Bistum Limburg nach Skandalbischof Tebartz-van Elst: Wolfgang Rösch: "Wir sind im Heilungsprozess"

Exklusiv-Interview: Erstmals spricht Wolfgang Rösch, Ständige Vertreter des Apostolischen Administrators, über die Zukunft von Tebartz-van Elst und des Bistums. Wolfgang Rösch, Ständiger Vertreter des Apostolischen Administrators in Limburg. Foto: F. von Erichsen/Archiv Wolfgang Rösch, Ständiger Vertreter des Apostolischen Administrators in Limburg. Foto: F. von Erichsen/Archiv
Limburg. 

Auch acht Wochen nach der Entscheidung des Papstes, Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst von seinem Amt zu entbinden, kehrt im Bistum keine Ruhe ein. Täglich taucht ein neues Gerücht auf, Kritikern geht der Neuanfang nicht schnell genug. Und viele ärgern sich, dass der emeritierte Bischof noch immer in seiner Luxus-Residenz auf dem Domberg wohnt, noch dazu mietfrei. Unser Limburger Redaktionsleiter Joachim Heidersdorf sprach mit Wolfgang Rösch, dem Ständigen Vertreter des Apostolischen Administrators, über die schwierige Situation der Diözese.

Die Stimmung im Kirchenvolk scheint gespalten: Fast alle freuen sich auf den Neuanfang im Bistum, doch viele vermissen konkrete Schritte. Wie beurteilen Sie diesen Konflikt?

Limburger Bischofs-Skandal Wolfgang Rösch, Ständiger Vertreter des Apostolischen Administrators in Limburg. Foto: F. von Erichsen/Archiv Skandalbischof Tebartz-van Elst soll ins Ausland

Für den abberufenen Limburger Bischof Tebartz-van Elst wird es keine berufliche Zukunft in Deutschland geben. Er soll ins Ausland abgeschoben werden.

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WOLFGANG RÖSCH: Die Unruhe vieler Kirchenmitglieder ist verständlich. Einerseits besteht nach der Entscheidung des Papstes eine riesige Erwartungshaltung, das Bistum neu aufzustellen. Das ist ein sehr langwieriger Prozess, der nicht über Nacht eingeleitet werden kann. Wir haben versucht, die Dinge klug und maßvoll anzupacken. Nicht alles was wir intern tun, ist direkt außen sichtbar. Ich bitte um Geduld und Verständnis. Wir müssen auch beachten, dass von den acht Wochen nur zwei regulär verlaufen sind. In der Kar- und Osterwoche sind uns als Kirche andere Prioritäten gegeben. Nach Ostern ist dann der Apostolische Administrator für vier Wochen wegen seiner Hüft-OP ausgefallen.

Wann kommt er wieder?

RÖSCH: Am kommenden Montag. Weihbischof Manfred Grothe wird am Samstag aus der Reha entlassen.

„Alles wie früher“, lautete in dieser Woche der Titel eines Spiegel-Berichts. Herrscht in Limburg tatsächlich weiter der Ungeist der Vergangenheit?

RÖSCH: Ganz bestimmt nicht. Das Klima hat sich spürbar verändert. Unter den Entscheidungsträgern und auf allen Ebenen des Ordinariates wird viel mehr und offener miteinander gesprochen. Hinzu kommen regelmäßige Gespräche mit der Mitarbeitervertretung und den verschiedenen Berufsgruppen. Da ist vieles auf einem guten Weg, und ich bin sehr zuversichtlich.

Bilderstrecke Der Luxus-Bischof von Limburg Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - seit langem gibt es Verschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Das Vertrauen der Gläubigen ist erschüttert. Am 26. März 2014 wurde nun schließlich bekannt: Der Papst lässt den gestrauchelten Bischof nicht in sein Bistum zurückkehren.<br />&nbsp;<br />In unserer Fotostrecke listen wir chronologisch auf, warum der Limburger Bischof in Ungnade gefallen ist. Im zweiten Teil unserer Strecke sehen Sie dann Bilder vom Sitz des "Limburger Oberhirten." Fotos: Archiv 19. August 2012: Tebartz-van Elst wird Verschwendung vorgeworfen. Er sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin «Der Spiegel». Das Bistum weist die Vorwürfe zurück. 29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Limburger Bischof wegen möglicher Falschaussage über ein Upgrade in die Business-Class bei einem Flug nach Indien.

Was haben Sie organisatorisch verändert?

RÖSCH: Wir haben bereits im Herbst die Verwaltungsabläufe neu organisiert und Entscheidungsebenen, die der Kontrolle des Ordinariats entzogen waren, in die Bistumsverwaltung zurückgeführt. Ein Zeichen für diese Bemühungen ist das St. Georgswerk. Wir werden die Vorgänge rund um das St. Georgswerks rückgängig machen. Wir stehen zum Stiftungszweck, der das Vermögen für den Wiederaufbau kirchlicher Gebäude und die Errichtung von Wohnungen vorsieht. Für viele war der neubestellte Dienstwagen für den Bischof ein weiterer Anstoß für Unmut. Den Wagen haben wir zurückgegeben.

Wie geht es mit dem Bischöflichen Stuhl weiter?

RÖSCH: Wir werden das vom Bischof Tebartz-van Elst geänderte Statut neu verfassen. Die Abläufe sollen wieder stärker ans Ordinariat angebunden werden. Wir müssen ja das Bistum nicht neu erfinden, sondern die Strukturen, die es gibt, wieder heilen. Das hat viel mit Personen zu tun. Sie müssen nicht unbedingt ausgetauscht werden, sondern die Chance bekommen, sich weiterzuentwickeln.

Wer wird ausgetauscht? Gibt es auch Veränderungen im Domkapitel und im Vermögensverwaltungsrat?

RÖSCH: Es ist wichtig genau und differenziert auf die Verantwortlichkeiten zu schauen. Weihbischof Grothe will in Kürze mit den Mitgliedern des Vermögensverwaltungsrats sprechen. Das Gremium soll zwar unabhängig bleiben, aber stärker ins Ordinariat integriert werden.

Und die Domkapitulare?

RÖSCH: Im Limburger Domkapitel sind zwei Plätze frei. Weihbischof Grothe könnte zwei neue Domkapitulare ernennen. Dies wäre mit Blick auf die Wahl eines neuen Bischofs sicherlich klug.

„Die alten Versager“, so die Kritiker, sollen also über den neuen Weg und den neuen Bischof bestimmen?

RÖSCH: Ich kann den Unmut nachvollziehen, doch so einfach ist das alles nicht. Auch hier braucht es eine differenzierte Sicht. Letztlich zählen auch hier Anstand und Charakter.

Sie werden allgemein gelobt, manchen Beobachtern sind Sie aber zu lieb für diese Aufgabe. Schlagen Sie auch einmal mit der Faust auf den Tisch?

RÖSCH: (lacht) Ich bin da eher der Ausdauersportler. Als Fahrradfahrer, der gerne die Alpen überquert, kenne ich mein Tempo und weiß wie ich ans Ziel komme. Durch einen unbedachten Zwischenspurt kann ich alles verspielen. Wir sind im Heilungsprozess einer verwundeten Diözese. Gewalt heilt nicht, sondern Wahrheit. Ich möchte die Kirche nicht atomisieren und so gestalten, wie ich sie gerne hätte. Mir geht es um die Kirche als Ganzes. Und auch in schwierigen Lagen will ich Anstand bewahren. Ich möchte nicht lieb sein, sondern von der Liebe des Evangelium her leben. Das ist mein Maßstab.

Unter den Katholiken wächst der Unmut, weil Franz-Peter Tebartz-van Elst nach wie vor auf dem Domberg wohnt, noch dazu mietfrei. Wie lange noch?

RÖSCH: Ich weiß es nicht. Wir können und werden ihn nicht vor die Tür setzen. In den deutschen Diözesen gibt es dafür keine einheitliche Regelung. Für die emeritierten Bischöfe wird im Bistum Limburg die Dienstwohnungsordnung für Priester analog angewandt. Anders als die Priester im Ruhestand müssen sie ihre Dienstwohnung aber nicht aufgeben. Die emeritierten Bischöfe zahlen wie aktive Priester keine Miete, aber die Nebenkosten, und sie versteuern den geldwerten Vorteil.

Setzt das Bistum ihm keine Frist für den Auszug?

RÖSCH: Eine schnelle Lösung wäre sicherlich das Beste. Jeder Tag länger in Limburg macht es schwerer – für ihn und für das Bistum.

Wie könnte dann die Lösung aussehen. Gibt es eine neue Aufgabe für ihn?

RÖSCH: Auch das kann ich nicht sagen. Dafür ist die Bischofskongregation in Rom verantwortlich. Die neue Aufgabe wird wohl nicht im deutschsprachigen Raum sein. Hier kann es keinen unbefangenen Neubeginn geben. Die Weltkirche steht ihm offen. Tebartz-van Elst ist ein fähiger Theologe und darf im Ausland mit Wertschätzung rechnen.

Haben Sie Kontakt zu ihm; sieht er inzwischen seine Fehler ein?

RÖSCH: Ich spreche alle zwei bis drei Wochen mit ihm. Er ist von großer Ernsthaftigkeit geprägt. Mir steht es nicht zu, seinen Charakter zu analysieren. Klar ist, dass etwas ganz Dramatisches passiert und sein großer Lebensentwurf zerbrochen ist. Er wird sich in Exerzitien geistlich neu ausrichten und seine innere Freiheit wiederfinden müssen. Die Aufarbeitung braucht Zeit.

Wie viel Zeit braucht die Aufarbeitung des Skandals innerhalb der Kirche?

RÖSCH: Wir sehen, dass es verschiedene Fragen auch rechtlicher Art gibt. Diese werden wir sorgfältig und klug prüfen. Kirchenrechtlich ist letztlich die Rota, das oberste Gericht in Rom, zuständig. Wir können es uns nicht leisten, Fehler zu ignorieren und werden die Vorgänge mit Anstand und Konsequenz aufklären. Am Ende steht der Wunsch nach Versöhnung, auch wenn dies jetzt provozierend klingt.

Was machen die Verhandlungen für die Ruhestandsregelung des emeritierten Bischofs?

RÖSCH: Die laufen noch. Es wird keine Zugeständnisse aus Gefälligkeit geben – weder auf der einen noch auf der anderen Seite. Zwischen den Forderungen nach drastischen Gehaltsabstrichen und den Ansprüchen eines emeritierten Bischofs klafft die Schere weit auseinander.

Rechnen Sie mit einem Gehaltsverzicht von Tebartz- van Elst?

RÖSCH: Davon ist mir nichts bekannt.

Apropos Gehalt. Wie wird der Fahrer und Zeremonienmeister des früheren Bischofs eingesetzt, der angeblich mehr verdienen soll, als der Weihbischof?

RÖSCH: Summen werde ich nicht nennen. Nur so viel: Er hatte Resturlaub und hilft seinem früheren Chef noch bis Ende Mai bei den Vorbereitungen für einen eventuellen Umzug. So ist es vereinbart. Für die Zukunft suchen wir einvernehmlich mit ihm eine neue Tätigkeit. Diese wird nicht im Bischöflichen Ordinariat und wahrscheinlich auch nicht im Bistum sein.

Wie soll das Diözesane Zentrum genutzt werden?

RÖSCH: Ganz grundsätzlich wird das ein neuer Bischof entscheiden. Ab Samstag bleibt das Eingangstor tagsüber offen. Die Räume werden demnächst für Versammlungen und andere kirchliche Zwecke genutzt.

Was passiert mit den vielen teuren Kunstgegenständen?

RÖSCH: Die gehen an die Eigentümer zurück: Es gibt Objekte, die der Bischof privat angeschafft hat; die meisten gehören dem Bistum, manche sind ausgeliehen worden.

Wird der neue Bischof in die Wohnung seines Vorgängers einziehen?

RÖSCH: Er wird auf jeden Fall die Freiheit haben, das selbst zu entscheiden. Wir werden nicht den Wunsch äußern, dass er dort einzieht, und ihn auch nicht dazu auffordern, aus moralischen Gründen darauf zu verzichten.

Wann beginnt die Suche nach dem Nachfolger?

RÖSCH: So weit sind wir noch lange nicht. Wir müssen erst einmal eine Atmosphäre schaffen, in der ein Wahlverfahren eingeleitet werden kann. Rom wird einen Anstoß geben.

Wie lange kann das dauern?

RÖSCH: Das ist offen. Weihbischof Grothe hat im April mit uns seinen 75. Geburtstag gefeiert. Er geht davon aus, dass er noch ein oder zwei weitere Geburtstage in dieser Funktion mit uns erleben wird.

Mehr zum Thema » Tebartz-van Elst - Der Limburger Skandalbischof

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23.05.2014
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