"Wer stoppt diesen Irrsinn?"

Die Wellen der Empörung über das Ausgabeverhalten des Kirchenmannes schlagen hoch. Sie spiegeln sich auch in den Briefen dazu wider, die uns bislang erreichten. Muss er seinen Bischofshut nehmen? Franz-Peter Tebartz-van Elst im Dom in Limburg. Foto: Fredrik von Erichsen Muss er seinen Bischofshut nehmen? Franz-Peter Tebartz-van Elst im Dom in Limburg. Foto: Fredrik von Erichsen

Nach den neuesten, wahrscheinlich aber auch nur vorläufigen Berechnungen soll der Bischofssitz in Limburg also bescheidene 31 Millionen Euro kosten. Aber das ist selbstverständlich gut, ja sogar bestens verwendetes Geld: Denn siehe, es dient allein zur größeren Ehre Gottes, und noch in Jahrhunderten wird die Welt voller Bewunderung vom Fürst-Bischof Tebartz-van Elst und seiner gar prächtigen Residenz sprechen. Dagegen wird niemand mehr über den Straßenbahnbau an der Sonnemannstraße auch nur ein einziges Sterbenswörtchen verlieren, der für ein paar Schienen ja lediglich 12,4 Millionen (!) kosten soll. Hallelujah! F. Beyhl, Frankfurt

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Der Fall des „Dauerbrenners“ Bischof Tebartz-van Elst sollte uns darauf aufmerksam machen, dass alle staatlichen Subventionen zugunsten der katholischen Kirche auf den Prüfstand gehören und im Zweifel (unter anderem bei Verdacht auf Protz und Verschwendung) abgeschafft werden. Der Bischof könnte für eine gewisse Zeit in ein Kloster geschickt werden, wo er Demut, Bescheidenheit und Gehorsam kennenlernt. Anschließend sollte er als Pfarrer in einem sozialen Brennpunkt oder als Missionar am unbequemen Ende der Welt arbeiten.
Rudolf Schöpfer, Bad Homburg

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Der - vom Bischof selbst eingesetzte - Verwaltungsrat fühlt sich von eben diesem Bischof getäuscht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen einer falschen eidesstattlichen Erklärung. Es gibt es keinen Haushaltsplan für 2012 und 2013. Ohne Haushaltsplan gibt es auch keine Kostenüberschreitungen. Geld ist ja genug vorhanden. Bischof Tebartz-van Elst ist großzügig - an seiner neuen Residenz darf nicht gespart werden - dafür gibt es ja die Kirchengemeinden. Was bekommen die Katholiken noch alles zugemutet an Verschwendungssucht und Eitelkeit, Borniertheit und Ignoranz?
Karl Nießler, Elz

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Im Fall des Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst ist es nicht die Gnade der späten Geburt, sondern umgekehrt. Dieser Mann gehört in das finsterste Mittelalter. Dort hätte er auch seinen Tetzel gefunden, der ihm die Mittel ergaunert hätte, um seine Prunkgelüste zu befriedigen. Der katholischen Kirche ist anzuraten, diesen autoritären lokalen Kirchenfürsten sofort von seinem bischöflichen Stuhl zu entfernen und in die Mauern eines Bergklosters zu verfrachten, damit er zukünftig seiner Kirche keinen weiteren Schaden zuführen kann. Wie können die Katholiken des Bistums Limburg es hinnehmen, dass ihr Bischof mit Kirchengeldern derart verschwenderisch und menschenverachtend umgeht? Horst Nopens

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Es ist schön, etwas zu bauen, Nachhaltiges zu schaffen. Alles hat seinen Preis. Auch ein Bischofssitz.
31 Millionen Euro allerdings sind keine „Peanuts“. Es ist kaum anzunehmen, dass die Überprüfung der Baumaßnahmen und der damit verbundenen immensen Kosten unmittelbar zu personellen Konsequenzen führt. Schließlich hat der Limburger Bischof die Arbeiten nicht allein zu verantworten. Langfristig aber wird er sich wohl kaum im Amt halten können. Dafür ist sein Führungsstil doch wenig zeitgemäß. Auch Konservative können umdenken, einer veränderten Welt wichtige neue Impulse geben, ohne den Kern der reinen Lehre verlassen zu müssen. Der Heilige Vater in Rom macht uns das vor. Jeden Tag, jede Stunde. Rom ist eine schöne Stadt. Auch für einen Bischof, dem neue Aufgaben anvertraut werden.
Hans Martin Schmidt, Frankfurt

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Also, 31 Millionen Euro für einen Bischofssitz, da fällt man doch vom Glauben ab, oder? Es ist doch hier ein Skandal nach dem anderen mit diesem Bischof Tebartz-van Elst. Der erste Skandal: Dieser Bischof fliegt zu den Slums nach Indien - so ein Flug kostet regulär etwa 7000 Euro, dafür hätte man für kranke Kinder eine Menge Medizin kaufen können. Mir tut es einfach weh, wenn ich mir vorstellen muss, wie dieser Mensch sich wohlig in solch einem Super-Sitz bei Lachs und Kaviar ausbreitet. Als zweiten Skandal empfinde ich, wie solch ein Bischof sich solch ein Luxus-Palais bauen ließ, wo unser Jesus doch in der Bergpredigt sagt: Sammelt nicht die Schätze hier auf Erden, wo Motten und Würmer sie zerstören. Sammelt eure Schätze im Himmel. Meines Erachtens hat dieser Bischof nichts von Jesus verstanden. Ingeborg Mohr

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Wer kann es mir erklären? Statt
2,5 Millionen Euro kostet der Bischofssitz 31 Millionen Euro. Bis zum Jahr 2020 kostet der Flughafen Kassel-Calden den Steuerzahler circa 210 Millionen Euro. Nur zwei Beispiele, aber Geld muss wohl im Überfluss zur Verfügung stehen!? Wieso wird dieser Überfluss aber nicht sozial gerecht verteilt? Wer sind die Verantwortlichen für diese asozialen Verschwendungen? Wer hat von Kassel-Calden profitiert? Namen sind bekannt, aber es passiert nichts! Das nennt man Willkür - ein Verhalten, das nur eigene Interessen hat und keine Rücksicht auf allgemeingültige Regeln oder Menschen nimmt. Und das ist asozial - ein Individuum vollzieht seine persönlichen Handlungen, ohne die gesellschaftlichen Normen und die Interessen anderer Menschen zu berücksichtigen. Wie lange funktioniert das so noch?
Dieter Keller, Frankfurt

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Was hätte man mit diesem Betrag von 31 Millionen Euro alles anfangen können: Arbeitslosen, Wohnsitzlosen und Flüchtlingen helfen, das Geld sozialen Einrichtungen zukommen lassen usw. Statt dessen bevorzugt der „Bischofs-Fürst“ Tebartz-van Elst Prunk und Pomp. Ja, manche haben als Zeichen der Zeit nicht erkannt, dass Bescheidenheit angesagt ist. Dazu ist man noch zu feige, nachdem der Bericht heraus war, sich der Öffentlichkeit zu stellen. Wenn ich mich richtig erinnere, ist Jesus auch gegen Paläste, Prunk und Maßlosigkeit angegangen und hat dies verurteilt. Ein Fundament des Christentums. Ich hoffe nur, dass die katholische Kirche, die ja schon von mehreren Skandalen gebeutelt ist, den Herrn vor die Tür des Bischofssitzes setzt.
Jürgen Frank, Oberursel

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Auf Seite eins Ihrer Zeitung stellen Sie die Frage: „Wie dieser Topf gefüllt ist, wissen nur die wenigen Mitglieder des Verwaltungsrates.“ Jedes Bistum erhält Jahr für Jahr vom Bund etwa 17 Millionen Euro pro Jahr (nach Größe etwas mehr oder weniger). Wenn Herr Tebartz-van Elst sparsam war/ist, lässt sich der neue Bischofssitz damit locker bezahlen! Und Sie rätseln noch? Warum tun Sie so scheinheilig?
Hans-Peter Vollrath, Eppstein

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Was würden wohl Jesus und der liebe Gott sagen, was wir mit 31 Millionen Euro machen sollten? Ich denke nicht, dass die beiden vorschlagen würden mit dem Betrag einen Bischofssitz zu bauen. Beide würden uns sicher raten, das Geld den Hungernden, Armen und Bedürftigen zu geben. Aber offensichtlich geht es uns ja noch zu gut. Also bitte keine Diskussionen mehr um die Armut in Deutschland.
A. Dipping, Frankfurt

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Nun ist es wirklich an der Zeit, dass der demütige Franziskus seinem lieben Bruder Franz-Peter eine bescheidene Kammer in irgendeinem Kloster zuweist.
Godehard Weber, Ennerich

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Jeder Häuselebauer muss vorher kalkulieren, ob sein Geld reicht. Da jedoch Mittel aus einem sogenannten bischöflichen Stuhl fließen, von dem niemand weiß, wo diese Mittel herkommen und wie hoch sie sind, versucht man alles glatt zu bügeln. Die Kirchen können im Winter kaum noch ihre Räume heizen und für die Kindergärten werden die finanziellen Unterstützungen eingestellt - aus Geldknappheit. Dieser Bischof hat auf der ganzen Linie versagt und will sich jetzt noch dumm stellen. Allein der neue Papst Franziskus gibt mir die Hoffnung, dass es in Zukunft doch noch besser werden kann!
Dieter Göbel, Brechen

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Die offiziellen Verlautbarungen des Pressesprechers sind eine Beleidigung für jeden Gläubigen, wenn hier berichtet wird, dass der Bischof von der Höhe der Kosten „völlig überrascht“ war; oder auch die Aussage, „er habe die Prüfungskommission beantragt“. Bei jedem Bauvorhaben der Pfarrgemeinden erfolgt mittels „Kostenverfolgungsplan“ kontinuierlich eine Berichterstattung an die zuständigen Einheiten. Die „ehrenamtlichen“ Verwaltungsräte sind, zu Recht, aufgefordert, die Kosten der Pfarrgemeinden transparent und nachvollziehbar darzulegen. Waren hier etwa alle Kontrollgremien (Bauamt, Finanzen) ausgeschaltet? Warum wurde dies nicht öffentlich gemacht?
Karl-Leo Schlicht, Mengerskirchen

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Mir fällt dazu nur ein: Als Gott sah, was aus seinem Bodenpersonal geworden ist, drehte er sich um und weinte bitterlich.
B. Baier, Brechen

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Und das wird keineswegs die endgültige Bilanz diesen größenwahnsinnigen Projekts sein. Als Katholikin mit den üblichen gelegentlichen Glaubenszweifeln scheint mir der Austritt nur plausibel, angesichts einer solchen Verschwendung von finanziellen Mitteln, die andernorts dringend benötigt werden. Für die eingesparte Kirchensteuer könnte ich mir mindestens ein bis zwei weitere Patenkinder bei Organisationen wie „World Vision“ erlauben, denen damit ein Schulabschluss ermöglicht wird. So stelle ich mir christliches Handeln und Wirtschaften vor. Für 30 Millionen Euro könnte man hier etliche Sozialwohnungen bauen! Es gibt so viel zu tun. Warum stoppt niemand diesen Irrsinn?
Regina Károlyi, Frankfurt

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Jesus hatte einst die Pharisäer aus dem Tempel gejagt. Heute sitzt einer in Limburg im Dom!
Joachim Großmann, Elz

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Rücktrittsforderungen und Schuldzuweisungen helfen nicht weiter. Jetzt muss erst mal wieder Geld in die geplünderte Kirchenkasse! Meine Vorschläge: Bischof Tebartz-van Elst macht Werbung für die First Class der Lufthansa („Schweben Sie mit mir über den Wolken“). Lifestyle-Magazine zeigen ihren Lesern die bischöfliche Wohnkultur und der neue Wohnsitz wird am Wochenende für zahlende Touristen geöffnet. Und der Bischof hält BWL-Vorlesungen zum Baukostenmanagement!
Christian Schneider, Frankfurt

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Bischof Tebartz-van Elst hat doch nur den in der katholischen Kirche ursprünglichen Protz und Prunk wiederbelebt. Allerdings ist der Zeitpunkt sehr ungünstig, weil ein Papst an der Spitze der Kirche steht, der das Gegenteil predigt.
Heinrich Mathes, Oberursel

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Als ehemaliger Messdiener der katholischen Kirche im Bistum Münster lernte ich später im Alter von
16 Jahren eine Missionsstation in Nordbrasilien kennen. Hier musste ich feststellen, unter welch beschwerlichen Umständen die Vertreter der katholischen Kirche dort ihre Missionsarbeit verrichten mussten. Eine finanzielle Unterstützung aus der Heimat bzw. aus Rom gab es nicht. Dies war für mich der Anlass, aus der katholischen Kirche auszutreten, obwohl ich weiterhin ein gläubiger Christ bin. Wenn ich dann heute den prunkvollen Bistumssitz in Limburg sehe, fühle ich mich gut fünfzig Jahre danach in meinem damaligen Entschluss bestätigt. Was muss in der heutigen Zeit noch alles passieren, bis auch in dieser Richtung umgedacht wird? In vielen Orten werden die Kirchen geschlossen und in Limburg wird ein solcher Palast errichtet. U. Thiel, Mörfelden-Walldorf

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Wasser predigen und selbst Sekt trinken. Wie viele Hartz-IV-Empfänger hätten von diesen 31 Millionen Euro ein Mal im Jahr mit ihren Kindern einen Urlaub genießen können? E. Berger Hadamar

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Warum diese Aufregung? In dem gleichen Unternehmen, sprich Bistum, konnte ein Rentamtsleiter finanziell schalten und walten, wie er wollte. Das Ergebnis ist bekannt, ebenso das Urteil. Erschreckend am nun bekannt gewordenen Fall der Kostenexplosion ist, dass dies alles an einer Person festgemacht wird. Die Entscheidungen und Maßnahmen sind doch von mehreren getroffen worden. Hierzu zähle ich auch die Architekten. Der Schaden für das Bistum und die Kirche lässt sich nicht in Euro beziffern. Das Vertrauen und die Vokabel Glaubwürdigkeit sind im Bistum in weite Ferne gerückt. Die wenigen jungen Priester, die sich für diese Berufung entschieden haben, stehen zukünftig vor einer schweren Aufgabe.
Hans Linn, Runkel-Schadeck

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Das Maß ist voll, und was können die Gläubigen des Bistums in dieser Misere noch tun? Uns bleibt eigentlich nur, den Heiligen Geist anzuflehen und darum zu beten, dass er des Bischofs Geist so erhellen möge, dass in ihm die Bereitschaft Einzug hält, unserem Papst seinen Rücktritt anzubieten. Der Diözese bliebe dann weiteres Unheil erspart, denn das Vertrauen seiner Schäfchen hat er schon lange verloren. Rudolf Kranz, Hofheim

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