Zum Rücktritt des Limburger Skandal-Bischofs: Tebartz-van Elst: Frankfurt feiert den Neuanfang

Der umstrittene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst kehrt nicht nach Limburg zurück. Das hat Papst Franziskus gestern bekanntgegeben. Die Frankfurter Katholiken freut es. Endlich könnten sie einen Neuanfang beginnen, so der Tenor. Die Ära "Tebartz-van Elst" in Limburg ist Geschichte. Foto: dpa Die Ära "Tebartz-van Elst" in Limburg ist Geschichte. Foto: dpa
Frankfurt. 
Der Abschlussbericht zu den Baumaßnahmen auf dem Limburger Domberg zum Download.
Der Abschlussbericht der Prüfkommission zum Download.
Das lange Warten hat ein Ende: Gestern gab Papst Franziskus bekannt, dass der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, nachdem er bereits im Oktober seinen Rücktritt angeboten hatte, nicht nach Limburg zurückkehren wird. Die Leitung des Bistums wird zunächst der Paderborner Weihbischof Manfred Grothe als Apostolischer Administrator übernehmen. Die Frankfurter Katholiken freuen sich über die Entscheidung des Vatikans.
 

„Ich habe immer gesagt, dass im Bistum ein Neuanfang nötig ist, um das verlorengegangene Vertrauen zurückzugewinnen“, sagt Christoph Hefter, Vorsitzender der katholischen Stadtversammlung. „Mit Tebartz-van Elst wäre das nicht möglich gewesen.“ Das habe man jetzt wohl auch in Rom so gesehen. „Jetzt können wir endlich einen Neuanfang beginnen.“

Auch Bruder Paulus zeigt sich erleichtert. „Jetzt können wir, wie es Papst Franziskus wünscht, in ein Klima der Barmherzigkeit und Versöhnung zurückfinden.“ Er begrüße außerdem die Entscheidung, Manfred Grothe als Apostolischen Administrator zu ernennen, da er mit den Vorgängen im Bistum Limburg vertraut sei. Immerhin wurde der 74-Jährige im Oktober 2013 von der Deutschen Bischofskonferenz zum Leiter der Kommission eingesetzt, die die exorbitanten Kostensteigerungen beim Bau der Limburger Bischofsresidenz untersuchen sollte. „Mit dieser Ernennung wird es wieder möglich, Dialogprozesse zu initiieren. Und das ist gut so.“

Limburger Bischofs-Skandal Die Ära "Tebartz-van Elst" in Limburg ist Geschichte. Foto: dpa Limburger Bischof Tebartz-van Elst Unnahbar und weltfremd

Der Bischof hinterlässt in Limburg eine schöne Residenz und Spuren in verschiedene Richtungen. Der Versuch einer Annäherung an den unnahbaren Menschen und Oberhirten Franz-Peter Tebartz-van Elst.

clearing

Große Erleichterung

Aus der Sicht von Pfarrer Dr. Werner Otto, Leiter des Pastoralen Raumes Frankfurt-Süd, Sprecher des Hofheimer Kreises und Mitglied des Priesterrats des Bistums Limburg, war der Rücktritt die einzig mögliche Entscheidung. „Die Erleichterung ist riesig. Ich bin aber froh, dass der Vatikan deutlich macht, dass es nicht nur um die 31 Millionen für den Bischofssitz ging, sondern dass im Vordergrund stand, dass es menschlich nicht mehr weiterging. Die Gläubigen im Bistum haben ihr Vertrauen in den Bischof verloren.“ Man könne sicher sein, dass Grothe hier nicht mit Ablehnung oder Skepsis, sondern mit offenen Armen und einem großen Vertrauensvorschuss empfangen werde. „Der Rücktritt wird für unsere Gemeinde einen großen Effekt haben, da jene Menschen, die bei uns aktiv sind, enorm darunter litten, dass sie dafür kritisiert wurden, sich bei uns zu engagieren“, so Otto. „Es muss aufhören, dass man sich dafür rechtfertigen muss, sich in der katholischen Kirche zu engagieren.“ Dennoch wünsche er Tebartz-van Elst „ganz aufrichtig eine ihn erfüllende Aufgabe, die ihn zufrieden macht“.

Limburger Bischofs-Skandal Die Ära "Tebartz-van Elst" in Limburg ist Geschichte. Foto: dpa Tebartz-Rücktritt Erleichterung im Bistum

Seit Oktober vergangenen Jahres war es eine Hängepartie: Kommt Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zurück? Die Entscheidung in Rom ist gefallen – und die Zustimmung ist groß.

clearing

Auch Pater Johnson Panthappillil von den Gemeinden St. Joseph (Eschersheim), St. Albert (Dornbusch) sowie Sancta Familia (Ginnheim) freut sich über die Entscheidung des Papstes: „Das ist für meine Gemeinde wichtig. Sie hat darunter gelitten, mehrere Monate keinen Bischof zu haben. Es wird Zeit, dass die Wogen geglättet und die Zeit hinter uns gelassen wird.“

 

Keine Unbarmherzigkeit

 

Zurückhaltend äußert sich Michael Metzler, Pfarrer der Gemeinden St. Joseph (Bornheim) und Maria Rosenkranz (Seckbach), der auch Vorstand des Caritasverbandes im Bistum Limburg ist. Er selbst sei mit Tebartz-van Elst, der ihm zum Vorsitzender der Caritas ernannte, stets gut ausgekommen. „Wir konnten auch immer sehr offen miteinander sprechen.“ Aber die jetzige Situation habe den „Dienst der Einheit“ für den Bischof in Limburg nicht mehr möglich gemacht – „ohne zu fragen, wer woran Schuld hatte oder nicht. Es wäre unbarmherzig gewesen, wenn der Papst Tebartz-van Elst nach Limburg zurückgeschickt hätte.“

Limburger Bischofs-Skandal Die Ära "Tebartz-van Elst" in Limburg ist Geschichte. Foto: dpa Limburger Bischof "Es war mehr als überfällig"

Laien und Priester im Bezirk begrüßen die Entscheidung aus Rom, hoffen aber auch, dass aus dem Fall Lehren gezogen werden.

clearing

Für Pater Heinrich Watzka, Rektor der Theologischen Hochschule St. Georgen, sei es überraschend, dass der Bischof bereits vor ein paar Monaten seinen Rücktritt angeboten haben soll. „Das lässt nun doch in einem etwas besseren Licht stehen.“ Allerdings sei eine Entscheidung über die Zukunft des Bistums längst überfällig gewesen. „Die Unruhe war deutlich spürbar. Zumal für viele Personalentscheidungen die Unterschrift des Bischofs nötig ist. Die haben sich entsprechend angesammelt und müssen nun durch den Administrator abgearbeitet werden.“

Bilderstrecke Missbrauch und Geheimdienste: Bischofsrücktritte Der Skandal-Bischof Tebartz-van Elst kehrt nicht in sein Amt in Limburg zurück. Er reiht sich damit ein in die Reihe katholische Kirchenführer, die nach heftiger Kritik auf ihr Amt verzichteten. Die Vorwürfe reichen von sexuellem Missbrauch bis Geheimdienstkontakte. In unserer Fotostrecke stellen wir einige Beispiele vor. Alle Fotos: dpa Keith O'Brien, Edinburgh (Schottland): Er legte das Amt des Erzbischofs von St. Andrews und Edinburgh im Februar 2013 nieder. Vorausgegangen waren Vorwürfe, O'Brien habe sich jungen Priestern in «unangemessener» Weise genähert. Walter Mixa, Augsburg: Nach wochenlanger Kritik bot er Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt im April 2010 an. Frühere Heimkinder hatten ihm körperliche Misshandlung vorgeworfen, zudem soll er Stiftungsgelder zweckentfremdet haben. Der Vatikan akzeptierte das Gesuch im Mai.

Für Pfarrer Peter Hofacker, Leiter des Pastoralen Raumes Frankfurt-West, kann jetzt im Bistum neues Vertrauen hergestellt werden. „Das braucht seine Zeit. Die beste Entscheidung des Domkapitels ist es nun, sich für die Wahl eines neuen Bischofs zu entscheiden“, so Hofacker. Das sei nötig, um mit den alten Geschichten abzuschließen.

„Ich glaube, dass der Rücktritt des Bischofs für das Bistum eine klärende Entscheidung ist, auf die lange gewartet wurde“, sagt Werner Portugall, Leiter des Pastoralen Raumes Frankfurt-Südwest. Tebartz-van Elst habe die richtige Entscheidung getroffen. „Das macht die Richtung für alle Seiten frei für einen Neuanfang. Nun gilt es, dafür zu beten, dass der neue Bischof der richtige Mann ist.“

(hau,jdi,jlo,mov) Limburger Bischofs-Skandal Die Ära "Tebartz-van Elst" in Limburg ist Geschichte. Foto: dpa Ein Neuanfang - "Endlich"

Die Nachricht, dass Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht nach Limburg zurückkehren wird, nahmen viele Menschen in der Domstadt mit Erleichterung auf.

clearing
Limburger Bischofs-Skandal Die Ära "Tebartz-van Elst" in Limburg ist Geschichte. Foto: dpa Franz-Peter Tebartz-van Elst Tebartz widerspricht Prüfbericht

Nach Monaten des Schweigens meldet sich der abberufene Limburger Bischof zu Wort. Er nimmt Stellung zum Prüfbericht über die Kostenexplosion an seinem Bischofssitz - und fühlt sich zumindest teilweise unschuldig. Lesen Sie seine Stellungnahme hier im Wortlaut.

clearing
Limburger Bischofs-Skandal Die Ära "Tebartz-van Elst" in Limburg ist Geschichte. Foto: dpa Das sind die teuren Wünsche des Bischofs

Ein Becken für Koi-Karpfen, 32 Lautsprecher für 45.000 Euro sowie LED-Lichter in Böden, Wänden und Stufen für eine halbe Million Euro: Das ist die Liste der Sonderwünsche des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst.

clearing

Mehr zum Thema » Tebartz-van Elst - Der Limburger Skandalbischof

Zur Startseite Mehr aus Limburger Bischofs-Skandal
Jetzt kommentieren

Nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.

Mit * gekennzeichnete Felder, sind Pflichtfelder!

Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername: *
gewünschtes Passwort: *
Wiederholung Passwort: *
E-Mail: *
Kundennummer falls vorhanden:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage: Welche Farbe hat eine reife Banane?: 




article
792226
Zum Rücktritt des Limburger Skandal-Bischofs
Tebartz-van Elst: Frankfurt feiert den Neuanfang
Der umstrittene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst kehrt nicht nach Limburg zurück. Das hat Papst Franziskus gestern bekanntgegeben. Die Frankfurter Katholiken freut es. Endlich könnten sie einen Neuanfang beginnen, so der Tenor.
http://www.fnp.de/rhein-main/limburgerbischof/Tebartz-van-Elst-Frankfurt-feiert-den-Neuanfang;art25268,792226
27.03.2014
http://static2.fnp.de/storage/pic/onlineredaktion/548367_0_1488F40045AADB67.jpg?version=1395902543
Limburger Bischofs-Skandal
Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, epd, AP, SID und Reuters

Themen Mediadaten Kontakt Impressum Datenschutz AGB

© 2016 Frankfurter Neue Presse