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Kajak-Tour: Die Schleuse kam überraschend

Nase im Wind, Paddel in den Händen, Wasser unterm Kajak - so ist FNP-Reporter Moritz Eisenach seit gestern auf dem Main unterwegs sein. Die sechstägige Flussfahrt stromabwärts - von Seligenstadt bis zur Mainmündung bei Mainz - wird ihm mit Sicherheit spannende Begegnungen und Erlebnisse bescheren. Damit Sie daran teilhaben können, wird unser Paddler täglich in Wort und Bild darüber berichten. In der zweiten Folge seiner Serie erzählt Eisenach, wie es ihm auf der Fahrt von Seligenstadt nach Hanau ergangen ist.
Auf zu neuen Ufern! Unser Mann auf dem Main hat seine ersten Abenteur erfolgreich bestanden. Bilder > Auf zu neuen Ufern! Unser Mann auf dem Main hat seine ersten Abenteur erfolgreich bestanden.

Das Kajak ist geladen und schaukelt leicht im Mainwasser. Alle wichtigen Mitbringsel wie Telefon, Ladegerät und mein bescheidener Proviant sind wasserdicht in eigens dafür vorgesehenen Plastiktonnen verpackt. Die Reise kann beginnen. Während der Einweisung bei Petra und Dietmar Schellhorn vom Frankfurter Kanuverein (FKV) habe ich den richtigen Einstieg gelernt: Zuerst lege ich das Paddel quer hinter den Sitz auf das Kajak. So entsteht eine Verbindung zwischen Boot und Boden. Dann befestige ich diese Verbindung, indem ich mich auf das Paddel setze. Langsam rutsche ich seitlich auf das Boot, dann in den Sitz. Der Main hat mich aufgenommen.

All das hätte gar nicht funktioniert, wenn ich nicht zufällig Sigrid und Konrad Flamisch am Ufer in Seligenstadt getroffen hätte. Konrad hilft mir dabei, das immerhin fast 40 Kilo schwere Kajak die steile Uferböschung hinabzuschleppen und ans Wasser zu legen. Dankbar schaue ich, mittlerweile im Boot sitzend, zurück und bin ganz plötzlich allein mit dem Fluss.



Das Paddeln kann ein Sport sein. Meine Reise ist aber eine Wanderreise. Die Geschwindigkeit hält sich in Grenzen, im Vordergrund stehen die sinnliche Erfahrung und das Erleben der Natur mitten im Rhein-Main-Gebiet. Und da ich abgesehen von dem Crashkurs beim FKV recht unerfahren bin, ist es zudem ein Wagnis. Zunächst erprobe ich meine Paddelkünste. Rechts ins Wasser, eine Drehung mit der rechten Hand, dann links ins Wasser. Und immer weiter so. Der Fluss liegt sehr still vor mir, ich kann in Ruhe testen. Es wirkt fast wie eine kontemplative Tätigkeit.

Nach etwa einer halben Stunde werde ich jäh aus meinen Gedanken gerissen. „Der Main ist eine Bundeswasserstraße“, haben die Schellhorns mir eingebläut. Ich solle das nicht vergessen. Es war mir entfallen, und nun überrascht mich ein Tankschiff. Es tuckert flussabwärts, wie ich, und kommt daher von hinten. Gehört habe ich es nicht und muss nun schnell reagieren. „Quer zu den Wellen“, erinnere ich mich und versuche mein Kajak möglichst mit der Spitze auf die bedrohlich hohen Hügel im Wasser zu steuern. Das klappt leidlich gut, mein Kajak schwankt bedenklich hin und her. Doch mit etwas Glück überstehe ich meine ersten größeren Wellen. Noch bin ich also trocken und paddle um eine Erfahrung reicher weiter: Regelmäßig nach hinten blicken.

Moritz Eisenach auf FacebookSchon kurz darauf folgt die nächste Begegnung auf dem Wasser. Das Treffen mit Marvin und Martin vom Wasserschifffahrtsamt verläuft allerdings weniger kritisch. Mit ihrem Motorboot halten sie am Ufer und besprühen es mit Wasser. „Die Pflanzen auf der Böschung brauchen das bei der Hitze regelmäßig“, erklärt Marvin. Dann wünschen wir uns gegenseitig eine gute Reise.

Wer wenig Erfahrung hat, sollte gut planen. Das habe ich vor der Reise versucht, habe mir von den Schellhorns etliche Tricks und Tipps geben lassen, habe den Flussführer des Deutschen Kanuverbands (DKV) gewälzt und alle für mich wichtigen Seiten kopiert und mitgenommen. Die Etappen sind vorsichtig abgesteckt, heute etwa elf Kilometer. Das schafft auch ein Anfänger. Allerdings habe ich ein sehr wichtiges Detail übersehen. Die Schleuse in Groß-Krotzenburg.

Völlig überrascht von dem Anblick des Schleusenwehrs aus Beton und Stahl steuere ich unsicher darauf zu. „Wie funktioniert das?“, schießt es mir durch den Kopf. Vielleicht liegt es an der Aufregung, vielleicht an der Überraschung, jedenfalls weiß ich rein gar nichts mehr von den Erklärungen, die mir die Schellhorns im FKV-Bootshaus gegeben haben. Also lenke ich zunächst ans Ufer, um nachzudenken und mich zu beruhigen. Etwa 100 Meter weiter sehe ich ein Schild. „Achtung, Lebensgefahr!“, steht da. Ich befinde mich schon außerhalb des ungefährlichen Gebiets und muss mich sputen, um wieder auf die richtige Seite zu kommen. Nach rechts. Andernfalls würde ich über das Wehr gespült oder nach unten gezogen. „Gummiwasser“, haben die Schellhorns gesagt. „Das zieht sich.“ Und vor allem mich.

Die geplante Strecke der Paddeltour.
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Mit viel Kraftaufwand schaffe ich es an die Schleusenmauer. Dort steige ich aus dem Kajak und bin heilfroh, festen Boden unter den Füßen zu haben. Die Funksprechanlage ist zwar defekt, aber per Telefon erreiche ich Herrn Schlereth, der seinen Spätdienst in der Schleusenwache macht. Er erklärt mir alles ganz genau. Ich solle das untere Tor schließen, indem ich einen dafür vorgesehenen Hebel umlege. Dann könne ich per Knopfdruck die Kammer füllen und anschließend mit dem Kajak in die Schleuse fahren. „Aber wer öffnet dann das untere Tor, wenn ich im Boot sitze?“, denke ich.

„Auf dem Wasser herrscht eine besondere Solidarität“, erklärt Andreas Wetzler, der während meiner Versuche, die Bootsschleuse zu bedienen, mit seinem Schlauchboot angekommen ist. „Jeder hilft dem anderen.“ Das höre ich gern. Direkt danach erfahre ich es, denn mit mir in der Schleuse sind auch Bernd und Jutta auf ihrem sündhaft teuer wirkenden Sportboot. „Magst du ein Bier?“, ruft Bernd zu mir herunter. Ehe ich antworten kann, greift er in den im Boot befindlichen Kühlschrank und reicht mir ein eisgekühltes Dosenbier für den Abend. Dann öffnet Andreas das untere Tor und ich winke glücklich, weil er mir zur Weiterfahrt verholfen hat. An den Hundeliebhabern am Ufer, an Wasserski-Booten und der Basilika in Seligenstadt bin ich vorbei gepaddelt. Und nun bin ich beim Hanauer Bootsclub (HBC) gelandet. Die Betreiber Bernhard und Caroline Becker bieten mir ein Plätzchen für mein Zelt an. Kurz darauf sitze ich entspannt, aber erschöpft, auf der Terrasse und höre mir Geschichten über den HBC an, während ich das Bier trinke. Langsam senkt sich die Sonne. Ich schlendere über das Gelände des Bootsclubs. „Morgen folgt die nächste Schleuse“, denke ich. Aber diesmal bin ich gewarnt.

Die Stationen der Paddeltour von Moritz Eisenach, ein Klick vergrößert die Ansicht.
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