellvertreter Wolfgang Rösch waren in der vergangenen Woche zu Gesprächen im Vatikan gewesen. „Der Heilige Stuhl hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit den Fragen rund um den Bau des Bischofshauses in Limburg befasst. Nun ist die Entscheidung getroffen worden, die auch Klarheit über das weitere Vorgehen der Aufarbeitung gibt”, sagte Grothe der Mitteilung zufolge.

Allerdings steht demnach weiterhin nicht fest, wann die Diözese einen Nachfolger für den zurückgetretenen Tebartz-van Elst bekommt. „Ich hoffe und wir arbeiten darauf hin, dass bis zum Sommer 2016 ein Bischof für Limburg vom Domkapitel gewählt und vom Heiligen Vater ernannt worden ist.” Gemeinsames Ziel Roms und der Bistumsleitung sei, dem Neuen einen „möglichst unbelasteten” Start ins Amt zu ermöglichen.

Limburger Bischofs-Skandal Franz-Peter Tebartz-van Elst muss keine Wiedergutmachung zahlen. Chronologie Der Fall Tebartz

Der Skandal um die teure Limburger Bischofsresidenz sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Franz-Peter Tebartz-van Elst verlor sein Amt, nicht zuletzt auch wegen Kritik an seinem Führungsstil. Ein Rückblick.

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Die neue Residenz auf dem Domberg kostete rund 31 Millionen Euro - ein Vielfaches der ursprünglich geplanten Summe. Das Bistum musste wegen des Bauprojektes 3,9 Millionen Euro abschreiben. Das sei aber nicht zwingend der tatsächlich entstandene Schaden, heißt es aus Limburg. Dieser sei derzeit nicht zu beziffern.

Die Diözese hatte angesichts der Kostenexplosion nach eigenen Angaben bereits vor mehreren Monaten in Rom die Frage nach Schadenersatz gestellt und dazu erläutert: „Die Entscheidung darüber, ob und in welcher Höhe und auf welchem Wege Forderungen gegenüber dem emeritierten Bischof erhoben werden, kann nur im Einvernehmen mit dem Vatikan erfolgen. Grundsätzlich ist bei Rechtsakten gegen einen Bischof der Heilige Stuhl zuständig.”

Tebartz-van Elst hatte wegen des Finanzskandals und heftiger Kritik an seinem Führungsstil im März 2014 seinen Posten auf dem Limburger Domberg verloren.

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Bilderstrecke Der 800.000-Euro-Garten des Skandalbischofs Nur wenige Meter vom Diözesanen Zentrum »St. Nikolaus« entfernt, wo Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst residiert, wurde der so genannte Mariengarten für knapp 784 000 Euro angelegt. Doch dafür wurde im Jahr 2009, als der Bischof schon im Amt war, ein gerade erst fertig gestellter »Garten der Stille« dem Erdboden gleichgemacht. So grün sah der Garten neben dem Limburger Diözesanmuseum noch im Dezember 2005 aus. Im Hintergrund ist die Nonnenmauer zu sehen, die das Areal umfasst. Fotos: Sascha Braun Im Jahr 2009 entsteht der so genannte »Garten der Stille«, der für die Öffentlichkeit kurze Zeit zugänglich ist. Vom Hof des dahinter liegenden Diözesanmuseums ist der Garten einsichtig. Links im Bild sieht man noch Gerüste am steinernen Gartentempel und Arbeiter decken das Dach neu ein. Zu diesem Zeitpunkt war Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst schon im Amt. Plötzlich wird es im Garten wieder lebhaft: Im Frühjahr 2010 rücken schwere Baumaschinen an und machen den gerade erst fertig gestellten Garten dem Erdboden gleich, reißen das Steinlabyrinth im Zentrum des Gartens ab. Auf Anfragen von Nachbarn wird mitgeteilt, dies geschehe aufgrund eines Frostschadens. Bilderstrecke Die Protzliste des Luxusbischofs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird von allen Seiten für die Kostenexplosion des Neubaus seiner Residenz in Limburg kritisiert. Insgesamt wurden für den Bau sagenhafte 31 Millionen Euro ausgegeben, ursprünglich geplant waren 2,5 Millionen. Foto: dpa Noch im Juni 2013 hieß es, die Gesamtkosten beliefen sich auf »nur« 10 Millionen Euro, vier Monate später ist der Stand beim Dreifachen, eventuell sogar Vierfachen. Laut "Welt am Sonntag" vom 13.10.2013 sollen sich die Gesamtkosten inkl. Straßen- und Gebäudeschäden durch den Bau auf 40 Millionen Euro belaufen. Foto: dpa Für den Bau der Wohnung waren 200.000 Euro eingeplant, letztendlich entstanden Kosten von 2,98 Millionen, wohlgemerkt ohne Innenausstattung. Hinzu kamen unter vielem anderen die Schreinerarbeiten für Einbauschränke, Kostenpunkt: 350.000 Euro und ein Konferenztisch für 25.000 Euro. Der Schränke soll laut Bild-Zeitung ein ehemaliger Oberministrand des Bischofs in Münster geliefert haben. Foto: dpa

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Vatikan erspart Ex-Bischof Schadensersatz
Tebartz muss nicht zahlen
Rom ließ sich mit der Entscheidung Zeit, nun steht fest: Die Kostenexplosion in der Limburger Bischofsresidenz hat für den ehemaligen Oberhirten Tebartz-van Elst kein kirchenrechtliches Nachspiel. Das Bistum blickt nun demonstrativ nach vorne.
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09.09.2015
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