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Mit dem Paddelboot auf Mainreise

Nase im Wind, Paddel in den Händen, Wasser unterm Kajak – so wird FNP-Reporter Moritz Eisenach ab heute auf dem Main unterwegs sein. Die sechstägige Flussfahrt stromabwärts – von Seligenstadt bis zur Mainmündung bei Mainz – wird ihm mit Sicherheit spannende Begegnungen und Erlebnisse bescheren. Damit Sie daran teilhaben können, wird unser Paddler täglich in Wort und Bild darüber berichten. In der ersten Folge seiner Serie erzählt Eisenach, wie er sich auf die Tour vorbereitet hat und zu seinem Kajak gelangt ist. Morgen beginnt dann die große Flussfahrt.
Ein Schubs, und schon rutscht das Kajak in den Main. Bilder > Ein Schubs, und schon rutscht das Kajak in den Main.
Frankfurt. 

Ein Schubs von hinten, dann rutscht das Kajak über den Kai. Tief taucht die Spitze in den Main, bevor sich ein Wasserschwall ins Boot ergießt. Kurz höre ich nur Sprudeln, sehe Schaumkrönchen und schlucke Mainwasser. Dann bin ich wieder an der Luft. Am Paddel habe ich mich festgeklammert, wie die Trainer es mir eingebläut haben. Nach dem Kajak greife ich, ohne zu denken. Dann schwimme ich ans Ufer, Paddel und Boot ziehe ich mühevoll hinter mir her.

„So wird kontrolliert gekentert“, sagt Dietmar Schellhorn vom Frankfurter Kanu-Verein (FKV). Der Kanutrainer lacht über mein ungelenkes Verhalten bei der Kenterübung und sagt: „Das wird dir auf deiner Tour noch ein paar Mal passieren. Besser, du hast es jetzt schon erprobt.“ Dann wird das Prozedere wiederholt. Trotz des 100. Jubiläums des Vereins haben sich Schellhorn und seine Frau Petra die Zeit genommen, mir einen Crash-Kurs im Paddeln zu geben.

Die geplante Strecke der Paddeltour.
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Wer kann Moritz Eisenach einen Schlafplatz anbieten? Eine Ecke im Stall, der Garage oder auch nur eine kleine Wiese für die Nacht sind schon hilfreich.

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Das ist bitter nötig, damit meine Kajak-Tour über den Main nicht zum Desaster wird. Denn ich bin zwar voller Abenteuerlust, aber einigermaßen unerfahren. Mein Plan: Eine Woche lang werde ich allein im Kanu über den Main paddeln. Start ist in Seligenstadt am heutigen Montag, Ziel ist die Mündung des Mains in den Rhein bei Mainz. Dort will ich am Freitag ankommen. Die Strecke dazwischen habe ich grob in fünf Etappen geteilt, aber ob das so klappt, bleibt abzuwarten. Weitere Planungen gibt es nicht, denn der Zufall, die Spontaneität und die Menschen, denen ich begegne, sollen über meine Reise entscheiden. Deshalb sind keine Übernachtungen gebucht, nur ein Wurfzelt und einen Schlafsack habe ich dabei. Die einzige Regelmäßigkeit: Jeden Tag berichte ich über meine Erlebnisse.

Im FKV-Bootshaus am Schaumainkai zeigen mir die beiden „DKV-lizensierten Fachübungsleiter Kanu“, wie sich die Schellhorns in Frankfurt nennen dürfen, die Auswahl an Booten und erklären mir alles. „Du musst dich immer an den Flussufern aufhalten“, warnt Petra. Der Main sei eine Bundeswasserstraße, es gebe sehr viel Verkehr. „Das ist wie eine Autobahn auf dem Wasser.“ Der Kapitän eines Tankschiffs etwa habe „einen toten Winkel von mehr als 300 Metern“. Außerdem habe so ein Schiff einen Bremsweg von etwa 15 Schiffslängen, erklärt sie. „Wenn du ihn nicht siehst und im Weg bist, überrollt er dich, ohne es auch nur zu merken.“

 

Gefährlicher Sog

 

Moritz Eisenach auf FacebookDie Frachtschiffe sind nicht die einzige Gefahr, der ich mich aussetze. Auf meinem Weg muss ich Schleusen passieren. Dort staut sich das Wasser an Wehren, es entsteht ein Rücklauf. „Gummiwasser“, sagt Kanutrainerin Petra dazu. An diesen Stellen kann man in einen Sog geraten, der tödlich sein kann. „An einem Wehr habe ich mal eine Ente ertrinken sehen“, sagt Dietmar. Das klingt etwas lustig, wenn man aber die Schwimmkünste von Enten bedenkt, wird der Ernst der Warnung deutlich. Ich solle unbedingt auf die Schilder achten, auf denen angegeben wird, an welcher Seite des Flusses sich die Bootsschleuse für Paddler wie mich befindet.

Das birgt allerdings gleich das nächste Risiko. In manchen Fällen liegt der Schleusendurchgang auf der jeweils gegenüberliegenden Seite des Mains. Dann muss ich den Fluss überqueren und bewege mich wieder direkt in der Fahrrinne der Großschiffe. Petra, die auch die Vizepräsidentin Freizeitsport des Hessischen Kanuverbands (HKV) ist, beruhigt mich. „Wenn du dich an unsere Anweisungen hältst und immer wieder nach hinten schaust, kann dir kaum etwas passieren.“ Wichtig sei außerdem die Wahl des richtigen Kanus, denn je besser ich manövrieren könne, desto weniger sei ich in Gefahr.

 

Vier Kanu-Disziplinen

 

„ ,Kanu’ ist der Oberbegriff“, erklärt Petra. Darunter gebe es viele verschiedene Disziplinen. „Beim FKV haben wir uns auf die vier populärsten verlegt“, sagt die Trainerin. Das seien Kanadierboote, Kajaks, Drachenboote und Auslegerboote. „Kanus mit Auslegern sind eher für sportliche Ambitionen gedacht. Der Ausleger ist ein Gestänge, das seitlich am Boot befestigt ist und das Umkippen verhindert“, erklärt Petra. Für eine Wandertour sei dieses Sportboot eher nicht geeignet. Das Drachenboot komme ebenfalls nicht infrage, denn hiermit fahren bis zu 20 Paddler.

„Für deine Tour solltest du dich zwischen dem Kajak und dem Kanadier entscheiden“, rät Dietmar. Der Vorteil des Kanadiers ist der größere Stauraum. Das Kajak kann man auch als Anfänger recht gut lenken, es schneidet das Wasser gut und ist leichter. Beim Crashkurs teste ich beide Boote und bin mir schnell sicher: „Ich nehme das Kajak.“ Für meine Tour hat mir Jürgen Scheich aus Rodgau ein Boot geliehen. Er freut sich, dass er seinen Betrieb „Riverfun“ ein wenig ins Gespräch bringen kann, indem er mir ein türkisfarbenes Kajak für meine Tour zur Verfügung stellt.

Jetzt ist es kurz nach 10 Uhr. Ich habe Wurfzelt, Schlafsack und Telefon wasserdicht verpackt und im Kajak verstaut, habe noch etwas gegessen und gehe nun bei Flusskilometer 69 kurz vor Seligenstadt ins Wasser: Das Abenteuer beginnt.

Die Stationen der Paddeltour von Moritz Eisenach, ein Klick vergrößert die Ansicht.
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