Frankfurts Stadtdekan über die schwierige Lage im Bistum Limburg: „Kandidaten werden nicht Schlange stehen“

Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz gilt als einer der größten Kritiker des geschassten Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst. Unsere Redakteurin Julia Lorenz sprach mit ihm über den Rücktritt des Oberhirten, die Zukunft des Bistums und seine Wünsche an einen Nachfolger. Johannes zu Eltz Johannes zu Eltz
Frankfurt. 

Herr Stadtdekan, was haben Sie gedacht, als Sie erfuhren, dass Bischof Tebartz-van Elst nicht mehr nach Limburg zurückkehren wird?

JOHANNES ZU ELTZ: Ich bin nicht davon ausgegangen, dass er wiederkommen würde. Das hätte ich von unserem Papst nicht erwartet. Erleichterung und Traurigkeit haben sich die Waage gehalten.

Warum Traurigkeit?

ZU ELTZ: Weil viel Schaden im Bistum entstanden ist. Das Vertrauen ist verloren.

Wie lange wird es denn dauern, um das Vertrauen wieder herzustellen?

ZU ELTZ: Die Brüche sind tief. Der Missbrauch des Vertrauens ist beispielslos. Deswegen bin ich zwar hoffnungsvoll, aber nicht optimistisch. Es wird lange dauern, um das Vertrauen der Gläubigen zurückzugewinnen. Aber dafür brauchen wir eine Reform. Wir können nicht zu alten Ufern zurückkehren. Oder um es anders auszudrücken: Senf geht nicht wieder in die Tube zurück.

Sie gelten als einer der größten Kritiker des geschassten Bischofs. Bereits im März 2012 haben Sie gemeinsam mit anderen Priestern einen Brief an Tebartz unterschrieben, der die Angst im Bistum aufgriff. Denken Sie, dass Sie damit dazu beigetragen haben, dass der Bischof zurückgetreten ist?

ZU ELTZ: Ich denke, dass ich zumindest indirekt dazu beigetragen habe. Ich habe den Menschen an meinem Beispiel gezeigt, dass man auch mal den Mund aufmachen kann, ohne dass einem gleich etwas passiert.

Empfinden Sie Genugtuung?

ZU ELTZ: Überhaupt nicht. Wir haben uns in keinem Duell befunden, in dem jemand als Sieger von der Fläche geht. Es hat am Ende nur Verlierer gegeben.

 

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Tebartz-van Elst wehrt sich gegen den Prüfbericht. Er fühlt sich unschuldig. Ist das für Sie nachvollziehbar?

ZU ELTZ: In der Sache nicht. Der Prüfbericht bestätigt, in all seiner Zurückhaltung, dass er verantwortlich ist. So wie ich Tebartz-van Elst allerdings erlebt und kennengelernt habe, wundert es mich nicht. Ich habe ihn nie anders erlebt.

Was soll denn Ihrer Meinung nach mit dem überteuerten Bischofssitz in Limburg passieren?

ZU ELTZ: Derjenige, der eine überzeugende Idee hat, bekommt von mir tausend Punkte. Ich habe wirklich keine Ahnung, was man damit anfangen könnte. Der Bischofssitz ist so sehr von seinem Bauherrn geprägt, da kann ich mir nicht vorstellen, wer dort gerne wohnen würde. Und derjenige, der einziehen will, den kann ich mir nicht als neuen Oberhirten vorstellen.

Wie geht es jetzt im Bistum weiter?

ZU ELTZ: Von der Wahl Manfred Grothes als Apostolischen Administrator und Wolfgang Rösch als sein ständiger Vertreter verspreche ich mir viel. Dennoch brauchen wir schnell einen guten Bischof, der das Ansehen des Amtes wiederherstellt.

Wie sollte der Neue denn sein?

ZU ELTZ: Die Kandidaten werden nicht Schlange stehen. Er sollte ein unerschrockener Mann sein, der auf den Beistand Gottes setzt und betet. Ein schlichter und frommer Mann, der einem auch wirklich hilft. Jemand, den die Menschen mögen, dem sie vertrauen können und der ihnen auch vertraut. Jemand, der Gott und Menschen liebt. Und wenn es dann so von oben und unten, sprich: von Himmel und Erde zusammenkommt, dann wird alles gut.

Können Sie sich vorstellen, in die Fußstapfen von Tebartz zu treten?

ZU ELTZ: Das halte ich nicht für meine Bestimmung. Ich liebe meine Arbeit und mein Leben in Frankfurt.

Was wünschen Sie dem ehemaligen Limburger Bischof für seine Zukunft?

ZU ELTZ: Ich habe ihn immer als unglücklichen und gehetzten Mann erlebt. Das hat mir leid getan. Deshalb wünsche ich ihm eine Aufgabe, wo er seine Gaben einsetzen kann, wo die Menschen unbefangen auf ihn zugehen und ihm auch mal sagen, dass sie ihn mögen.

 

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28.03.2014
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