Vollversammlung der katholischen Bischöfe: Wo ist Tebartz? Wieder Wirbel um Skandalbischof

Von Martin Oversohl (dpa) und Johannes Laubach Für Wirbel sorgte einer, der gar nicht kam. Dabei hätte der Limburger Oberhirte das Recht gehabt, an dem Treffen teilzunehmen. Tebartz-van Elst beim Fuldaer Bischofstreffen im Herbst 2013.	Foto: dpa Tebartz-van Elst beim Fuldaer Bischofstreffen im Herbst 2013. Foto: dpa
Münster. 

Seit Monaten verwirrt Franz-Peter Tebartz-van Elst seine Gläubigen, sein Bistum, die Kirche, sogar den Papst. Sei es seine Amtsführung im Limburger Bistum, seien es die explodierten Baukosten für den Bischofssitz oder ein Erster-Klasse-Flug nach Indien, der sogar die Justiz beschäftigte. Zum Auftakt der Vollversammlung der katholischen Bischöfe sorgte Tebartz erneut für Wirbel.

Bilderstrecke Der 800.000-Euro-Garten des Skandalbischofs Nur wenige Meter vom Diözesanen Zentrum »St. Nikolaus« entfernt, wo Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst residiert, wurde der so genannte Mariengarten für knapp 784 000 Euro angelegt. Doch dafür wurde im Jahr 2009, als der Bischof schon im Amt war, ein gerade erst fertig gestellter »Garten der Stille« dem Erdboden gleichgemacht. So grün sah der Garten neben dem Limburger Diözesanmuseum noch im Dezember 2005 aus. Im Hintergrund ist die Nonnenmauer zu sehen, die das Areal umfasst. Fotos: Sascha Braun Im Jahr 2009 entsteht der so genannte »Garten der Stille«, der für die Öffentlichkeit kurze Zeit zugänglich ist. Vom Hof des dahinter liegenden Diözesanmuseums ist der Garten einsichtig. Links im Bild sieht man noch Gerüste am steinernen Gartentempel und Arbeiter decken das Dach neu ein. Zu diesem Zeitpunkt war Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst schon im Amt. Plötzlich wird es im Garten wieder lebhaft: Im Frühjahr 2010 rücken schwere Baumaschinen an und machen den gerade erst fertig gestellten Garten dem Erdboden gleich, reißen das Steinlabyrinth im Zentrum des Gartens ab. Auf Anfragen von Nachbarn wird mitgeteilt, dies geschehe aufgrund eines Frostschadens.

Bis zuletzt ließ er die Bischöfe und sein Bistum im Unklaren, ob er an dem viertägigen Treffen teilnimmt. „Kommt er, oder kommt er nicht?“, war eine oft gestellte Frage in Münster ebenso wie in Limburg. Obgleich vom Papst beurlaubt, hätte Tebartz-van Elst jedenfalls das Recht gehabt zu kommen. Erst am Nachmittag schuf der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, Klarheit: Tebartz werde an dem Treffen nicht teilnehmen.

Das Bistum Limburg ist auch ohne den beurlaubten Bischof in Münster vertreten, auch Weihbischof Thomas Löhr gehört der Versammlung an. Nach Angaben von Stefan Schnelle, dem Sprecher des Bistums, wird zudem Generalvikar Wolfgang Rösch heute in Münster sein und an der Sitzung des Verbands der Deutschen Diözesen teilnehmen, nicht jedoch an der Vollversammlung. Es gebe, so Schnelle, derzeit keinen Kontakt zu dem Bischof, der am Wochenende auch nicht an den Feiern zur Verabschiedung von Joachim Meisner als Erzbischof von Köln teilnahm. Dabei war der Limburger Bischof dort als Gast angemeldet. Meisner galt über viele Jahre als Förderer des Limburger Bischofs, und dieser wurde zeitweilig als möglicher Nachfolger in Köln gehandelt.

Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv 19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. 29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.

Der Bericht der kirchlichen Untersuchungskommission über die ausufernden Millionenkosten für den Limburger Bischofssitz liegt dem Vatikan seit einer Woche vor. Und seit einer Woche hüllen sich die verantwortlichen Kirchenoberen in Schweigen, wenn es um die Zukunft des Limburger Oberhirten geht. Muss er gehen oder darf er aus seinem aufgezwungenen Urlaub zurück auf den Domberg? Entscheiden muss Papst Franziskus persönlich.

Für das Oberhaupt der katholischen Kirche könnten das zerbrochene Vertrauen im Limburger Bistum und die oft schwache Führung des Bischofs den Ausschlag geben. „Es ist wichtig, dass man das Bischofsamt, das kann ich von mir selber sagen, so ausübt, dass es getragen wird vom Vertrauen der Gläubigen“, sagte auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. „Diese Frage muss sich sowohl der Bischof stellen als auch das Bistum als auch der Papst.“

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Für Wirbel sorgte einer, der gar nicht kam. Dabei hätte der Limburger Oberhirte das Recht gehabt, an dem Treffen teilzunehmen.
http://www.fnp.de/rhein-main/limburgerbischof/Wo-ist-Tebartz-Wieder-Wirbel-um-Skandalbischof;art25268,778065
11.03.2014
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