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Das glückliche Ende der Tour

Paddel in den Händen, die Nase im Wind und sein Kajak zwischen den Wellen des Mains, so hat FNP-Reporter Moritz Eisenach sein Paddel-Abenteuer inmitten des Rhein-Main-Gebiets erlebt.
Endlich geschafft! Nach einer Woche auf dem Main ist Moritz Eisenach in Mainz angekommen. Bilder > Endlich geschafft! Nach einer Woche auf dem Main ist Moritz Eisenach in Mainz angekommen.

Geträumt habe ich von den Wellen. Etwas unsicher, ob es ein wüster Albtraum war oder nur das neurologische Ergebnis meiner dauernden Konzentration auf das Wasser, wache ich auf dem Feldbett im Flörsheimer Ruderverein auf. Sofort schießt es mir durch den Kopf: Heute komme ich ans Ziel!

Am Vorabend habe ich mit meinem Gastgeber Günter Ruppert meine letzte Etappe besprochen. „Gleich kommt eine enge Biegung, in der die Schiffe bis an den Rand fahren“, hat er gewarnt. Dort solle ich vorsichtig sein. Davon unbeeindruckt denke ich nur an den Rhein. Der Strom ist fast dreimal so breit wie der Main, hat eine deutlich zügigere Strömung und regen Verkehr. Ihn muss ich überqueren.

Ruppert und seine Frau Christine unterbrechen meinen Wellentraum und bringen Wurst, Käse, Kaffee und Saft. Ich greife dankbar zu. Sie erzählen von ihrem Verein und laden mich zum Drachenboot-Wettbewerb ein. Dann muss ich los.

 

Viele gute Wünsche

 

Kaum gestartet, winken mir einige Menschen am Ufer. „Bist du der aus der Zeitung?“, ruft einer. Ein anderer: „Gute Reise!“, und schon bin ich in der angekündigten Mainbiegung. Fast übermütig ziehe ich das Paddel durchs Wasser. Doch ein Polizeischiff erscheint neben mir in hohem Tempo. Die Wellen geben mir einen Vorgeschmack auf den Rhein.

Schaukelnd wechsle ich die Seite, passiere die Opelwerke und erreiche bald die Kostheimer Schleuse. Dort befindet sich eine Leitstelle, wo der Binnenverkehr des Mains abgewickelt wird. Auch die Schleusen in Eddersheim und Griesheim werden von hier aus gesteuert.

„Bis zu 27 000 Schiffe kommen hier im Jahr durch“, erzählt der Schleuser Norbert Müller, der vor einer Unzahl flimmernder Monitore steht. Jeder Winkel der Schleusen kann beobachtet werden, auch mein türkisfarbenes Kajak ist zu sehen. Die Kapitäne müssen sich anmelden, registrieren und bezahlen. „Wie bei der Autobahnmaut“, erklärt Müller. Der Preis sei abhängig von Strecke, Gut und Menge. Benzin etwa sei teuer. „Wenn ein Tankschiff mit 3000 Tonnen Benzin nach Kelsterbach zum Flughafen fährt, kostet das fast 1200 Euro.“

Für mich ist der Ausflug in die Leitzentrale faszinierend und beruhigend zugleich. An den Schleusen habe ich mich verlassen gefühlt. Unsicher und mit der Angst, mich zu gefährden. Das neue Bewusstsein über die permanente Überwachung und die Technik in der Leitzentrale beruhigt mich: „Die hätten mich gerettet.“

Inzwischen ist Bernd Zürn, mein Begleiter vom Vortag, wieder zu mir gestoßen und steigt für das letzte Stück mit ins Boot. „Noch vier Kilometer bis Mainz. Fast geschafft“, sage ich.

Mit Bernd geht es schneller voran. Nach wenigen Momenten eröffnet sich das breite Band des Rheins vor uns, mein Blick fällt auf den Dom, die Christuskirche und bedenklich viele Schiffe. Schlauch- und Sportboote, Touristen- und Frachtschiffe. Die Strömung nimmt uns auf, die Wellen beeindrucken mich. „Wie sollen wir da rüber?“, frage ich zweifelnd. Bernd entgegnet: „Gleich hinter der Brücke biegen wir ab.“ Dort sei das gut machbar.

 

Abenteuer Rheinquerung

 

Als wir die Überquerung starten, erblicke ich - noch weit entfernt - einen Tanker. Ich zögere, doch Bernd will weiter. Wir sind in der Mitte des Stroms, das Schiff nähert sich. Die Wellen sind riesig. Das Kajak tanzt auf den Wellen. Der Wind bläst uns aus der Bahn, man kann kaum steuern. Der Tanker ist noch 100 Meter entfernt. „Schneller“, rufe ich, wir erhöhen die Schlagzahl. Schon erkenne ich die Treppen am Kaisertor, wir sind nun unmittelbar vor dem Tankschiff.

Noch 50 Meter. Also weiter. So nah war ich solch einem Bug noch nie, er erscheint unendlich hoch. Das Bugwasser ist so nah, dass ich glaube, es schmecken zu können. Dann klatscht eine Welle ins Boot, ich bin klitschnass. Wir paddeln mit aller Kraft, dann haben wir es geschafft.

Am Ende meiner Reise bin ich hin- und hergerissen zwischen Heimweh und der Lust, weiterzupaddeln. Auf der Treppe in Mainz stehend blicke ich zurück, denke: „Welch ein Abenteuer“, und bin mir sicher: „Von Wellen werde ich öfter träumen.“




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