Limburger Bischof Tebartz-van Elst: Unnahbar und weltfremd

Von Joachim Heidersdorf Der Bischof hinterlässt in Limburg eine schöne Residenz und Spuren in verschiedene Richtungen. Der Versuch einer Annäherung an den unnahbaren Menschen und Oberhirten Franz-Peter Tebartz-van Elst.
Limburg.  Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im September vergangenen Jahres bei einem Festgottesdienst in der St.-Angela-Schule in Königstein.	Foto: imago /rhein-main/limburgerbischof/Unnahbar-und-weltfremd;art25268,791772 Foto: imago stock&people Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im September vergangenen Jahres bei einem Festgottesdienst in der St.-Angela-Schule in Königstein. Foto: imago Blauer Himmel, frostige Kälte und heftiger Wind auf dem Domplatz. Gestern beim Showdown um 12 Uhr mittags genau wie am 3. Dezember 2007, als sich Franz-Peter Tebartz-van Elst nach seiner Wahl zum Bischof in Limburg vorstellte. Beim ersten Pressetermin wehte ihm wiederholt die Soutane vors jugendliche Gesicht. Gut sechs Jahre später ein Bild mit Symbolcharakter. Die meisten Menschen möchten von diesem Bischof nichts mehr sehen.

Dabei war der damals 48-Jährige in Limburg mit offenen Armen und viel Herzenswärme empfangen worden. Der gertenschlanke 1,90-Meter-Mann mit den großen Augen und dem festen Händedruck trat offen, unverkrampft und sympathisch auf. Tempi passati. Ein großer Teil der Herde wollte ihrem Hirten schon nach einem Jahr nicht mehr folgen; aus harter Kritik wurden bald erbitterte Angriffe. Der Geistliche wiederum wirkte zunehmend misstrauisch, verschlossen und unnahbar. Wie konnte es zu dieser Entfremdung kommen?
 

Limburger Bischofs-Skandal Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im September vergangenen Jahres bei einem Festgottesdienst in der St.-Angela-Schule in Königstein.	Foto: imago Das sind die teuren Wünsche des Bischofs

Ein Becken für Koi-Karpfen, 32 Lautsprecher für 45.000 Euro sowie LED-Lichter in Böden, Wänden und Stufen für eine halbe Million Euro: Das ist die Liste der Sonderwünsche des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst.

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Der Würdenträger war dem Bistum ja nicht von Rom aufgedrängt, sondern vom Limburger Domkapitel gezielt ausgewählt worden. Tebartz-van Elst, früher Professor für Pastoraltheologie und Liturgiewissenschaft in Passau und von Januar 2004 an Weihbischof in Münster, galt als einer der Hoffnungsträger der katholischen Kirche in Deutschland. Viele waren sicher, dass Limburg nur eine Zwischenstation beim Aufstieg in noch höhere Ämter für ihn ist. Auch sein langjähriger Vorgänger, der inzwischen wie ein Heiliger in der Diözese verehrte Franz Kamphaus war aufgrund der Zusammenarbeit anfangs voll des Lobes über den „klugen und starken“ Theologen, der über die Kirche hinausdenke.

Schnell beleidigt

Von Kamphaus war danach kein Wort mehr über seinen Nachfolger zu hören. Dafür äußerten sich andere um so mehr – fast ausschließlich Gegner, die den autarken Führungsstil und die erzkonservativen Positionen des bienenfleißigen Bischofs anprangerten. Tebartz reagierte erst enttäuscht und beleidigt, später gereizt und erbost. Wer so oft und so gründlich missverstanden und fehlinterpretiert wird wie er, kann daran freilich nicht schuldlos sein.
 

Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv 19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. 29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.

Ich bin wahrscheinlich der Journalist, der ihm am häufigsten begegnet ist – von einem Besuch Ende 2007 in Münster über ein Interview, in dem er seinen First-Class-Flug in die indischen Slums bedauerte, bis zu einem Elias-Konzert der Domsingknaben am 4. Oktober 2013. Drei Tage vor dem großen Knall freute sich der Bischof noch auf seine Israel-Reise, wenig später tauchte er ins bayerische Exil ab. Ich war der einzige Medienvertreter, den er persönlich durch seinen Dienst- und Wohnsitz führte.

Tebartz hat die meisten „Schreiberlinge“ ähnlich verachtet wie einst Franz Josef Strauß. Wir haben auch regelmäßig abseits des Protokolls miteinander gesprochen, aber selten über Gott und die Welt. Selbst am Rande eines Bruce-Springsteen-Konzerts in Frankfurt, das er seinem Fahrer und dessen Kindern zuliebe besuchte, fiel ihm dies schwer.
 

Limburger Bischofs-Skandal Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im September vergangenen Jahres bei einem Festgottesdienst in der St.-Angela-Schule in Königstein.	Foto: imago Franz-Peter Tebartz-van Elst Tebartz widerspricht Prüfbericht

Nach Monaten des Schweigens meldet sich der abberufene Limburger Bischof zu Wort. Er nimmt Stellung zum Prüfbericht über die Kostenexplosion an seinem Bischofssitz - und fühlt sich zumindest teilweise unschuldig. Lesen Sie seine Stellungnahme hier im Wortlaut.

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Das ist sein großes Problem: Man kann mit ihm nicht entspannt plaudern. Der Bischof kennt nur Gott. Die Welt ist ihm fremd.

Eine derart fixierte Persönlichkeit kann kein Menschenfischer sein. Tebartz ist ein Verwalter und Gestalter, aber kein Pfarrer. Er war es auch nie, was sich rasch als Fehler herausstellte. Auf der Kanzel verdrängte der intellektuelle Wissenschaftler den gefühlvollen Seelsorger; seine von viel Weihrauch umschwängerten Predigten erreichten die Köpfe intelligenter Zuhörer, jedoch nicht die Herzen des Kirchenvolks. Auch seine Schriften und Bücher wirken zu trocken und schwer verständlich, um die frohe Botschaft wirkungsvoll zu vermitteln. Wer dies dem Bischof schonend beibringen wollte, war auf verlorenem Posten. Profis gaben als Berater und Sprecher des beratungsresistenten Mannes frustriert auf. Fachliche Hinweise ignorierte er ebenso wie gutgemeinte Ratschläge, sich hin und wieder mit ihm wohlgesonnenen „normalen Leuten“ zu unterhalten. Tebartz, der als Bub den Messdiener- dem Fußballverein vorzog, schottete sich ab; im Domkapitel und im Bischöflichen Ordinariat hatte er kaum Vertraute.

Luxus im Bad

Der (Groß-)Bauernsohn vom Niederrhein ist an der Lahn nie richtig angekommen. Die Limburger hatten gar nicht erwartet, dass er sich auch mal wie Kamphaus in ein Gasthaus setzen würde. Doch sie hätten Tebartz gerne wenigstens ab und zu einmal durch die Stadt gehen sehen. Bei seinem Antrittsbesuch in Limburg gab er Wandern als großes Hobby an, weil er dabei den Menschen nahe komme. Zumindest in der Region hat ihn nie jemand auf Schusters Rappen gesehen. Der „Chef“, der dem Bistum das Programm „Bereitschaft zur Bewegung“ verordnete, ließ sich stattdessen selbst auf kurzen Wegen in einer Luxuslimousine chauffieren: bis vor die Tür von Kirchen oder Veranstaltungsorten; Halteverbote hin oder her.

Beweglich und flexibel zeigte sich Tebartz dagegen als Bauherr mit Leidenschaft für Ästhetik, Stil und guten Geschmack. In seiner Residenz ist nichts protzig oder prunkvoll wie bei Neureichen, aber alles erlesen, hochwertig, elegant – und teuer! Ob Schreinerarbeiten, Kunst oder Antiquitäten: Kein Sonderwunsch, von dem er sich abbringen ließ. Und, natürlich, auch die frei stehende Badewanne darf in dieser Aufzählung nicht fehlen. Sie ist der Blickfang neben einem Bidet und einer extrabreiten, von zwei Seiten begehbaren Dusche, aus der das Wasser von der Decke prasselt. Wer als Bischof so leben will, kann im Regen stehen.
 

Limburger Bischofs-Skandal Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im September vergangenen Jahres bei einem Festgottesdienst in der St.-Angela-Schule in Königstein.	Foto: imago Der Schrecken hat endlich ein Ende

Etwas mehr als sechs Jahre dauerte die Amtszeit von Franz-Peter Tebartz- van Elst, fast sechs Monate brauchte der Heilige Stuhl für seine Entscheidung.

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Limburger Bischofs-Skandal Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im September vergangenen Jahres bei einem Festgottesdienst in der St.-Angela-Schule in Königstein.	Foto: imago Tebartz-Rücktritt Erleichterung im Bistum

Seit Oktober vergangenen Jahres war es eine Hängepartie: Kommt Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zurück? Die Entscheidung in Rom ist gefallen – und die Zustimmung ist groß.

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Limburger Bischofs-Skandal Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst im September vergangenen Jahres bei einem Festgottesdienst in der St.-Angela-Schule in Königstein.	Foto: imago Ein Neuanfang - "Endlich"

Die Nachricht, dass Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht nach Limburg zurückkehren wird, nahmen viele Menschen in der Domstadt mit Erleichterung auf.

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Limburger Bischof Tebartz-van Elst
Unnahbar und weltfremd
Der Bischof hinterlässt in Limburg eine schöne Residenz und Spuren in verschiedene Richtungen. Der Versuch einer Annäherung an den unnahbaren Menschen und Oberhirten Franz-Peter Tebartz-van Elst.
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27.03.2014
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